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GEOTHERMIE: Kraftwerke mit Tiefgang

Eine Firma will in Pfaffnau und Triengen Energie gewinnen – mit heissem Wasser aus 4500 Metern Tiefe. Die neue Technologie ist umweltfreundlich, birgt aber auch ein Risiko.
Blick auf die Geothermie-Anlage im Sittertobel in St. Gallen. Nun sind auch in Pfaffnau und Triengen solche Anlagen geplant. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Blick auf die Geothermie-Anlage im Sittertobel in St. Gallen. Nun sind auch in Pfaffnau und Triengen solche Anlagen geplant. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Alexander von Däniken

Die Energiewende verursacht seit 2011 bei manchem Politiker eine Nackenstarre. Schrittweise soll die Schweiz aus der Kernkraft aussteigen. Stattdessen sollen Wind- und Sonnenkraft ausgebaut werden. Das Problem: Diese Arten der erneuerbaren Energie liefern nur dann Strom, wenn die Sonne scheint oder der Wind bläst. Zuverlässiger, umweltfreundlicher Strom ist nicht in Sicht, zumal Sonnen- und Windenergie nur unzureichend gespeichert werden können und die Wasserkraft an Bedeutung verliert. Auch darum ist die Energiestrategie 2050 des Bundes im Parlament so umstritten.

Dabei stehen wir bereits auf der Lösung. Davon ist der Dachverband der Akteure der Geothermie in der Schweiz, Geothermie.ch, überzeugt. So seien 99 Prozent der Erdmasse heisser als 1000 Grad. Es wird zwischen zwei Nutzungen der Erdwärme unterschieden: der untiefen Geothermie sowie der Tiefengeothermie. Die untiefe Methode ist durch den Einsatz von Erdwärmesonden zum Heizen und Kühlen von Gebäuden bereits etabliert. Die Tiefengeothermie ist in der Schweiz noch wenig erforscht, birgt aber laut dem Geothermie-Dachverband «ein enormes Potenzial», wie der in Luzern wohnhafte Verbandspräsident Willy Gehrer auf Anfrage erklärt.

Die Gemeinden warten noch ab

Dieses Potenzial will die Geo-Energie Suisse AG nutzen. Am Unternehmen sind kommunale und regionale Energiekonzerne beteiligt, aber keiner aus der Zentralschweiz. Trotzdem hat die Geo-Energie im Kanton Luzern die Fühler ausgestreckt. Sie plant, in Pfaffnau und Triengen je eine Tiefengeothermie-­Anlage zu bauen. Noch gibt es in der Schweiz kein Geothermie-Kraftwerk, das so tief in die Erde reicht. Das soll sich nun ändern. Bei den Gemeinden stossen die Geothermie-Projekte nicht auf Granit, aber auch nicht auf heisse Gegenliebe. So sagt der Trienger Finanz- und Umweltvorsteher Josef Fischer-Rösch (CVP) nüchtern: «Wir werden das Projekt begleiten.» Nachdem die Geo-Energie Suisse AG auf den Gemeinderat zugegangen sei, habe dieser mögliche Landeigentümer vermittelt. Seit letztem Oktober habe der Gemeinderat allerdings nichts mehr von der Geo-Energie gehört.

Auch in Pfaffnau herrscht schon länger Funkstille, wie Gemeindepräsident Thomas Grüter (CVP) auf Anfrage erklärt. «Der Gemeinderat Pfaffnau ist offen und steht dem Geothermie-Projekt grundsätzlich positiv gegenüber.» Der Gemeinderat sei überzeugt, «dass sich die Geothermie zu einer der effizientesten und nachhaltigsten Energiequellen entwickeln könnte», so Grüter.

Projekte in «Vorabklärung»

Die Geo-Energie selbst äussert sich zu den Luzerner Projekten zurückhaltend. Projektleiter Florentin Ladner: «Unsere Projektentwicklung an den Standorten Triengen und Pfaffnau befindet sich derzeit immer noch in einem Stadium der Vorabklärung.» Weitere Schritte und Informationen würden frühestens im Spätherbst 2016 kommuniziert. Die weitere Entwicklung im Kanton Luzern hänge von den Entwicklungen der neuen Gesetze ab.

Es gibt ein vergleichbares Projekt, das in der Schweiz am weitesten fortgeschritten ist: in Haute-Sorne. Der Kanton Jura hat im letzten Sommer das rund 100 Millionen Franken teure Projekt bewilligt. Das Kraftwerk soll bis zu 5 Megawatt leisten und Strom für rund 6000 Haushalte generieren.

Nachteil: Erdbebenrisiko

Allerdings hat auch die Geothermie Risiken. So mussten in St. Gallen Bohrungen nach einem Erdbeben der Stärke 3,5 gestoppt werden. In der Tiefe wurde auch zu wenig Heisswasser gefunden. Stattdessen drang Erdgas nach oben. In Basel wurde im Jahr 2006 nach einem Erdbeben der Stärke 3,4 ein Geothermie-Projekt beendet.

Die Erdbebengefahr besteht vor allem dann, wenn nach der ersten Bohrung mit Druck Risse im tief liegenden Gestein verursacht werden. Willy Gehrer verhehlt nicht, dass ein Erdbebenrisiko besteht. Aber er relativiert: «Gebäudeschäden treten erst ab einer Stärke von 4,2 auf. Fast alle Erdbeben in der Schweiz – diese gibt es praktisch täglich und auf natürliche Weise – werden nicht gespürt.» Das Erdbebenrisiko bei Bohrungen lasse sich durch mehr Forschung und praktische Erfahrungen minimieren.

Konzession durch Regierungsrat

Auch der Kanton Luzern unterstützt die Geothermie als erneuerbare Energie. «Die Geothermie-Nutzung entspricht der Energiepolitik des Kantons Luzern», sagt Mirija Weber vom Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement. Ein Vorhaben müsse aber raumplanerisch und bezüglich der Umwelt verträglich sein. Und es brauche eine Konzession durch den Regierungsrat. Die Luzerner Sektion von Pro Natura ist ebenfalls nicht grundsätzlich gegen die Geothermie.

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