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GESETZESREVISION: Pfarrer wollen die Volkswahl retten

Die reformierten Pfarrer im Kanton Luzern sollen mit dem neuen Personalgesetz nicht mehr von der Bevölkerung gewählt werden. Das widerspricht dem Berufsverständnis der Seelsorger.
Christian Glaus
Gelockerte Reihen: Die Zahl der Kirchenaustritte ist in vielen Kantonen gestiegen. Betroffen sind die Reformierte und auch die Römisch-Katholische Landeskirche. (Symbolbild) (Bild: Keystone/ALESSANDRO DELLA BELLA)

Gelockerte Reihen: Die Zahl der Kirchenaustritte ist in vielen Kantonen gestiegen. Betroffen sind die Reformierte und auch die Römisch-Katholische Landeskirche. (Symbolbild) (Bild: Keystone/ALESSANDRO DELLA BELLA)

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Der Pfarrer – ein ganz normaler Arbeitnehmer. Für viele passt dieses Bild nicht. Doch bei der reformierten Kirche im Kanton Luzern ist er genau das. Der Beamtenstatus wurde vor einem Jahr mit der neuen Verfassung abgeschafft. Seither sind die Pfarrer unbefristet angestellt. Nun will der Synodalrat noch einen Schritt weiter gehen: Die Pfarrer sollen künftig vom fünf- bis neunköpfigen Kirchenvorstand gewählt werden. Eine Volkswahl würde es nicht mehr geben. Dies sieht das neue Personalgesetz vor, welches am 14. März von der Synode beraten wird. Der Grundsatz: Alle Mitarbeiter werden nach gleichen Bedingungen in einem öffentlich-rechtlichen Verhältnis angestellt. Das bringt eine weitere gewichtige Änderung mit sich: Die Kirchgemeinde kann einen Pfarrer nicht mehr abwählen. Nur der Kirchenvorstand kann das Arbeitsverhältnis auflösen.

Ausgerechnet bei den Direktbetroffenen ist der Widerstand gross. «Die Volkswahl ist eine reformierte Tradition. Sie gehört zum Berufsverständnis und wird seit Jahrhunderten gepflegt», sagt Ulrich Walther, Co-Präsident des Pfarrkapitels und Pfarrer in Sursee. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer «reformierten DNA». Die Pfarrer lehnen die Abschaffung der Volkswahl grossmehrheitlich ab. Es gehe dabei um mehr als nur das Festhalten an Traditionen, sagt Walther. «Die Wahl hat sehr viel mit Identifikation zu tun. Wenn die Gemeinde mitwählen darf, wer sie spirituell führt, wird sie mit einbezogen und kann Vertrauen aussprechen.» Nähe sei gerade in der heutigen Zeit wichtig, in der die Kirche Mühe hat, den Draht zum Volk zu behalten.

Pfarrkapitel will das «St. Galler Modell»

In der Vernehmlassung zum Personalgesetz hat das Pfarrkapitel eigene Vorschläge eingebracht. Es schlägt eine Mischform aus Volkswahl und Anstellungsverhältnis vor – so wie das auch im Kanton St. Gallen praktiziert wird. «Ein öffentlich-rechtliches Anstellungsverhältnis braucht es aufgrund der neuen Verfassung», erklärt Ulrich Walther. Doch das schliesse eine Wahl nicht aus. «Gemäss unserem Vorschlag würde der Kirchenvorstand den Pfarrer auswählen. Dieser müsste aber noch von der Gemeinde bestätigt werden.» Bereits im Auswahlverfahren solle die Bevölkerung mittels Pfarrwahlkommission einbezogen werden – so, wie das heute auch der Fall ist. Die Kommission setzt sich jeweils aus Vertretern des Kirchenvorstands und Mitgliedern der Kirchgemeinde zusammen.

Synodalratspräsidentin Ursula Stämmer-Horst ist überrascht von der Vehemenz des Widerstands der Pfarrer. Mit der neuen Kirchenverfassung seien die Weichen für die Abschaffung der Volkswahl gestellt worden. Dieser hätten 96,6 Prozent der Reformierten zugestimmt. Zudem seien die Pfarrer in jener Kommission vertreten gewesen, welche das Personalgesetz ausgearbeitet hat. «Ich bin fest davon überzeugt, dass es an der Zeit ist, dass für Pfarrer dieselbe Regelung gilt wie für alle anderen Mitarbeitenden unserer Kirche», sagt die frühere Luzerner SP-Stadträtin.

Stämmer bezeichnet das vorgeschlagene Anstellungsverfahren als fair und flexibel. «Mit ihm können langwierige und komplizierte Anstellungsprozesse verkürzt sowie Vakanzen vermieden werden.» Auch sei es einfacher, sich von einer Pfarrperson zu trennen. Heute kann der Kirchenvorstand das Anstellungsverhältnis nur nach schwerwiegenden Vorfällen auflösen, künftig kann er eine ordentliche Kündigung aussprechen. Doch bei Pfarrern ist diese umstritten: «Für mich ist die Vorstellung unerträglich, dass mir ein Kirchenvorstand von fünf bis neun Personen kündigen kann, ohne dies dem Stimmvolk vorzulegen», sagte der Krienser Pfarrer Karl Däppen gegenüber dem Portal ref.ch. Auf Anfrage unserer Zeitung wollte er sich nicht dazu äussern.

Ursula Stämmer glaubt nicht, dass die Abschaffung der Volkswahl die Distanz zwischen Kirche und Gläubigen vergrössert. Seit Jahren gebe es zwar Wahlen, allerdings ohne eine wirkliche Auswahl. Die demokratisch gewählten Kirchenvorstände seien bestens in der Lage, eine Pfarrperson auszuwählen, sagt Stämmer: «Es ist auch eine Tatsache, dass sich Pfarrpersonen nicht einer ‹Kampfwahl› stellen würden.»

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