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GESUNDHEIT: Luzerner Hebammen fordern Pikettentschädigung

Zeit für einen Neustart: Die freiberuflichen Hebammen der Zentralschweiz wollen sich neu strukturieren. Ziel sind direkte Leistungsvereinbarungen mit den Geburtskliniken. In Luzern kommt zudem die Forderung nach einem Wartegeld wieder auf den Tisch.
Ismail Osman
Hebammen stehen Schwangeren ab der 37. Woche rund um die Uhr zur Verfügung. (Symbolbild: Ennio Leanza/Keystone)

Hebammen stehen Schwangeren ab der 37. Woche rund um die Uhr zur Verfügung. (Symbolbild: Ennio Leanza/Keystone)

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Wieso hört das Kind nicht auf zu schreien? Weshalb ist da seit Tagen nichts in der Windel? Weshalb saugt der Säugling nicht? Muss die Brust derart schmerzen? 39 Grad Fieber: Zeit, ins Spital zu gehen? Die Liste der Fragen und Unsicherheiten frischgebackener Eltern ist schier unerschöpflich lang – in den meisten Fällen ist es eine freiberufliche Hebamme, die beruhigt, berät, pflegt und unterstützt.

Eine davon ist die Krienserin Carmen Zimmermann. «Ich kriege täglich SMS mit Fragen. Das Kind hat erbrochen: Ich frage die Hebamme», sagt die Co-Präsidentin der Zentralschweizer Sektion des Schweizerischen Heb­ammenverbands. Die Fragen an Zimmermann flattern naturgemäss auch weit nach den gängigen Bürozeiten rein. Konkret sind Hebammen für Schwangere ab der 37. Schwangerschaftswoche rund um die Uhr abrufbar – an 365 Tagen im Jahr. Und auch direkt nach der Geburt, während der Nachbetreuung (Wochenbettpflege), stehen sie noch 56 Tage in erhöhter Rufbereitschaft.

Luzern zahlt seit 2005 nicht mehr

Diese ständige Rufbereitschaft, auch Wartegeld genannt, wird den Hebammen nicht durch die Krankenkassen vergütet. In den meisten Zentralschweizer Kantonen wird es deshalb vom Kanton oder den Gemeinden übernommen. Die Ausnahme: Luzern. Im Rahmen des Sparpakets von 2005 wurde das Wartegeld abgeschafft. Dies, nachdem der Kantonsrat erst 2002 einer Motion zur Einführung des Wartegeldes zugestimmt hatte – entgegen dem Antrag der damaligen Regierung. Eine Motion zur Wiedereinführung wurde 2010 im Kantonsrat versenkt. Damals begründete die Regierung ihre Ablehnung unter anderem damit, dass die Heb­ammen inzwischen Leistungen übernähmen, die früher von Mütterberaterinnen oder Hausärzten erbracht worden seien. Letzterem stimmt Carmen Zimmermann vollumfänglich zu: «Es gibt aber einen entscheidenden Un­terschied: Geht man zum Arzt, wird er diese Beratung in Rechnung stellen. Als Hebamme habe ich aber keine Möglichkeit, die zahlreichen Leistungen dieser Art zu verrechnen. Der Beitrag von Kanton und Gemeinden wäre da angebracht. Wenn durch diese Hebammenleistung Wiedereintritte ins Spital verhindert werden können, wird auch der Kanton entlastet.»

Anders als Luzern sieht es der Kanton Uri. Seit diesem Jahr erhalten Hebammen ein Wartegeld von 200 Franken. «Diese Entschädigung unterstützt und fördert die freipraktizierenden Hebammen in Uri, die ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Grundversorgung sind», heisst es in einem entsprechenden Bericht des Urner Regierungsrates. Gemäss Zimmermann betragen die Wartegelder in Zug 400 Franken, in Nidwalden 230 und in Obwalden 200 Franken (von den Gemeinden erbracht). Im Kanton Schwyz variiert die Regelung von Gemeinde zu Gemeinde. «Es geht letztlich auch um eine Wertschätzung unserer Arbeit, welche einen wichtigen Teil der Grundversorgung abdeckt.»

Der Hebammenverband will neues Modell

Der Zentralschweizer Hebammenverband will das Thema nun auch im Kanton Luzern wieder auf den Tisch bringen. «Wir beabsichtigen, diesbezüglich das Gespräch mit Parlamentariern und auch direkt mit Gesundheitsdirektor Guido Graf zu suchen», sagt Zimmermann. Bereits begonnen hat ein Prozess der Neustrukturierung unter den freipraktizierenden Hebammen in der Region. «Wir wollen uns neu positionieren und unsere Leistungen noch besser koordinieren», sagt Zimmermann. Ins Auge gefasst wird ein Modell, das in den Regionen Basel und Zürich bereits mit Erfolg implementiert wurde. Das so genannte «Family-Start-Modell» sieht direkte Leistungsvereinbarungen zwischen den Geburtskliniken und den Hebammennetzwerken vor. «Wir befinden uns im Prozess, unsere Vision mit den involvierten Institutionen zu besprechen», sagt Zimmermann. «Bisher wurden wir mit offenen Ohren empfangen. Gerade die Klärung der Finanzierung eines solchen professionalisierten Modells wird aber noch Zeit beanspruchen.»

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