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GERLISWIL: Selbst der Pfarrer half vor hundert Jahren beim Kirchenbau

Die Kirche Gerliswil ist das Produkt eines engagierten Pfarrers und eines Architekten, der wusste, mit Kunstelementen umzugehen.
Manuela Liem
Die Pfarrkirche Gerliswil wurde nach den Plänen des Architekten Adolf Gaudy erbaut und im September 1915 eingeweiht. (Bild Roger Grütter)

Die Pfarrkirche Gerliswil wurde nach den Plänen des Architekten Adolf Gaudy erbaut und im September 1915 eingeweiht. (Bild Roger Grütter)

Als «Wahrzeichen» wird sie betitelt und befindet sich «in bester Lage», zentral und hoch erhoben: die 100-jährige Pfarrkirche zur heiligen Familie in Gerliswil. Um die uneingeschränkte Sicht darauf zu bewahren, kauften die politische und die Kirchgemeinde Emmen bereits in den 1920er-Jahren sowohl das Land südlich als auch nördlich der Kirche, damit es nicht überbaut werde.

Die Kirche befindet sich auf dem «Sandhubel», der Anhöhe über dem Sonnenplatz. Doch als ob dies nicht genug wäre, steht sie zusätzlich auf einem Sockel, sodass man noch sechs weitere Stufen hinaufschreiten muss. Die beiden Türme an der Seite wirken wie Wächter.

Mix aus Stilen mehrerer Epochen

«In ihrer Art ist diese Kirche einzigartig», sagt Kurt Messmer voller Begeisterung. Der Emmer Historiker ist der Hauptautor der Festschrift «100 Jahre Pfarrkirche Gerliswil». Was den Bau so einzigartig mache, sei der Mix aus Baustilen verschiedener Epochen. Und doch passen die Stilelemente zusammen. Dies schaffte der Architekt Adolf Gaudy (1872–1956) aus Rorschach, indem er bestimmte Formen leicht abgewandelt wiederholt verwendet. So etwa die Rundbogen an der vorderen Fassade. Sie kommen im Portal, aber auch in den Fenstern und Türen vor. Das Vierblatt ist sowohl bei Fenstern als auch bei Bildern zu entdecken. Und dann ist da noch ein einzigartiges Element: der gewellte Dachabschluss, der sich auch in der Form der kleineren Turmdächer wiederfindet. «Auf mich wirkt das rhythmisch, spielerisch, elegant und virtuos», äussert sich Messmer. «Die Kirche ist ein herausragendes Werk aus der Zeit zwischen Historismus und Moderne», sagt der Historiker und ergänzt: «Der Bau ist monumental aber nicht triumphal.» Im Innern der Kirche sieht man keine Bilder, die einen machtvollen Gott darstellen. Dafür finden sich Bilder, die Jesus beim Segnen von Kindern und als guten Hirten zeigen. Im Chor ist nicht ein Bild der Kreuzigung zu sehen, sondern eine Darstellung des zwölfjährigen Jesus, der im Tempel lehrt.

Gaudy gewinnt einstimmig

Zurück zur Geschichte des Baus: Den Bauplatz bestimmte Pfarrer Franz Xaver Meyer (1859–1932). Er setzte sich stark für den Bau der Kirche ein und war auch Präsident der Baukommission. Bereits 20 Jahre vor der Einweihung legte er einen Baufonds an. 1904 kaufte er das Grundstück der heutigen Kirche und baute eine Notkirche. Notwendig wurde eine neue Kirche, weil der obere Teil der Gemeinde Emmen in dieser Zeit stark wuchs. Bald lebten dort zwei Drittel der Bevölkerung.

Der Bau einer neuen Kirche wurde bei der Kirchgemeindeversammlung am 2. Juli 1911 denkbar knapp angenommen, nur mit einer Stimme Unterschied. Ein Jahr später ging das Projekt des Architekten Adolf Gaudy allerdings einstimmig durch. Gaudys Konkurrenten Wilhelm Hanauer aus Luzern und August Hardegger aus St. Gallen fielen aus dem Rennen. Der Grund dafür war möglicherweise, dass Gaudy nicht nur eine Skizze, sondern ein Aquarell von seiner Vision anfertigte.

Wie damals üblich, wurde die Kirche aus Bruchstein gebaut. Nur einige Teile des Turms waren aus Beton. Zum neuen Material befragte Baumeister Xaver Brun (1867–1950) den ausgeschiedenen Architekten Hardegger. Dessen trockene Antwort: «Mein Gutachten wird Ihnen bei der Commission Gerliswil wenig nützen, denn diese hat mich schnöde beiseitegeschoben und hat ihr ‹Gaudi› nun an einem anderen Architekten.»

Verzögerung wegen 1. Weltkrieg

Der Grundstein der Kirche wurde am 27. April 1913 gelegt. Nur wenige Monate später, am 3. Dezember, dem Namenstag Franz Xaver Meyers, wurde das Turmkreuz aufgepflanzt. Sogar der Pfarrer half mit. Durch den Ersten Weltkrieg wurden die Bauarbeiten verzögert. Trotzdem konnte die Kirche am 22. September 1915, dem Tag des heiligen Mauritius, geweiht werden – allerdings ohne Glocken und Orgel. Doch auch da bewies Meyer, dass er einen langen Atem hatte. Er kämpfte weiter für Glocken und Orgel.

Nach der Einweihung der Orgel 1922, der Gründung der Pfarrei 1923 und dem ersten Läuten der sechs Glocken 1924 konnte das Langzeitprojekt 1925 abgeschlossen werden. Damals wurde über dem Haupteingang ein Wanderrelief mit der Bibelstelle «Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid» eingesetzt. Auch da zeigt sich die soziale Botschaft, die auch auf anderen Bildern vermittelt wird.

Manuela Liem

Hinweis

Seit 2013 finden in Gerliswil Jubiläumsanlässe statt. Der Höhepunkt ist das Festwochenende vom 11. bis 13. September. Dann finden unter anderem ein Festgottesdienst, ein Musical mit Fabienne Louves und eine Illumination der Kirche statt. Quelle: Kurt Messmer: 100 Jahre Pfarrkirche Gerliswil.

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