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GERICHT: Armbrust-Fall: Kantonsgericht weist Klage gegen Kanton Luzern ab

Nicole Dill, die im Kanton Luzern 2007 von ihrem damaligen Freund mit einer Armbrust malträtiert worden war und nur knapp überlebt hatte, ist mit einer Klage gegen den Kanton abgeblitzt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Mit dieser Armbrust schoss der Täter auf Nicole Dill und verletzte sie lebensgefährlich. (Bild: SRF)

Mit dieser Armbrust schoss der Täter auf Nicole Dill und verletzte sie lebensgefährlich. (Bild: SRF)

Am Abend des 19. September 2007 teilte Klägerin Nicole Dill ihrem damaligen Freund in einer ausführlichen E-Mail mit, dass sie die Beziehung zu ihm auflöse. Der Freund begab sich an den Wohnort der Klägerin. Er gelangte in ihre Wohnung, nahm sie in seine Gewalt und entführte sie an seinen Wohnort. Erst am nächsten Morgen liess er von der Klägerin ab. Diese wurde von ihm schwer misshandelt; unter anderem vergewaltigte er sie und schoss aus kurzer Distanz mit seiner Armbrust drei Mal in ihren Brustbereich. Dadurch wurde sie schwer verletzt. An den psychischen Folgen des Vorfalls leidet die Klägerin noch heute. Der Täter konnte am 20. September 2007 festgenommen und in Untersuchungshaft versetzt werden. Am 22. September 2007 verübte er im Haft- und Untersuchungsgefängnis Grosshof Suizid.

Mit Klage vom 15. Januar 2015 beantragte die Klägerin, der Kanton Luzern sei zu verpflichten, ihr eine Genugtuung von 105'000 Franken zuzüglich Zins zu bezahlen. Sie wirft dem Kanton Luzern im Zusammenhang mit der Tat vom 19./20. September 2007 diverse Pflichtverletzungen vor.

Namentlich soll ein Polizist der Klägerin in einem Telefonat vom 30. August 2007 den falschen Ratschlag zur unverzüglichen Trennung von ihrem damaligen Freund erteilt haben. Zudem soll der Polizist eine Aufklärung der Klägerin über die deliktische Vergangenheit ihres damaligen Freunds und dessen Tötungsdelikt im Jahr 1993 pflichtwidrig unterlassen haben.

Mit Urteil vom 8. November 2016 wies das Bezirksgericht Luzern die Klage ab und überband der Klägerin die Prozesskosten (wir berichteten »). Dagegen erhob die Klägerin Berufung an das Kantonsgericht. Die 1. Abteilung des Kantonsgerichts hat die Berufung mit Urteil vom 21. Juli 2017 vollumfänglich abgewiesen und das Urteil der Vorinstanz bestätigt. Dabei kommt das Kantonsgericht zum Schluss, dass der Polizist der Klägerin weder einen falschen Ratschlag erteilte, noch es pflichtwidrig unterliess, die Klägerin über das von ihrem damaligen Freund begangene Tötungsdelikt zu orientieren. Auch die weiteren geltend gemachten Pflichtverletzungen durch Beamte des Kantons verneint das Kantonsgericht.

Gegen das Urteil des Kantonsgerichts kann innert 30 Tagen beim Bundesgericht Beschwerde erhoben werden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Die grausame Tat, die Nicole Dill vor fünf Jahren überlebt hat, beeinträchtigt bis heute ihr Leben: (Bild: SRF)

Die grausame Tat, die Nicole Dill vor fünf Jahren überlebt hat, beeinträchtigt bis heute ihr Leben: (Bild: SRF)

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