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Geschenke aus dem Multi-Kulti-Schrebergarten

Beatrice Jordan aus Tschechien kümmert sich seit über 30 Jahren liebevoll um ihren Garten in Emmen. Ihre Passion dafür entdeckte sie schon zu Zeiten des Kommunismus.
Christian Tschümperlin
Beatrice Jordan mit Zwiebeln und Salat – einem Teil ihrer üppigen Ernte. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 25. Juni 2018))

Beatrice Jordan mit Zwiebeln und Salat – einem Teil ihrer üppigen Ernte. (Bild: Pius Amrein (Emmen, 25. Juni 2018))

Die brummende Autobahn hinter den Lärmschutzwänden, die Motorengeräusche der startenden und landenden Flugzeuge über Beatrice Jordans Kopf, sie versinken im Rauschen der Blätter. «An das eintönige Geräusch der Autobahn habe ich mich längst gewöhnt», sagt die 78-Jährige. In ihrem idyllischen Schrebergarten herrscht Hochsaison. «Die Erntezeit von Mai bis September ist die schönste Zeit», sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht. Momentan kommt sie vier bis fünfmal die Woche in ihre beiden Parzellen beim Emmer Schwimmbad Mooshüsli. «Ein Garten ist 80 Prozent Arbeit und 20 Prozent Vergnügen. Darum ist es wichtig, dass einem auch die Arbeit Spass macht», sagt die langjährige Gärtnerin. Eine Parzellen-Nachbarin habe den Schrebergarten jüngst als privates Fitnesscenter bezeichnet.

Beatrice’ «grüne Oase» mit Lavendeln und summenden Hummeln, Kartoffeln und silbrigen Kohlblättern, gedeiht um einen Sitzplatz herum. Viele Früchte sind reif. Bloss ein Heidelbeerstrauch sieht etwas kahl aus. «Bei diesem Strauch bin ich mit den Vögeln im Wettstreit. Sie gewinnen immer», sagt die Emmerin. Unter einem Blätterdach aus Weintrauben, an dem gemütlich eine Wespenfalle im Wind schaukelt, stehen Tisch und Stühle. Hier kann man sich nach getaner Arbeit niederlassen. Auf dem Tisch steht ein Kübel, der bis zum Rand gefüllt ist mit Himbeeren. «Pro Saison ernte ich etwa fünf Kilogramm Himbeeren und 60 Kilogramm Kartoffeln», sagt Beatrice. Auf den 180 Quadratmetern baut sie auch Salate, Zwiebeln und viele andere Obst- und Gemüsesorten an. Der Garten gibt so viel her, dass sie die ganze Saison kein Gemüse kauft. «Wenn die vielen Gurken reif sind, gibt es eben ein paar Wochen lang nichts anderes als Gurkensalat», sagt die Hobbygärtnerin.

Frisches Obst war in ihrer Heimat Mangelware

Den Emmer Schrebergarten hat Beatrice Jordan 1985 auf einem Spaziergang entdeckt. Das sei nach ihrer Flucht aus der kommunistischen Tschechoslowakei gewesen. Flucht aus der Tschechoslowakei? «Ich muss Sie warnen: Ich habe viel zu erzählen, ich bin Lehrerin», sagt sie und schmunzelt.

In ihrem Heimatland, der damaligen Tschechoslowakei, habe sie in den Tagen vor ihrer Flucht als Chemie- und Mathematiklehrerin gearbeitet. Dabei litt sie sehr unter den politischen Repressalien. Friede und Erholung fand sie in ihrem Schrebergarten in einem Vorort von Ostrau, wo sie frisches Obst und Erdbeeren anbaute, die manchmal Mangelware waren. Es war zu jeder Zeit verboten, diese zu verkaufen. «Widerstand leistete man nur subtil, zum Beispiel mit Anspielungen im Theater», sagt sie. Als in den 1980er Jahren die Reisebestimmungen gelockert wurden, ergriff sie mit ihrer Familie die Gelegenheit und unternahm eine Jugoslawien-Reise. Von dort aus flüchteten Beatrice, ihr Ehemann Georg und die drei Söhne über Österreich in die Schweiz. Hier fanden sie ihr neues Zuhause und nicht zuletzt einen brachliegenden Schrebergarten im Mooshüsli. Diesen bewirtschaftet Beatrice seit nunmehr 33 Jahren.

«Ich bin nicht nur Lehrerin, sondern auch Philosophin»

Schwiegertochter Ivana hat gerade Salate und Zwiebeln geerntet und verabschiedet sich mit einem vollen Sack. «Eine Person kann niemals alles verkosten, was in diesem Garten wächst. Familie und Freunden mache ich gerne Geschenke aus dem Garten», so Beatrice. Ob sie ein grosses Herz habe? «Geben ist wie ein Bumerang: Wenn du nichts gibst, kriegst du auch nichts», sagt sie und fügt augenzwinkernd an: «Ich bin nicht nur Lehrerin, sondern auch Philosophin.»

Im Vorbeigehen grüsst der Herr von der Nachbarsparzelle. Er sei einer von nur zwei gebürtigen Schweizern im ganzen Gartenareal. «Wir sind ein Multikulti-Schrebergarten», ergänzt Beatrice. Wie viele Nationen auf die rund dreissig Parzellen kommen, kann sie nur schätzen. Die Nachbarn jedenfalls sprächen Spanisch, Portugiesisch oder auch Italienisch. Die Atmosphäre ist fröhlich. «Wir plaudern alle gerne miteinander.» Und an so heissen Tagen wie diesen, gehe es auch mal in die Badi nebenan. Manchmal komme auch ihre Familie auf einen schönen Grillabend vorbei – wobei dann natürlich Tschechisch gesprochen wird.

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