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Gesundheit!

Den Moment des Niesens künstlerisch eingefangen: Paula Weibel mit ihren Werken. (Bild: Eveline Beerkircher (Rothenburg, 22. Juni 2017)

Den Moment des Niesens künstlerisch eingefangen: Paula Weibel mit ihren Werken. (Bild: Eveline Beerkircher (Rothenburg, 22. Juni 2017)

Beromünster Die erste Frage über ihre Maturaarbeit sei immer die gleiche, sagt Paula Weibel: «Wie um alles in der Welt bist du nur auf die Idee gekommen?» Es ist wohl der Preis, den man dafür bezahlt, wenn man eine Maturaarbeit mit dem Titel «Der Moment des ‹Hatschi› – Mimik beim Niesen» einreicht.

Die 17-jährige Rothenburgerin nimmt es mit Humor und beantwortet auch uns die grosse Frage: «Die Inspiration stammt von einer Fotostrecke. Darin wurden Leute fotografiert, die gerade ein sehr saures Bonbon in den Mund genommen hatten und nun das ganze Gesicht verzogen», erklärt Weibel. «Ich war von der Mimik fasziniert und wusste, dass ich einen ähnlichen Moment – nämlich einen, in dem man seinen Gesichtsausdruck nicht kontrollieren kann – thematisieren wollte.» So kam Weibel die Idee, den «Hatschi-Moment» gestalterisch umzusetzen. Zunächst in Skizzen, danach aber auch in Fotografien, Filmaufnahmen, Malereien und Plastiken aus Ton.

Familie wurde zu Versuchskaninchen

Damit all die Werke entstehen konnten, musste aber auch geniest werden – und zwar nicht zu knapp. «Ich musste zunächst einmal herausfinden, wie man jemanden am besten zum Niesen bringt», sagt Weibel und fügt mit einem Schmunzeln an: «Dafür mussten die Familie und mein Freund herhalten.» Schnell wird klar: Pfeffer bringt nichts ausser eine brennende Nase, und Schnupftabak funktioniert nicht bei allen. Als die effizientesten Mittel erweisen sich Grashalme und Wattestäbchen. Wichtiges Detail: Alleine an der Nasenspitze kitzeln bringt nichts – man muss schon bis zu den Schleimhäuten hoch.

Man mag Weibels Thema im ersten Moment belächeln – die Tiefe, mit der sie sich damit auseinandergesetzt hat, ist jedoch eindrücklich und ist niemandem entgangen. Auf das Anraten ihrer Maturaarbeitsbetreuerin hin entstand im September vergangenen Jahres im Stiftstheater Beromünster eine Ausstellung der Werke, die Weibel zum Thema Niesen geschaffen hatte. «Es war eine enorm wichtige Erfahrung für mich. Da war zum einen das direkte Feedback von den Besuchern. Zum anderen aber auch die Bestätigung, dass die Werke ihren Wert haben.» Die Maturaarbeit, welche den Entstehungsprozess der diversen entstandenen Arbeiten beschreibt und dokumentiert, wurde ebenfalls gewürdigt: Im Rahmen der Fokus-Maturaarbeit des Kanton Luzerns wurde Weibels Maturaarbeit als eine der 36 besten des ganzen Jahrgangs gewählt.

Was aber zog Paula Weibel selbst aus ihrem Rundumblick auf das Niesen? «Es ist eindrücklich, welche enorme Kraft in diesem kleinen Moment liegt, welche Kraft in unserem Körper steckt», erklärt Weibel. Sie sei zudem auch schlicht von diesem Moment fasziniert, in dem wir für den Bruchteil einer Sekunde die Beherrschung über unsere Mimik verlieren. «Es kann beispielsweise niemand mit offenen Augen niesen», gibt Weibel zu bedenken.

Der nächste Schritt führt die frischgebackene Abgängerin der Kanti Beromünster an die Kunstschule in Luzern, wo sie den gestalterischen Vorkurs absolvieren wird.

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

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