GESCHICHTE: Von hier gingen Hilfsgüter auf Reisen

Beromünster hatte einst einen Bahnhof und trug einen anderen Namen. Bei der Umbenennung soll ein legendärer Bärenkampf eine Rolle gespielt haben.

Sasa Rasic
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Heute erinnert nur noch das Restaurant Bahnhof an die Eisenbahnzeit in Beromünster. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Heute erinnert nur noch das Restaurant Bahnhof an die Eisenbahnzeit in Beromünster. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Heute erinnert nur noch das Restaurant Bahnhof an die Eisenbahnzeit in Beromünster. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Heute erinnert nur noch das Restaurant Bahnhof an die Eisenbahnzeit in Beromünster. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der Unterschied ist deutlich. Wenn man die beiden Bilder betrachtet, erkennt man die Gegend um den Bahnhof Beromünster nur schwer wieder. Das heutige Haus erfüllt zwar immer noch seinen Zweck und versorgt Gäste mit Speis und Trank, doch das Äussere hat sich stark verändert. Der prominente Erker und das Dach des Restaurants Bahnhof in Beromünster sind mittlerweile verschwunden.

Das alte Restaurant Bahnhof wurde 1906 von Jost Dolder-Stocker erbaut. Dazu gehörten eine Mosterei und eine Brennerei. In den 1950er-Jahren wurde es nach dem Abbruch durch einen Neubau komplett ersetzt. Und wo heute Autos das Strassenbild prägen, waren damals Pferdefuhrwerke kein seltener Anblick. Dies zeigt die Fotografie aus dem Jahre 1922.

Umschlagplatz für Bauern

«Das Bild zeigt offensichtlich einen Transport von Gütern durch Bauern», sagt Helene Büchler-Mattmann, Museumsleiterin des Hauses zum Dolder in Beromünster. Früher sollen viele Bauern aus der Umgebung ihre Waren zum Gebäude der landwirtschaftlichen Genossenschaft gebracht haben. Diese befand sich links vom Bahnhofsgebäude und ist auf der historischen Fotografie nicht mehr abgebildet.

Gemäss der «Chronik von Beromünster» von Edmund Müller-Dolder wurden während des Ersten Weltkrieges und in den Jahren danach auf Anordnung des Bundes Tafelobst, Getreide, Milch, aber auch Kartoffeln, Stroh und Bauholz angekauft und zur Notlinderung teilweise nach Deutschland geschickt. In Beromünster wurden die Waren per Bahn abtransportiert. Dabei wurden Pferdefuhrwerke gebraucht. Diese hatten an der Schmalseite Gitter angebracht und konnten auch zum Heutransport verwendet wurden. Die Gitter konnten
heruntergeklappt werden, wenn man sie nicht brauchte. Die landwirtschaftlichen Produkte seien dann via Bahnhof weitertransportiert worden.

Heute herrscht im damaligen Bahnhofareal kein Zugbetrieb mehr. Die 1906 eröffnete Teilstrecke der Seetalbahn von Reinach AG nach Beromünster ist seit 1992 nicht mehr für den Personenverkehr gebraucht worden. 1999 wurde schliesslich auch der Güterverkehr eingestellt. Zwischen den Jahren 2000 und 2003 wurden die Gleise entfernt, und die Strecke wurde komplett abgebrochen.

Coiffeur und Fotograf

Die gezeigte Fotografie befindet sich im Archiv des Hauses zum Dolder. Das ehemalige Ärztehaus ist heute ein Museum mit einer umfangreichen Privatsammlung. Das historische Bild wurde von Franz Kopp gemacht. Er, der vom Beruf her eigentlich Coiffeur gewesen ist, hat in der Gemeinde diverse Ereignisse abgebildet. Das Markenzeichen seiner Bilder ist die Signatur oder Stempelprägung «Franz Kopp, Coiffeur & Amat. Phot., Münster». Der alte Name Münster, welcher sich bis heute in der Mundart als Ortsbezeichnung gehalten hat, zeigt eine weitere Begebenheit in der Geschichte der Gemeinde. Wie dem «Historischen Lexikon der Schweiz» zu entnehmen ist, ist der Namenswechsel im Jahr 1934 erfolgt. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
ist die Gemeinde als Münster im Aargau bekannt gewesen.

Gefahr der Verwechslung

Eine grosse Rolle bei der Umbenennung in den 1930er-Jahren hat der Bau des schweizerischen Landessenders Beromünster auf Gemeindegebiet von Gunzwil im Jahr 1931 gespielt. Um auf der Radiosenderskala nicht mit der Station Münster in Westfalen in Deutschland verwechselt zu werden, wurde die Änderung beschlossen. Alternativ drohte die Umbenennung des Senders nach der Stadt Sursee.
Der Zusatz «Bero» im Namen stammt vom Graf Bero. Dieser hat der Legende nach das Chorherrenstift Beromünster im 10. Jahrhundert gegründet. Der Bau erfolgte zur Erinnerung an seinen verstorbenen
Sohn. Dieser soll an diesem Standort im Zweikampf mit einem Bären
umgekommen sein.

Weitere Beiträge zur Serie Früher – Heute

Alle bisher erschienenen Artikel zur Serie lesen Sie auf www.luzernerzeitung.ch/serien

Das Bahnhofareal, hier im Jahr 1922, war ein wichtiger Umschlagplatz für Bauern. Unten rechts ist der Stempel des Fotografen Franz Kopp erkennbar. (Bild Franz Kopp/Archiv Haus zum Dolder)

Das Bahnhofareal, hier im Jahr 1922, war ein wichtiger Umschlagplatz für Bauern. Unten rechts ist der Stempel des Fotografen Franz Kopp erkennbar. (Bild Franz Kopp/Archiv Haus zum Dolder)