Geplantes Sek-Schulhaus in Sursee ist ein regionalpolitisches Novum

Für fast vierzig Millionen Franken soll in Sursee bis 2024 ein neues Schulhaus entstehen. Erstmals beteiligen sich auch die anderen Gemeinden des Sekundarschulkreises am Bau.

Roseline Troxler
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So soll das neue Sekundarschulhaus dereinst aussehen. Die Klassenzimmer befinden sich alle auf einer Ebene im dritten Stock.

So soll das neue Sekundarschulhaus dereinst aussehen. Die Klassenzimmer befinden sich alle auf einer Ebene im dritten Stock.

Visualisierung: PD

Eine Dreifachturnhalle, zwölf Klassenzimmer, ein Mehrzweckraum über zwei Stockwerke, ein Aussenplatz und viel Grünfläche um das Gebäude. So kann das Schulhausprojekt für rund 250 Schülerinnen und Schüler kurz zusammengefasst werden. Der Bau soll auf dem Zirkusplatz in Sursee, gleich neben der Stadthalle, zu stehen kommen. Am Montagabend hat die Stadt Sursee an der Gemeindeversammlung (GV) die 94 anwesenden Stimmbürger über das neue Schulhaus informiert.

Über diese Kredite wurde diskutiert

Diskutiert wurde an der GV über zwei Kredite: einer über 37,6 Millionen Franken für den Bau des Sekundarschulhauses und der zweite Kredit über 5,36 Millionen Franken für ein unterirdisches Parkhaus mit knapp 100 Plätzen. Die anwesenden Stimmbürger haben Eintreten beschlossen. Damit wird am 29. November an der Urne über die beiden Kredite entschieden.

So sieht die Finanzierung des Neubauprojekts aus

Bildungsvorsteherin Heidi Schilliger Menz (FDP) sagte an der Versammlung:

«Die Art der Zusammenarbeit und Finanzierung ist regionalpolitisch ein wichtiges Zeichen.»

Denn das Neubauprojekt wird nicht nur von Sursee, sondern auch von den fünf Nachbargemeinden im selben Sekundarschulkreis sowie vom Kanton Luzern finanziert. Sursee zahlt letztlich rund 17,6 Millionen Franken, Oberkirch soll sich mit 5,4 Millionen beteiligen, Geuensee mit 4,2 Millionen, Knutwil und Schenkon mit je 3 Millionen und Mauensee mit 1,4 Millionen Franken. «Die Investitionskosten wurden aufgrund der Schülerzahlen berechnet», erklärt Schilliger Menz. Diese steigen in den nächsten Jahren stark an, sodass bis 2030 voraussichtlich 10 bis 14 zusätzliche Klassen geführt werden. Aktuell gibt es in Sursee 28 Sek-Klassen. Ein Drittel der Schüler stammt aus Sursee, zwei Drittel aus den Nachbargemeinden.

Heidi Schilliger Menz betonte: «Die gemeinsame Finanzierung erlaubt es, dass die Schulden der Stadt Sursee weniger stark ansteigen als bei einem Alleingang. Es ist das erste Mal, dass in Sursee sechs Gemeinden gemeinsam ein solches Projekt stemmen. Hoffentlich bleibt es nicht dabei.» Die Kredite kommen auch in den Nachbargemeinden noch an die Urne respektive vor die Gemeindeversammlung. Auf die Frage eines Stimmbürgers, was passiert, wenn eine Gemeinde dagegenstimmt, sagte die Bildungsvorsteherin: «Dann erhöht sich der Betrag, den Sursee stemmen muss.» Sie verweist aber darauf, dass sich alle Gemeinderäte in den sechs Gemeinden für das Projekt ausgesprochen haben.

Das künftige Sekundarschulhaus in Richtung Haupteingang.

Das künftige Sekundarschulhaus in Richtung Haupteingang.

