GESUNDHEIT: Brustkrebsvorsorge: Regierung lenkt widerwillig ein

Die Regierung sagt Ja zur Einführung eines Früherken–nungsprogramms. Allerdings widerwillig – und warnt vor hohen Kosten.

Ismail Osman
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Eine Frau bei einer Vorsorgeuntersuchung, um möglichen Brustkrebs frühzeitig zu erkennen. (Bild: Keystone)

Eine Frau bei einer Vorsorgeuntersuchung, um möglichen Brustkrebs frühzeitig zu erkennen. (Bild: Keystone)

Brustkrebs ist nicht erst seit dem Medienwirbel um Schauspielerin Angelina Jolie – diese hatte sich vorsorglich beide Brüste entfernen lassen – ein Thema im Luzerner Kantonsrat. Eine Motion, welche die Einführung eines Früherkennungsprogramms fordert, wird nun aber just in einer Zeit thematisiert, in welcher der öffentliche Diskurs rund um Erkrankung und Prävention von Brustkrebs Fachmagazine wie auch Boulevardblätter beschäftigt.

Die Zustimmung der Luzerner Regierung zur Einführung eines entsprechenden Programmes hat aber weniger mit der anhaltenden Medienpräsenz des Themas zu tun. Viel eher ist sie mit dem Konsens, der im Parlament diesbezüglich herrscht, zu erklären. Die Regierung selbst äussert nämlich schwere Bedenken, was die Kosten-Nutzen-Frage eines Mammografie-Screeningprogramms, wie es von Esther Schönberger (CVP, Sursee) gefordert wird, betrifft.

Die Kostenfrage

Eingereicht hatte die mittlerweile aus dem Kantonsrat zurückgetretene Esther Schönberger ihre Motion bereits im Frühling 2012 – schon drei Jahre zuvor reichte sie ein ähnliches Begehren ein, welches damals als Postulat erheblich erklärt wurde. Die systematischen Screenings führten zur Früherkennung von Brustkrebs und somit zu besseren Heilungschancen (siehe Kasten), argumentiert Schönberger.

Zwar empfiehlt die Regierung, die Motion erheblich zu erklären. In ihrer Stellungnahme lässt sie aber keinen Zweifel daran, dass sie dies nur sehr widerwillig tut. Sie beruft sich dabei etwa auf ein Faktenblatt der Stiftung Konsumentenschutz und dem Dachverband Schweizerischer Patientenstellen. Danach brauche es etwa 2500 Röntgenbilder gesunder Frauen, um eine Frau vor dem Tod an Brustkrebs zu retten – ein Röntgenbild koste die Krankenversicherung 150 bis 200 Franken. Ausserdem würden pro gerettete Frau 100 andere Frauen einen falschen Krebsverdacht erhalten. Die Argumente der Regierung seien gesucht, kontert Schönberger. «Die Wissenschaft hat mittlerweile klar bewiesen, dass die Mammografie-Screenings wirken.» Davon zeuge auch die Tatsache, dass das Mammografie-Screening mittlerweile eine Pflichtleistung der obligatorischen Krankenversicherung ist.

Schönberger sieht den Hauptgrund für die ablehnende Haltung der Regierung in der Geldfrage. Gerechnet wird mit einmaligen Startkosten von 500 000 bis 1 Million Franken und jährlich wiederkehrenden Kosten von rund 600 000 Franken. «Wir sind bereit, die Motion entgegenzunehmen, allerdings unter der Voraussetzung, dass der Kantonsrat auch die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung stellt», schreibt die Regierung.

Grosser Rückhalt im Parlament

Tatsache ist, dass Schönberger 69 Parlamentsmitglieder aus allen Parteien für ihre Motion gewinnen konnte. Dem hat die Regierung Rechnung getragen und resümiert: «Letztendlich geht es um die Fragen, wo die zur Verfügung stehenden (begrenzten) Geldmittel am nutzbringendsten eingesetzt werden sollen, ob die Kosten den Nutzen rechtfertigen und welche Werte höher gewichtet werden. Offenbar hat die Mehrheit des Kantonsrates diese Güterabwägung bereits vorgenommen und zu Gunsten des Mammografie-Screenings entschieden, indem sie die Motion unterschrieben hat.»

Luzern wäre der erste Kanton der Zentralschweiz, welcher ein solches Programm einführen würde. Derzeit verfügen elf Kantone über Mammografie-Screening-Programme.