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Nach Eskalation im Luzerner Asylwesen: Geschasster Leiter beschwert sich

Nachdem Adrian Portmann als Leiter Asylzentren beim Kanton Luzern freigestellt wurde, will er sich nun juristisch dagegen wehren. Vertrauliche Dokumente zeigen derweil, wie angespannt das Arbeitsverhältnis war.
Alexander von Däniken
Gebäude der Dienststelle Asyl-und Flüchtlingswesen. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 12. September 2018)

Gebäude der Dienststelle Asyl-und Flüchtlingswesen. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 12. September 2018)

Was hat zur Freistellung von Adrian Portmann als Leiter Asylzentren beim Kanton Luzern geführt? Die Frage ist in mehrerer Hinsicht relevant. Erstens handelt es sich um eine Kaderstelle in der Kantonsverwaltung. Zweitens betrifft die Personalie den sensiblen Asylbereich. Drittens sorgte gerade dieser Bereich in letzter Zeit für negative Schlagzeilen: von der Kritik einzelner Gemeinden zur Kommunikation des Kantons bis zu den Randalen im Asylzentrum Kriens Mitte Januar.

Der geschasste Leiter ging nach dem Entscheid von Anfang Juni in die Offensive. Die Freistellung sei ehrverletzend und missbräuchlich gewesen, liess er über seinen Anwalt ausrichten. Man wolle dagegen vorgehen. Weitergehende Recherchen des Onlinemagazins «Zentralplus» zeigten, dass die Situation zwischen Portmann und seiner direkten Vorgesetzten, Dienststellenleiterin Silvia Bolliger, an einem Mitarbeitergespräch eskaliert war. Gegenüber unserer Zeitung gibt sich Portmann zurückhaltend. Er sagt allerdings: «Kürzlich haben mein Anwalt und ich die angeforderte beschwerdefähige Verfügung erhalten. Wir können die Freistellung nun endlich auf dem Rechtsmittelweg anfechten.»

Ehrgeiz und Detailkontrolle «überfordern»

Details zu seiner Freistellung gibt Portmann mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht preis. Unserer Zeitung liegen allerdings Dokumente vor, die einen tieferen Einblick in das Mitarbeitergespräch erlauben. Am 14. Mai gab Silvia Bolliger Adrian Portmann ihre Beurteilung mündlich ab. Am 22. Mai übergab sie diese auch in schriftlicher Form.

«Die Loyalität von Adrian Portmann wird von der Vorgesetzten als nicht immer gegeben
wahrgenommen.»

Silvia Bolliger, Leiterin Dienststelle Asyl- un d Flüchtlingswesen, im Mitarbeitergespräch

Die Beurteilung fällt durchzogen aus. Portmann gelinge es noch ungenügend, seine «umfassenden Fach- und Methodenkenntnisse» in die Praxis umzusetzen. Sein Ehrgeiz und seine Detailkontrolle würden zuweilen seine untergebenen Mitarbeiter überfordern. Zudem sei die Loyalität gegenüber der Vorgesetzten «nicht immer gegeben». Auch die positiven Einschätzungen kommen nicht zu kurz. So habe sich die Abteilung Zentren unter Portmanns Leitung «deutlich und im positiven Sinn entwickelt». Das Optimieren von Ressourcen sei ihm ein grosses Anliegen, welches er auch gegen Widerstand «erfolgreich auf eigene Initiative angeht und durchsetzt». Bei seinem Stellenantritt habe viel Regulierungsbedarf bestanden, «welcher von ihm gut erkannt und geführt wurde».

Auf einer Skala von eins bis fünf erreichte Adrian Portmann eine Gesamtbeurteilung von drei, was «gut, vollumfänglich erfüllt» entspricht. Die Note sei für Bolliger aber «noch nicht klar», hielt sie in den Bemerkungen fest. Sie schliesst die Beurteilung mit folgendem Satz ab: «Der Einsatz, den Adrian Portmann bisher geleistet hat, ist für die DAF (Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen, die Red.) sehr wertvoll und ich hoffe auf eine weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit.»

Sechs Tage später kam es zum zweiten Teil des Gesprächs. Dieses Mal im Fokus: Portmanns Selbstbeurteilung und die Einschätzung über seine Chefin, Rückmeldungen zur Zusammenarbeit und seine Verbesserungsvorschläge. Diese Themen sind im Mitarbeitergespräch vorgegeben. Was seine Leistungsmotivation betrifft, sei diese keine Selbstverständlichkeit und sie könne unter anderem dann untergraben werden, wenn ihm «in sich widersprüchliche oder realitätsferne Vorgaben gemacht» würden.

«In puncto Führungskultur unterscheiden wir uns»

Wohl entscheidend für den Eklat waren Portmanns Schilderungen über seine Chefin. Zwar lobt er Silvia Bolliger; sie habe «viele sympathische Seiten». Sie nehme sich immer Zeit für Ad-hoc-Gespräche und könne häufig aus dem Stand heraus wertvolle konkrete Anregungen geben. Und weiter: «In puncto Führungskultur und Arbeitsorganisation unterscheiden wir uns. Dazu muss man offen stehen.»

«Silvia Bolliger ist eine Dienststellenleiterin mit einem sehr ausgeprägten Gestaltungs-
anspruch.»

