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GESCHICHTE: Hier baute das ganze Dorf mit

Dorfbewohner errichteten 1950 die Kapelle «Maria Königin des Friedens» in Hämikon. Auslöser für den Bau war ein Flugzeugabsturz.
Susanne Balli
Die Friedenskapelle in Hämikon wurde am 20. Juli 1950 geweiht. (Bild Dominik Wunderli)

Die Friedenskapelle in Hämikon wurde am 20. Juli 1950 geweiht. (Bild Dominik Wunderli)

Susanne Balli

Das weiss getünchte Gebäude mit dem kleinen runden Türmchen mitten in Hämikon fällt auf den ersten Blick kaum auf. Das Grundstück der Kapelle «Maria Königin des Friedens» ist so klein, dass man das Gotteshaus gerade mal knapp zu Fuss umrunden kann. Angrenzend rechts daneben stehen zwei neue Einfamilienhäuser.

Ortsunkundige werden sich vielleicht fragen, warum man ausgerechnet einem zwar hübschen, aber kleinen und «unspektakulären» Kirchlein seine Aufmerksamkeit schenken sollte. «Weil die Entstehung der Kapelle in Hämikon ein bewegtes Dokument der Zeitgeschichte ist und die damaligen Sorgen der Dorfbewohner zeigt», sagt Stefan Schmitz, Leiter der katholischen Pfarrei Hitzkirch, zu der Hämikon gehört.

Als einziger Ort kein Gotteshaus

Die Hämiker hatten im Gegensatz zu den meisten anderen Ortschaften der Pfarrei Hitzkirch – Altwis, Ermensee, Gelfingen, Hitzkirch, Retschwil und Sulz – bis zum Bau der Kapelle kein eigenes Gotteshaus. «Besonders im Winter war der Weg nach Hitzkirch hinunter für viele Hämiker beschwerlich», erklärt Schmitz. Man hätte gerne auch eine eigene Kirche oder Kapelle gehabt. Darum legten die Hämiker einen Fonds an. «Bereits nach 1930 ging auf alle Urteile des Friedensrichters eine Abgabe für eine eigene Kapelle», weiss Schmitz.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, war die Sorge der Bevölkerung gross. Männer mussten an die Grenze, Frauen und Kinder blieben allein zurück und mussten den Lebensunterhalt und alle Arbeit selber bewältigen. Da legte die Pfarrei Hitzkirch im Dezember 1939 ein besonderes Gelübde ab:

«[...] wenn insbesondere das Gebiet unserer Pfarrei vor den bösen Folgen des Krieges wie Krankheiten u. wirtschaftlichen Schäden bewahrt bleibt, wenn kein Wehrmann unserer Pfarrei infolge des Militärdienstes sterben muss, sondern alle gesund u. unverdorben wieder zu ihrer Arbeit zurückkehren können: Wird die Pfarrei Hitzkirch sofort nach dem Kriege in Hämikon eine Messkapelle bauen zu Ehren der Gottesmutter, der Königin des Friedens. [...]»

Ein Feuerball fällt vom Himmel

Tatsächlich kehrten die Männer wieder unversehrt aus dem Kriegsdienst ins Hitzkirchertal zurück. Dennoch hinterliess der Krieg bei der Dorfbevölkerung tiefe Spuren. Denn am 28. April 1944 kurz nach Mitternacht stürzte ein Flugzeug der britischen Royal Airforce über Hämikon ab. Nur knapp wurden keine Wohnhäuser von den Trümmern getroffen. Das Flugzeug stammte von einem britischen Geschwader, das die Nordschweiz durchflogen und Friedrichshafen bombardiert hatte. Getroffen von einer Rakete (unklar, ob im deutschen oder im Schweizer Luftraum), wollte der angeschossene Bomber auf dem Militärflugplatz Dübendorf notlanden. Es reichte nicht. «Das Flugzeug fiel bei Hämikon als Feuerball vom Himmel», sagt Claudia Ziegler, Präsidentin der Kapellenstiftung. «Viele ältere Hämiker haben den Absturz als Kinder miterlebt und erzählen noch heute davon», sagt sie. Einige bewahren sogar noch kleine Trümmerteile des Flugzeuges zu Hause auf. «Der Absturz war für die Hämiker ein einschneidendes Ereignis. Damit kam der Krieg an die eigene Haustür», sagt Stefan Schmitz.

Beim dramatischen Ereignis verloren fünf der sieben Besatzungsmitglieder ihr Leben. Heute erinnert eine Gedenktafel beim Eingang der Kapelle an die gefallenen Männer. 2013 kamen Angehörige der Soldaten zum wiederholten Mal zum Gedenken nach Hämikon und brachten einen Kranz.

Hämiker bauten die Kapelle selber

Der Flugzeugabsturz war schliesslich ausschlaggebend für den endgültigen Entschluss, eine Kapelle zu Ehren der Gottesmutter und Friedenskönigin Maria zu bauen. Praktisch jede Familie in Hämikon spendete Geld für den Bau. Schliesslich brachte man 20 000 Franken zusammen. «Heute würde das Geld nicht einmal für einen Planungskredit reichen», sagt Schmitz. Auch damals war der Betrag für den Bau einer Kapelle sehr klein. «Möglich war der Bau nur dank der Fronarbeit der Dorfbewohner. Alle, die konnten, packten mit an. Einzig der Architekt wurde bezahlt», so Schmitz. Am 8. Juni 1949 war der Spatenstich; am 20. Juli 1950 wurde die Kapelle geweiht.

Die weisse Kapelle erscheint aussen wie innen sehr schlicht. Die Holzbalken an der Decke harmonieren mit den 14 hölzernen Reliefbildern des Holzschnitzers Beat Gasser aus Lungern. Dominiert wird der Raum durch die vom selben Künstler geschaffene Holzstatue der Friedenskönigin Maria mit dem Jesuskind, beide geschmückt mit einer goldenen Krone. Maria hält zudem einen goldenen Palmzweig; goldene Blumen zieren ihr Kleid. In Gold gehalten ist auch der Tabernakel links vom Altar. Ebenfalls eine Figur des Friedens ist die geschnitzte Bruder-Klaus-Statue rechts vom Eingang.

Kapellenfest anstatt Chilbi

Mit der Kapellweihe wünschten sich die Hämiker auch eine eigene Chilbi. «Doch der damalige Pfarrer wehrte sich dagegen», sagt Schmitz. So gibt es bis heute in Hämikon keine Chilbi. Stattdessen wurde vor vier Jahren das Kapellenfest ins Leben gerufen. Es findet jeweils an Mariä Himmelfahrt statt.

Hinweis

Das Kapellenfest in Hämikon startet am 15. August um 10 Uhr mit einem Gottesdienst und musikalischer Gestaltung durch den Männerchor Hämikon. Um 11 Uhr gibt es in der Turnhalle einen Apéro; ab 11.30 Uhr folgt ein Mittagessen mit musikalischer Unterhaltung der Veteranenmusik Müswangen. Der Gewinn des Festes geht an den Kapellenunterhalt.

Die bereits erschienenen Beiträge der Serie finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien

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