Gesundheit
Gegen die Spitalpläne in Wolhusen formiert sich Widerstand aus der Bevölkerung

Die Regionen Entlebuch, Hinterland und Rottal fürchten, dass das Spital Wolhusen künftig nur noch zu Bürozeiten eine Notfallversorgung anbietet. Ein neu gegründeter Verein kämpft dagegen an und mobilisiert erfolgreich Mitglieder.

Roseline Troxler
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Die Freude über den geplanten Neubau des Spitals Wolhusen für rund 110 Millionen Franken ist im Einzugsgebiet gross. Getrübt wurde sie jedoch durch die Kommunikation zum Inhalt des Baus. Die Luzerner Regierung und der Spitalrat des Luzerner Kantonsspitals (Luks) informierten vor knapp drei Monaten darüber. Die Pläne unterscheiden sich deutlich von jenen, die 2014 geäussert wurden. Aufhorchen liess in der Region vor allem die angedachte Streichung der Intensivpflegestation, der Fokus auf ein tagesklinisches Zentrum, eine nicht definierte Bettenzahl und die Prüfung von nur noch hebammengeleiteten Geburten.

Das 50-jährige Spitalgebäude soll bald einem Neubau weichen.

Das 50-jährige Spitalgebäude soll bald einem Neubau weichen.

Bild: Pius Amrein (Wolhusen 12. April 2021)

Komitee zählt bereits 1600 Mitglieder

Die Angebotsanpassung rief Gemeinderäte, Kantonsrätinnen, Hausärzte und den Gemeindeverband Region Luzern
West, dem 27 Gemeinden angehören, auf den Plan. Vor kurzem wurde der Verein «Pro Spital Wolhusen» ins Leben gerufen. Gemeinsam mit einem gleichnamigen Komitee kämpft er für die Sicherung einer umfassenden medizinischen Grundversorgung auf der Landschaft. Am Mittwoch hat der Verein seine Ziele präsentiert. Guido Roos, Geschäftsführer des Gemeindeverbands Region Luzern West, sagte zu Beginn:

«Vor einer Woche haben wir unsere Website aufgeschaltet. Nun haben wir schon 1600 Mitglieder. Das hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen.»

Der Support zeigt laut Vizepräsidentin Christine Bouvard Marty, Gemeindepräsidentin von Schüpfheim, dass das Spital Wolhusen für die Bevölkerung eine Herzensangelegenheit ist. Wie SVP-Kantonsrätin Vroni Thalmann-Bieri (Flühli) ergänzte, gibt es unter den Mitgliedern auch mehrere Ferienhausbesitzer aus Sörenberg. «Das zeigt auch die Bedeutung des Spitals für den Tourismus.»

Keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über die regierungsrätliche Kommunikation machte der Willisauer Stadtpräsident André Marti. «Sie hat viel Unsicherheit und Unruhe ausgelöst. Die Fakten müssen jetzt auf den Tisch.» Derzeit sei keine Angebotsstrategie erkennbar. «Will man ein Zentrumsspital und auf der Landschaft Tageskliniken mit Büroöffnungszeiten?», fragte sich der FDP-Kantonsrat. Er befürchtet einen Abbau auf Raten. Eine ökonomische Optimierung sei zwar wichtig, ein Spital auf der Landschaft habe aber auch eine regionalpolitische Bedeutung.

Für Christine Bouvard besonders zentral ist die Beibehaltung einer Notfallmedizin rund um die Uhr, eine Gewährleistung von chirurgischen Eingriffen vor Ort sowie eine ärztlich betreute Geburtshilfe. Dafür müsse auch in Zukunft Intensivpflege angeboten werden, betont die Vizepräsidentin des Vereins. Gemeinsam mit Vroni Thalmann hebt sie die Erreichbarkeit des Spitals besonders hervor. Schon heute dauert die Fahrt von Marbach-Dorf nach Wolhusen mindestens 50 Minuten, von Luthern gut 40. Die SVP-Politikerin sagte:

«Wird Wolhusen zu einem Bürozeiten-Spital, wird der Weg zu einer medizinischen Versorgung in der Nacht von gewissen Gemeinden aus fast verdoppelt.»

Bedeutung für die Ausbildung von Hausärzten

Sorgen bereitet das geplante Leistungsangebot auch dem Wolhuser Hausarzt Raymond Thalmann. «Ich spreche heute für viele gleichgesinnte Hausärztinnen und Hausärzte», sagte er an der Medienkonferenz. «Eine Intensivstation ist für ein Regionalspital wie Wolhusen ein Muss.» Auch eine Anästhesie rund um die Uhr sei zwingend für die medizinische Grundversorgung. Bei Notfällen und schweren Unfällen könne die Fahrtzeit entscheidend sein für den Verlauf. Thalmann fürchtet ausserdem, dass viele Patienten oder werdende Eltern das Spital Wolhusen ohne Vorhalteleistungen wie die Anästhesie gar nicht mehr wählen, da sie bei Komplikationen verlegt werden müssten.

Für Raymond Thalmann ist es auch personalpolitisch entscheidend, dass am Spital Wolhusen eine «solide stationäre Grundversorgung anstatt ein Ambulatorium angeboten wird». Sonst würden Top-Ärzte nicht mehr nach Wolhusen gelangen. Zentral sei das Spital auch für die Ausbildung künftiger Hausärzte für die Region.

Mittels Vorstoss soll Spitalgesetz ergänzt werden

Vroni Thalmann machte deutlich: «Spezialisierungen in den Spitälern steht niemand im Weg. Doch wir wollen für alle in der Stadt wie auf dem Land die gleichen 7-mal-24-Standards in der Grundversorgung.» Gemeint ist die Abdeckung zu jeder Uhrzeit, auch am Wochenende. Diese Forderung soll nun auf politischem Weg erreicht werden. So ist ein Vorstoss geplant, welcher den 7-mal-24-Grundsatz im Spitalgesetz ergänzen will.

«Die Forderung ist überparteilich abgestützt und reicht über die Region hinaus.»

Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) hatte im März angekündigt, dass Hausärztinnen der Region mitreden sollen, welche Eingriffe mit anschliessendem stationärem Aufenthalt im Spital in Wolhusen künftig noch möglich sein sollen. Raymond Thalmann bestätigt, dass dies in Bezug auf die Geburtshilfe nun geschehen soll. Gespräche haben auch mit Politikern stattgefunden. André Marti sagt allerdings: «Wir wurden von der Regierung informiert, können aber nicht aktiv mitwirken.»

Video: Tele1/ PilatusToday