Visualisierung: PD

Deshalb hat sich die Stadt für den Zirkusplatz entschieden

An der Gemeindeversammlung blickte die Bildungsvorsteherin auf sechs Jahre Planung zurück und führte aus, dass zunächst in allen sechs Gemeinden des Sekundarschulkreises nach einem geeigneten Ort für den Neubau gesucht wurde. Denn sie erklärt: «Es war bald klar, dass ein Anbau beim bestehenden Schulhaus in Sursee von den Platzverhältnissen her nicht reicht.» In allen Gemeinden habe man dann zwölf Parzellen ausgeschieden und genauer auf die Verfügbarkeit, die Lage und die Sicherheit geprüft. Schliesslich seien noch die beiden Standorte St. Martin und Zirkusplatz in Sursee übriggeblieben.

In der Vernehmlassung habe sich die grosse Mehrheit für den Zirkusplatz ausgesprochen, so Schilliger Menz. In der Nähe zum bestehenden Standort sieht sie einen grossen Vorteil in Form von Synergien. Fachlehrpersonen etwa könnten zwischen beiden Schulhäusern hin- und herwechseln. «Dies schlägt sich in den Betriebskosten positiv nieder.» Kommt hinzu, dass sich auch der Kanton Luzern mit drei Millionen Franken an den Kosten beteiligt. Der Grund: Der Kanton hat bei der ganz in der nähe liegenden Kantonsschule Sursee Bedarf für neue Sporthallen. Er integriert diese nun im geplanten Sekundarschulhaus auf dem Zirkusplatz.

Rund um den Neubau soll viel Grünraum entstehen.

Rund um den Neubau soll viel Grünraum entstehen.

Visualisierung: PD

Darum geht es in der Vorlage zum unterirdischen Parkhaus

Nicht nur über das Schulhaus wurde diskutiert, sondern auch über das geplante unterirdische Parkhaus. Dieses soll nur von Sursee finanziert werden. Über den Kredit in der Höhe von knapp 5,36 Millionen Franken wird ebenfalls am 29. November abgestimmt. Stadtpräsidentin Sabine Beck-Pflugshaupt (CVP) sagte über das Parkhaus: «Es deckt das Bedürfnis ganz verschiedener Nutzer.» Die Betriebskosten sollen über die Parkplatzgebühren finanziert werden. Die Erschliessung ist via Ringstrasse geplant. Bei einem Nein zum Parkhaus müssten 28 Parkplätze oberirdisch erstellt werden – «auf Kosten von Grünflächen».

Alle Surseer Parteien begrüssen sowohl den Schulhaus-Neubau als auch das Parkhaus – wenn auch etwas zähneknirschend, wie es betreffend Parkhaus von Grüner Seite hiess.

Das sorgte an der Versammlung für Diskussionen

Das Parkhaus und vor allem auch die Verkehrssituation in Sursee haben zu einigen Fragen und Bemerkungen an der Gemeindeversammlung geführt. Katharina Neff von den Grünen meinte etwa:

«Die Verkehrssituation ist nicht günstig im Moment. Der Verkehr muss auf der Ringstrasse bleiben und soll nicht ins Zentrum gelangen.»

Und Harald Hächler befürchtet aufgrund des neuen Schulhauses Probleme beim Schlottermilch-Kreisel: «Schon heute werden die Unterführungen kaum genutzt. Mit dem neuen Schulhaus wird es zu einem Chaos kommen.» Heidi Schilliger Menz versicherte: «Wir haben diese Situation erkannt und sind mit dem Kanton im Austausch.» Denn für den Kreisel sei der Kanton zuständig.

Kritische Stimmen gab es vereinzelt auch zur Finanzierung und zum Grundstückpreis. Die Bildungsvorsteherin betonte: «Die Nachbargemeinden beteiligen sich am Boden via Schulgeldrechnung.» Auch die übrigen Kosten werden in dieser Rechnung – nach der Anzahl Schüler – an die Gemeinden verteilt.

So sehen die nächsten Schritte aus

Bei einem Ja am 29. November soll im Frühjahr 2021 die Baueingabe erfolgen. Baustart wäre dann voraussichtlich im September. Und die ersten Schüler würden im Sommer 2024 das Schulhaus mit Leben füllen.

Eine Innenansicht des dritten Stockwerks im geplanten Neubau.

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