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GESUNDHEIT: Ambulant vor stationär: Kanton Luzern spart 1,5 Millionen Franken

Seit Juli 2017 werden in Luzern zwölf bestimmte Eingriffe wenn möglich ambulant vorgenommen. Das zahlt sich laut Regierungspräsident Guido Graf aus – auch für die Krankenkassen. Er kündigt weitere Reformen an.
Auch wenn immer mehr Kantone nachziehen – ist das Vorpreschen des Kantons Luzern sinnvoll? «In Bern wird immer geredet, aber nichts gemacht», sagt Gesundheitsdirektor Graf dazu. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 26. Juni 2017))

Auch wenn immer mehr Kantone nachziehen – ist das Vorpreschen des Kantons Luzern sinnvoll? «In Bern wird immer geredet, aber nichts gemacht», sagt Gesundheitsdirektor Graf dazu. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 26. Juni 2017))

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Mit einer Liste von Eingriffen, die wenn möglich ambulant statt stationär vorgenommen werden sollen, sorgt der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) seit letztem Jahr für nationales Aufsehen. Grafs erklärtes Ziel: Bei gleichbleibender Qualität und Sicherheit soll der Kanton kosten sparen, ohne dass sich das auf die Krankenkassenprämien auswirkt. Die Versicherer sind wenig begeistert. Denn bei Spitalaufenthalten zahlen die Kantone einen Anteil von 55 Prozent, bei ambulanten Eingriffen nichts. Die Versicherer befürchten darum eine Kostenüberwälzung. Auch verschiedene Ärztegesellschaften üben Kritik (Artikel vom 6. August 2017).

Guido Graf hat nun am Mittwoch eine Zwischenbilanz veröffentlicht. Die Liste mit zwölf Eingriffen (die Mandeloperationen wurden wieder herausgestrichen) ist seit 1. Juli 2017 in Kraft. Und hat laut Graf den Grundsatz «ambulant vor stationär» gemäss seinem erklärten Ziel erfüllt.

Rückgang bei definierten Eingriffen um 26 Prozent

Ein Projektteam unter der Leitung von Christos Pouskoulas aus Grafs Departement hat die Abrechnungen der zwölf gelisteten Eingriffe aller Luzerner Spitäler untersucht. Die Zahl dieser Fälle hat von 1753 im Jahr 2016 auf 1298 im letzten Jahr abgenommen – eine Reduktion um 26 Prozent. Der Rückgang fällt indes ziemlich unterschiedlich aus (siehe Tabelle). «Es kommt auch vor, dass ambulant angemeldete Eingriffe dann doch stationär vorgenommen werden. Das ist vor allem bei Herzkatheteruntersuchungen der Fall», räumt Pouskoulas ein. Ob ein ambulanter Eingriff vertretbar ist, entscheide immer der behandelnde Arzt zusammen mit dem Patienten – und nicht der Kanton. Zudem sei ein Wechsel von ambulant nach stationär und umgekehrt jederzeit möglich und ohne grossen Aufwand machbar.

Weniger stationäre Eingriffe bedeuten in der Regel auch tiefere Kosten. Guido Graf zitierte eine Studie des Beratungsunternehmens PWC, wonach ambulante Behandlungen im Schnitt zwei bis drei Mal günstiger sind als stationäre. Konkret heisst das für das Luzerner Pilotprojekt: Die Kosten sind gegenüber 2016 um 1,5 Millionen Franken zurückgegangen. Auch dank «positiver Nebeneffekte», wie Graf erklärte. So seien die «unnötigen Eintritte» am Vortag einer Operation um 91 Prozent zurückgegangen, wodurch Kanton und Versicherer im ersten Halbjahr je mindestens 250 000 Franken sparen konnten.

Ein weiterer Nebeneffekt: Auch die Versicherer profitieren im stationären Bereich von Grafs Liste; und zwar 1,5 Millionen Franken in einem halben Jahr. Allerdings müssen die Versicherer seit 2017 nicht mehr 47 Prozent der Kosten tragen, sondern nur noch 45 Prozent. Die Mehrkosten für die Versicherer im ambulanten Bereich würden dadurch praktisch neutralisiert. Stellt sich die Frage nach dem zusätzlichen Verwaltungsaufwand für den Kanton. Graf beziffert diesen auf 84 000 Franken für die Anpassung der Prüfsoftware. Damit bleibe man 28 Prozent unter dem Budget. «Bei einem Franken Kontrollkosten hat der Kanton knapp 18 Franken gespart.»

Graf will Unterschiede bei Berechnung aufheben

Trotz all dieser konkreten Zahlen: Wichtige Angaben fehlen. So kann noch nicht gesagt werden, wie hoch der Anteil der ambulanten Eingriffe pro Kategorie ist. Laut Guido Graf hat das mit der komplizierteren Berechnungsgrundlage im ambulanten Bereich zu tun. Gemäss Aldo Kramis, Präsident der Luzerner Ärztegesellschaft, dürften die Zahlen Ende dieses Jahres vorliegen.

Auch wenn immer mehr Kantone nachziehen – ist das Vorpreschen des Kantons Luzern sinnvoll? «In Bern wird immer geredet, aber nichts gemacht», sagt Gesundheitsdirektor Graf dazu. Immerhin empfehle die Gesundheitsdirektorenkonferenz – in deren Vorstand Graf ist –, die Luzerner Liste zu verwenden. Graf will die Liste denn auch weiter verwenden und verfeinern. Und: Er will sich dafür einsetzen, dass sowohl im ambulanten wie im stationären Bereich die Eingriffe kostendeckend sind. Er pocht auch auf Pauschalen im ambulanten Bereich.

So haben sich einzelne stationäre Eingriffe entwickelt

Eingriff Anzahl 2016 Anzahl 2017 Veränderung in Prozent
Leistenbrüche 493 437 -11,4
Kniespiegelungen 373 217 -41,8
Krampfadern 347 214 -38,3
Hämorrhoiden 143 81 -43,4
Gefässeingriffe 118 69 -41,5
Nierensteine 68 41 -39,7
Gebärmutterhals 22 7 -68,2
Herzschrittmacher 16 12 -25,0


Quelle: Gesundheits- und Sozialdepartement Kanton Luzern

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