Adrian Portmann, früherer Leiter der Asylzentren,



im Mitarbeitergespräch

In den nächsten Absätzen wird die Kritik an ihr expliziter. Bolliger ist laut Portmann eine Dienststellenleiterin «mit einem sehr ausgeprägten Gestaltungsanspruch». Sie wolle sehr vieles selber bestimmen und habe gerne die Kontrolle. «Eventuell hat Silvia Bolliger ein Problem mit dem Loslassen. Vielleicht könnte es sich lohnen für sie, wenn sie manchmal etwas mehr die Dinge laufen liesse.» Mit ihrer oft enormen Härte, häufigen Dominanz und einem nicht immer gegebenen Taktgefühl «hat Silvia Bolliger eine bemerkenswerte Fähigkeit, es sich mit Mitarbeitern in relativ kurzer Zeit zu ‹vercheiben› (verspielen).»

Ihre Eignung zum Führen von Menschen und der Dienststelle scheine nicht unumstritten zu sein. «So wird sie allzu oft als herrisch, selbstgefällig und impulsiv (unberechenbar) wahrgenommen, währenddem ihre positiven Qualitäten leider verdeckt bleiben.» Portmann kritisiert unter dem Punkt Verbesserungsvorschläge auch Bolligers Rolle. Sie ist gleichzeitig Vorgesetzte und Stellvertreterin des Abteilungsleiters. Dieser bringt deshalb nicht zum ersten Mal den Vorschlag an, eine Assistenzstelle zu schaffen und einen abteilungsinternen Stellvertreter einzusetzen. Bolliger ihrerseits schrieb im Dokument vom 22. Mai, sie werde Adrian Portmann in seiner Entwicklung weiter unterstützen: «Ich werde darum auch die Stellvertretung des Abteilungsleiters Zentren noch weiter beibehalten, um so die Entwicklung in den erforderlichen Bereichen gut wahrnehmen zu können.»

Am 7. Juni – nur wenige Tage nach dem zweiten Teil des Mitarbeitergesprächs – wurde Portmann nach rund einem Jahr im Amt freigestellt. Am 8. Juni absolvierte er einen externen Weiterbildungstag, vom 11. bis 19. Juni hatte er Ferien. Diese konnte er kaum geniessen. Er ist krankgeschrieben. «Das gänzlich unangemessene Vorgehen des Arbeitgebers hat mich psychisch an den Rand gebracht», sagt er auf Anfrage.

Kaderleute mit klaren Vorstellungen

Ungeachtet der Dokumente muss offenbleiben, was genau zur Eskalation geführt hat. Dies auch, weil das Beschwerdeverfahren läuft. Ein Blick in die Vergangenheit von Portmann und Bolliger zeigt: Beide sind starke Persönlichkeiten mit jeweils klaren Vorstellungen. Adrian Portmann arbeitete in Tschechien an der Masaryk-Universität in Brünn und war ehrenamtlich Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des staatlichen Instituts für das Studium totalitärer Regimes. Er bewarb sich darauf als Direktor des Instituts, wurde jedoch nicht gewählt, weil seiner Meinung nach während des Auswahlverfahrens die Kriterien geändert wurden. Dagegen reichte er Klage ein; diese wurde aber abgelehnt.

Silvia Bolliger arbeitete bei der Spitex Nidwalden als Geschäftsleiterin. 2010 wurde sie nach über fünf Jahren mit sofortiger Wirkung entlassen. Offizieller Grund: unterschiedliche Führungsansichten. Seit Ende letzter Woche ist Portmanns Stelle als Abteilungsleiter Zentren öffentlich ausgeschrieben – bereits zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren unter Silvia Bolligers Führung des Luzerner Asylwesens.

Regierungsrat Graf stützt Bolliger

Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) dementiert auf Anfrage, dass es sich um eine fristlose Entlassung von Zentrumsleiter Adrian Portmann handelt. Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses sei ihm angekündigt worden. Gleichzeitig habe man Portmann mitgeteilt, dass man «im Moment» auf seine Arbeitsleistung verzichte. Das sei «immer dann möglich und angezeigt, wenn der Vollzug von Aufgaben durch Gründe gefährdet ist, die in der angestellten Person liegen».
Zum Mitarbeitergespräch kann Graf wegen des Persönlichkeitsschutzes und des laufenden Verfahrens nichts sagen. «Letztlich waren im vorliegenden Fall unterschiedliche Auffassungen über die Zentrumsführung und die Arbeitsweisen sowie die massiv fehlende Vertrauensbasis ausschlaggebend.» Dass Silvia Bolliger gleichzeitig Dienststellenleiterin und Portmanns Stellvertreter war, sei naheliegend, weil sie «nahe an diesen Themen sein muss und Nähe zum Personal hat». Bolliger mache «eine gute Arbeit» in einem anspruchsvollen Umfeld.
Hat die Dienststelle Fehler gemacht? «Wenn nach nur einem Jahr ein Arbeitsverhältnis wieder aufgelöst werden muss, dann kann man sich immer die Frage stellen, ob das Eingehen der Zusammenarbeit ein Fehler war.» Nachträglich seien solche Fragen jedoch immer einfacher zu beantworten. (avd)

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