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GERICHT: Ehrenmord in Kriens: 20 Jahre Gefängnis für Syrer

Das Luzerner Kriminalgericht hat einen 42-jährigen Syrer verurteilt, der seine Frau ermordet hat. Der Täter plädierte auf ein milderes Strafmass und sagte, sie habe mit dem Tod rechnen müssen.
Sandra Monika Ziegler
Blick auf den Tatort an der Schachenstrasse. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 20. Januar 2014))

Blick auf den Tatort an der Schachenstrasse. (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 20. Januar 2014))

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Nach mehr als achtstündiger ­Verhandlung hat das Luzerner Kriminalgericht am Freitag einen 42-jährigen Syrer des Mordes für schuldig gesprochen. Der Verteidiger hatte auf Totschlag plädiert. Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Täter, der 2014 seine Frau umgebracht hat, muss für 20 Jahre ins Gefängnis. Zudem muss er seinen beiden Söhnen eine Genugtuung von je 50 000 Franken zahlen und die Gerichtskosten von 10 000 Franken tragen. Der Mann befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Der Forderung des Verteidigers, ein neues psychiatrisches Gutachten zu erstellen, wurde nicht stattgegeben.

Der Mann hatte im Januar 2014 seiner Frau mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten. Zur Tat kam es, als der Mann – auf Wunsch seiner Söhne – bei deren Mutter zu Besuch war. Das Paar lebte getrennt, der Mann in Horw und die Frau in Kriens zusammen mit ihrem Zwillingsbruder.

Täter: Von Onkeln zur Tat gedrängt

Der Täter stammt aus Syrien und ist Kurde. Er bestreitet die Tat nicht. Als Tatmotiv führte er ­Ehrenmord an, zu dem er von seinen in Syrien lebenden Onkeln aufgefordert worden sei. Denn seine 18 Jahre jüngere Frau, die auch seine Cousine war, hatte ­einen neuen Freund und verlangte die Scheidung. Nach kurdischer Tradition sei Ehebruch jedoch nicht tolerierbar und fordere den Ehrenmord. Denn damit habe die Frau die Ehre der Familie verletzt, und diese galt es wiederherzustellen. Die Familien­ehre sei höchstes Gebot, sagte der Täter. Seine Frau habe gewusst um die kurdische Tradition und mit dem Tod rechnen müssen. Der Bruder der ermordeten Frau bestritt dies jedoch.

Der Angeklagte räumte ein, dass er bereit gewesen wäre, seine Frau und auch die Kinder zu verlassen, nach Dänemark oder Norwegen zu ziehen und dort ein neues Leben anzufangen. Doch der Familiendruck sei enorm gross gewesen. Er sei angehalten worden, aus «Respekt» zu bleiben, was er dann in der Folge auch machte.

Zum Ablauf der Tat konnte der Beschuldigte nichts Genaue­res sagen. Er könne sich nicht ­daran erinnern, da er nicht bei vollem Bewusstsein gewesen sei. Einzig: Er habe beim Besuch das Messer in der Küche gesehen und dann seien die schlechten Gedanken in seinen Kopf gekommen. Dass er äusserst brutal vorgegangen ist, kommentierte er nicht. «Hätte ich volles Bewusstsein gehabt, hätte ich mich nicht noch selber verletzt.» Er habe mit seiner Tat einen Fehler gemacht, den Fehler seines Lebens. In seinen Ausführungen zur Tat bleibt der Beschuldigte ohne konkrete Antworten.

«Kaltblütige Liquidation der Ehefrau»

Der Staatsanwalt hielt in seinem Plädoyer fest, dass «ein Mord ein Mord bleibt und nicht zum Mördli wird». Er merkte an, dass der Beschuldigte seine Erinnerung an die Tat ausblende, sich aber an das Geschehen danach wieder erinnere. «Es war eine kaltblütige Liquidation der Ehefrau mit einer abgrundtiefen Missachtung ihres Lebens», sagte der Staatsanwalt. Ehrenmord als Motiv liess er nicht gelten. Er blieb bei der Forderung nach lebenslanger Haft. Der Verteidiger indes plädierte auf Totschlag und forderte maximal sieben Jahre Haft.

Der Verteidiger kritisierte am Freitag vor Gericht das psychiatrische Gutachten. Dieses attestiert dem Täter volle Schuldfähigkeit. Der Verteidiger forderte ein ethnologisch-psychiatrisches Gutachten. Dem hielt der Staatsanwalt entgegen, dass es in diesem Fall nicht um ethnische Vorstellungen gehe, sondern um die Wertvorstellungen, die in der Schweiz gelten.

Im Schlusswort entschuldigte sich der Täter und wünschte sich, dass er einmal seinen Kindern davon erzählen könne. Sie sollen die Tat verstehen, nicht aber akzeptieren.

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