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GESCHICHTE: Wie Europa den Hausberg Rigi entdeckte

Die Rigi ist nicht nur ein idealtypisches Beispiel für einen Hausberg. Die Geburtsstunde ihrer Bahnen ist ein europäischer Meilenstein.
Arno Renggli
Die elektrifizierte Arth-Rigi-Bahn war bei ihrer Inbetriebnahme 1911 die ­weltweit erste ihrer Art. Sie ist heute noch im Einsatz. (Bilder Rigi-Bahnen AG)

Die elektrifizierte Arth-Rigi-Bahn war bei ihrer Inbetriebnahme 1911 die ­weltweit erste ihrer Art. Sie ist heute noch im Einsatz. (Bilder Rigi-Bahnen AG)

Spricht man von einem Hausberg, kommt einem ziemlich rasch die Begehung zu Fuss in den Sinn. Aber viele von ihnen sind auch mit Bahnen erschlossen. Nicht nur, um Einheimischen den Zugang zu erleichtern, sondern natürlich auch aus touristischen Gründen. Die Rigi ist wohl als Hausberg an sich wie auch punkto Bahnen ein gutes Beispiel.

Als Hausberg wird sie von vielen Menschen empfunden. Sie verteilt sich auf die Gebiete von neun Gemeinden (Weggis, Vitznau, Greppen, Küssnacht, Arth/Goldau, Lauerz, Schwyz, Ingebohl/Brunnen und Gersau), weshalb sie nur schon deren total rund 50 000 Einwohner als ihr eigen betrachten. Direkten Blickkontakt haben natürlich noch viel mehr Menschen. Aber die Rigi schafft es auch, Leute aus aller Welt zu berühren. Das zeigen viele, teils literarische Rückmeldungen etwa von Goethe, Gottfried Keller, Mark Twain oder Karl May.

Karte mit Rigi im Zentrum

Schriftlich belegt, fällt die Rigi erstmals um 1400 auf. Damals sollen, so berichtet der Luzerner Chronist Cysat (vergleiche unten) später, Drachen zwischen der Rigi und dem Pilatus hin- und hergeflogen sein. Diese hätten ihre Nistplätze am Rigi-Südhang oberhalb von Vitznau gehabt. 1479 beschreibt Albrecht von Bonstetten, Dekan des Klosters Einsiedeln und bekannter Geograf, die Rigi als Mons Regina, woraus der heutige Name entstand. Besonders interessant: Er zeichnet die erste sehr rudimentäre Schweizer Karte und stellt die Rigi in ihr Zentrum, um das er dann die vier Himmelsrichtungen anordnet.

Um 1540 wird die Kaltbad-Quelle erstmals erwähnt, nachdem ein gewisser Barthli Joler aus Weggis beim Baden im kalten Wasser gesund geworden sei. Es ist der Start des Wellness-Tourismus auf der Rigi, bereits um 1600 kommen täglich 100 Badegäste. Ende des 17. Jahrhunderts startet der Pilgertourismus zur Wallfahrtskapelle «Maria zum Schnee», der rasch zu jährlich Zehntausenden von Besuchern führt. 1756 wird das erste Gasthaus für Übernachtungen auf Rigi Kaltbad erbaut, 1816 das erste auf Rigi Kulm. Das touristische Interesse etwa in England wächst. Und natürlich gewinnt die Frage, wie man Gäste auf die Rigi transportiert, an Brisanz.

Bahn mit Helium-Ballonen?

Eine Idee ist 1859 besonders abenteuerlich: Gondeln, die auf Schienen von Heliumballonen in die Höhe gezogen werden konnten. Natürlich bleibt das Projekt ein Papiertiger. Stattdessen behilft man sich mit einem riesigen Trägerdienst: 1000 Pferde sowie zahllose Tragsesselträger kommen zum Einsatz.

Doch dann geht es vorwärts oder besser gesagt aufwärts: Am 21. Mai 1870 gelingt die erste Probefahrt der ersten Rigi-Dampflok «Stadt Luzern» von Ingenieur Niklaus Riggenbach. Dieser hat sein Zahnradsystem für Bergbahnen in Frankreich patentieren lassen. Genau ein Jahr später, am 21. Mai 1871, wird die erste Bergbahn Europas von Vitznau nach Rigi Staffelhöhe eingeweiht.

Weltweit erste Elektrifizierung

1874 wird ein jährliches Volumen von über 100 000 Fahrgästen verzeichnet. 1875 werden die Arth-Rigi-Bahn sowie ein mondänes Palasthotel auf Rigi Kulm eröffnet. 1907 wird die Strecke Goldau–Rigi Kulm als erste Normalspur-Zahnradbahn der Welt elektrifiziert.

In der Folge werden die Rigi-Bahnen laufend verändert und modernisiert, das Tourismusgeschäft boomt, auch wenn es durch die beiden Weltkriege jeweils Einschnitte gibt. Ein anderes dunkles Kapitel wird sich 1961 ereignen: Bei einer Brandkatastrophe auf Rigi Kaltbad wird das Grand Hotel total zerstört. 13 Menschen sterben. Schon 1948 ist das Hotel Rigi First niedergebrannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Rigi aus einem Feriendomizil für Begüterte zunehmend ein Ziel des Massentourismus. Heute zählt man rund 30 Hotel- und Gastronomiebetriebe mit rund 2000 Hotelbetten und total 600 000 Gäste pro Jahr. Den bisher letzten Meilenstein erlebt die Rigi im Juli 2012 mit der Eröffnung des neuen Mineralbads & Spa.

Trotz dieser vor allem auch touristischen Entwicklung ist die Rigi für viele Einheimische geblieben, was sie immer war: ein Hausberg.

Weltweit steilste Standseilbahn

Natürlich muss man viele unserer Hausberge längst nicht mehr zu Fuss erklimmen, wenn man nicht will. Viele Bahnen bieten einen bequemen Aufstieg (vergleiche Übersicht auf der folgenden Doppelseite). Die Pilatus-Bahnen etwa feiern 125 Jahre Zahnradbahn: Am 4. Juni 1889 wurde die steilste Zahnradbahn der Welt in Betrieb genommen. Am kommenden Samstag findet hierzu auf dem Pilatus ein grosser Ball statt (Infos: www.pilatus.ch).

Zudem will man kräftig investieren: Für 18 Millionen Franken soll die Seilbahn von der Fräkmüntegg auf Pilatus Kulm neu gebaut werden. Am 1. April 2015 soll sie ihren Betrieb aufnehmen, mit Kabinen in futuristischem Helikopterdesign.

Zum Thema Steilheit: Die StoosBahnen AG baut derzeit die steilste Standseilbahn der Welt: Diese soll ab Ende 2016 mit einer Steigung von 110 Prozent vom hinteren Schlattli auf den Stoos führen.
Auch andere hiesige Hausberge haben Bahnen, wie das Stanserhorn, der Titlis oder die Mythen. Doch weiterhin gibt es welche, auf die es nur zu Fuss geht: etwa der Napf, der Wildspitz oder das Buochserhorn.

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