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Kolumne

Wo sich die siebenmalgescheiten, neuen Nomaden an der Nase nehmen könnten

Alt CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger aus Romoos nimmt in unserer Kolumne «Landauf, landab» Zeitgenossen auf die Schippe, die ausgerechnet in der Ferne ihr Glück suchen – und wieder zurück daheim den Moralapostel spielen.
Ruedi Lustenberger

500'000 Franken haben die Reisen des obersten Klimaschützers der UNO binnen zweier Jahre gekostet. Da erinnere ich mich gleich an den ehemals ranghöchsten Umweltschützer beim Bund. Wollte man ihn an einer Kommissionssitzung dabei haben, kam häufig die Antwort: «Er ist beruflich im Ausland.» Aber nicht nur Leute, die «von Amtes wegen» meinen, sie hätten in ihrem Leben etwas falsch gemacht, wenn ihr Fuss nicht mindestens einmal die hintersten und letzten Winkel des Globus berührt habe, verhalten sich widersprüchlich.

Ruedi Lustenberger. (Bild: Eveline Beerkircher, 23. Dezember 2016)

Ruedi Lustenberger. (Bild: Eveline Beerkircher, 23. Dezember 2016)

Auch Mann und Frau wollen etwas zu plagieren haben, beim Kafichränzli nach den Ferien. Statt an die Luzerner Fasnacht geht’s acht Tage nach Rio an die Copacabana, über Ostern zum Schnorcheln auf die Malediven, im Sommer stehen drei Wochen Neuseeland auf dem Programm – dort seien die Landschaften ganz unberührt und die Bäche viel klarer noch als hier – im Herbst ist man bescheiden, ein Städteflug nach Lissabon muss reichen, um dann an Weihnachten und Neujahr Peking und Shanghai unsicher zu machen.

Am Schluss des Kafichränzlis die gewohnte Leier: Heiss sei es gewesen, diesen Sommer, viel zu heiss. Die Baustellen auf den Autobahnen verursachen Staus und unnötiges CO2. Und sowieso, die Gesellschaft verhalte sich falsch; esse zu viel Fleisch. Deshalb sei man vor drei Jahren zu den Veganern konvertiert. Das sei gesund und auch noch klimafreundlich.

Kein Wort von den 100'000 selbst verursachten Flugkilometern im letzten Jahr. Mit elitären Belehrungen wird von den eigenen Umweltsünden abgelenkt und obendrein den Daheimgebliebenen auch noch ein schlechtes Gewissen eingeredet. Es gibt sie überall, landauf, landab, die siebenmalgescheiten, neuen Nomaden.

Hinweis: Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

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