GESUNDHEIT: Luzerner Kantonsspital untersucht jetzt alle internen Grippefälle

Die Impfrate beim Pflegepersonal ist noch immer tief. In Luzern will man nun ganz genau wissen, was das für die Patienten bedeutet.

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Pflegerinnen und Ärzte in Zentralschweizer Spitälern setzen Spritzen bei sich nicht gerne ein. (Symbolbild Boris Bürgisser / Neue LZ)

Pflegerinnen und Ärzte in Zentralschweizer Spitälern setzen Spritzen bei sich nicht gerne ein. (Symbolbild Boris Bürgisser / Neue LZ)

Christian Peter Meier

Ausgerechnet im Spital kann man sich die Grippe holen – vom Pflegepersonal und gar von einem Arzt. Auch am Luzerner Kantonsspital (Luks) ist diese Gefahr vorhanden. Denn hier liegt die Impfrate bekanntlich besonders tief. Vor allem das Pflegepersonal zeigt sich vom Aufruf des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bislang unbeeindruckt: Nur eine von zehn Personen dieser Berufsgruppe am Luks hat sich diesen Winter gegen den aktuellen Grippevirus impfen lassen. Dies bestätigt Marco Rossi; der Chefarzt für Infektiologie verweist aber auch darauf, dass die Impfrate beim Luks-Pflegepersonal letztes Jahr noch tiefer lag – nämlich bei bloss 6 Prozent.

Zahlen aus dem eigenen Haus

Die Impfaufrufe am Luks haben also bislang nur wenig gefruchtet. Warum? «In einer anonymen Umfrage erwähnten unsere Mitarbeiter hauptsächlich Skepsis gegenüber der Wirksamkeit der Impfung, mögliche Nebenwirkungen und die Wahrnehmung der Grippe als banale Erkrankung», resümiert Marco Rossi. Dieser Haltung will er nun Fakten aus dem eigenen Haus entgegenhalten – und dafür alle im Spital diagnostizierten Ansteckungen erstmals systematisch erfassen und abklären lassen. Entsprechende Aussagen des «Tages-Anzeigers» bestätigt er gegenüber unserer Zeitung und ergänzt, das Resultat interessiere auch das Pflegepersonal. «Denn in besagter Umfrage wurde mehrfach angeregt, eigene Zahlen zu erheben und mit Fallbeispielen eine Sensibilisierung zu erreichen. Genau das machen wir jetzt.»

Das Luks wird dafür bei allen ambulanten und stationären Patienten mit passenden Symptomen aktiv nach einer Influenza-Grippe suchen. «Tritt bei einem bereits hospitalisierten Patienten Fieber ohne andere Erklärung auf, wird er ebenfalls getestet», so Rossi. Das Ausmass einer wissenschaftlichen Studie werde die Untersuchung nicht annehmen, «dazu bräuchte es aufwendigere Virus-Analysen. Aber wir werden einen Überblick über mögliche Ansteckungswege erhalten.»

Die Impfquote der Mitarbeitenden ist für Rossi im Übrigen nicht allein entscheidend. Um Patienten vor einer spitalerworbenen Grippeinfektion zu schützen, ergreife man ein ganzes Bündel von Massnahmen. Dazu gehöre die Erkennung und Isolierung von Patienten, Gesichtsmasken für erkältete Mitarbeiter und Besucher, eine perfekte Händehygiene und die Anweisung, dass erkrankte Mitarbeiter mit Fieber zu Hause bleiben.

Notfalls Maskentragpflicht

Falls es in diesen heiklen Februar-Tagen trotzdem zu einer Zunahme von Grippefällen im Spital kommen sollte, stellt der Infektiologe schon jetzt einen weiteren Schritt in Aussicht: «In diesem Fall würden wir in Risikoabteilungen eine generelle Maskentragpflicht einführen.»

Dass die Grippe gerade bei geschwächten Personen mitunter einen tödlichen Verlauf nehmen kann, ist seit langem bekannt. Das Universitätsspital Genf gibt gemäss «Tages-Anzeiger» an, allein im letzten Jahr seien 24 Personen gestorben, nachdem sie sich dort angesteckt hätten. Marco Rossi zeigt sich irritiert über die Aussage aus der Westschweiz: «Ich kann diese Zahl nicht nachvollziehen. Wir haben am Luks in der letzten Saison sehr schwer verlaufende Einzelfälle gesehen. Zudem wissen wir von einem einzelnen, tödlich verlaufenden Fall, bei dem die Ansteckung im Spital erfolgt war. Aber ähnliche Zahlen wie in Genf beschrieben können wir für das Luks ausschliessen.»

Bei der Luzerner Klinik St. Anna ist eine ähnliche Massnahme wie beim Luks derzeit nicht geplant. Wie Mediensprecher Patric Bürge mitteilt, werden in den Spitälern der Hirslanden-Gruppe, zu der auch die Chamer Andreas-Klinik gehört, aber regelmässig zur Grippesaison Info-Kampagnen und Schulungen des Personals samt kostenloser Grippeschutzimpfung durchgeführt.

«Impfbereitschaft sehr gering»

Das Pflegepersonal der Zentralschweizer Spitäler lässt sich im Schweizer Vergleich selten gegen die Grippe impfen (siehe Grafik). So haben sich während dieser Grippesaison im Spital Schwyz 15 Prozent des Pflegepersonals impfen lassen, bei den Ärzten liegt die Quote bei 50 Prozent, wie Reto Nüesch, Chefarzt Medizin, sagt. Die Quote sei seit Jahren stabil. «Wir haben schon intensivere Kampagnen durchgeführt, was aber nicht mehr Leute zum Impfen anregte.»

Im Kantonsspital Nidwalden haben sich in dieser Saison 16 Prozent des Pflegepersonals und 55 Prozent der Ärzte impfen lassen. Laut Anja Radojewski, Leiterin der Kommunikation, klärt ein Infektiologe über die Grippeimpfung auf, zudem würde in E-Mails darauf aufmerksam gemacht. «Aber in der Zentralschweiz ist die Impfbereitschaft sehr gering», sagt Radojewski.

Das Kantonsspital Uri hat die Quote innert Jahresfrist von 12 auf 17 Prozent erhöhen können, wie Claudia Zgraggen, Leiterin HR und Kommunikation, mitteilt. Bei den Ärzten liegt sie bei 60 Prozent. «Unsere Personalärztin sucht den aktiven Kontakt zu den Mitarbeitenden», erklärt Zgraggen.
Im Zuger Kantonsspital sind aktuell 15 Prozent der Pflegepersonen und 39 Prozent der Ärzte geimpft. Vom Kantonsspital Obwalden konnten keine aktuellen Zahlen in Erfahrung gebracht werden.

mst