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Gesundheit: Luzerner Spitäler befürchten starre Vorgaben

Die Allianz für Lebensqualität verlangt mit einer Initiative genügend ausgebildete Pflegefachkräfte an den Luzerner Spitälern. Das kommt bei den betroffenen Betrieben schlecht an: Ein Fachpersonalschlüssel sei für die Spitäler gar schädlich.
Roseline Troxler
Symbolbild aus dem Pflegeheim Viva Luzern (Bild: Boris Bürgisser (Archiv LZ))

Symbolbild aus dem Pflegeheim Viva Luzern (Bild: Boris Bürgisser (Archiv LZ))

Die Spitäler, welche auf der Luzerner Spitalliste aufgeführt sind, sollen eine vorgegebene Anzahl von Fachpersonen anstellen. Dies verlangt die Allianz für Lebensqualität in ihrer Gesundheitsinitiative. Bei der Allianz handelt es sich um ein Bündnis von 42 verschiedenen Organisationen. Sie verlangt von den Spitälern die Einhaltung eines Fachpersonalschlüssels, den der Kanton Luzern erstellt. Er soll für das Pflegefachpersonal sowie für das medizinische und therapeutische Personal gelten.

Beim Schlüssel handelt es sich um eine von drei Forderungen. Den Initianten geht es vor allem darum, dass das Luzerner Kantonsspital vermehrt ausgebildete Pflegefachkräfte anstellt. Denn der Kostendruck und der Fachkräftemangel würden dazu führen, dass vermehrt weniger gut Ausgebildete die Aufgaben des Fachpersonals übernehmen, so die Initianten.

Beim Kantonsspital spricht man von «Planwirtschaft»

Die Luzerner Regierung lehnt die Forderung ab, wie sie in einer Botschaft schreibt. Am Mittwoch führte sie die Argumente an einer Pressekonferenz aus (siehe Kasten). Kein Verständnis für die Initiative zeigt auch das Luzerner Kantonsspital (Luks). «Dieses planwirtschaftliche Instrument sorgt für starre Vorgaben, die in der täglichen Arbeit am Patienten einschränken», sagt Andreas Meyerhans, Leiter Unternehmenskommunikation. Mit der Einführung eines kantonalen Schlüssels würde die Verwaltung faktisch über die Zusammensetzung der Teams einzelner Abteilungen bestimmen. «Die Forderung ist unnötig und schädlich.» Für die Spitäler sei es auch ohne Fachpersonalschlüssel zentral, «ausreichend qualifiziertes Personal zu haben». Ausserdem sei schon heute im Leistungsauftrag definiert, dass die Spitäler für ausgebildeten Nachwuchs sorgen. Das Luks ist zwar gegen einen Schlüssel des Kantons. Einen eigenen kennt es hingegen. Dieser sei so ausgestaltet, dass er der Fallschwere, der Komplexität und den Eigenheiten der Abteilungen gerecht werde und den nötigen Spielraum biete. Der Schlüssel wurde in den Jahren 2008 bis 2009 pro Pflegeabteilung erarbeitet. Dabei haben die Fachpersonen Gesundheit EFZ, die diplomierten Pflegefachpersonen und weitere Berufsgruppen die bei der Patientenbetreuung geleistete Arbeit erfasst. In einem nächsten Schritt wurde die Aufteilung der Aufgaben geprüft. Darauf aufbauend wurde ein Modell für die Zusammenarbeit von verschiedenen Berufsgruppen entwickelt. «Je höher zum Beispiel der Bedarf an einer individuellen Gestaltung des Pflegeprozesses ist, desto grösser ist der Anteil an diplomiertem Pflegefachpersonal», sagt Meyerhans.

Immer mehr Fachleute Gesundheit

In den letzten Jahren hat sich der Anteil der Fachleute Gesundheit am Luks erhöht. 2010 lag dieser noch bei 21 Prozent, Ende 2017 waren es 25,4 Prozent. «Sie sind sehr vielseitig einsetzbar und tragen wesentlich mit dazu bei, den zunehmenden Fachpersonalmangel in der Pflege zu decken», sagt Meyerhans und erklärt, dass die Steigerung des Anteils mit der Einführung des neuen Berufes «Fage» und dem Aufgabenfeld der Fachleute Gesundheit zu tun hatte. Er rechnet mit einer weiteren Zunahme. Zum Vergleich mit anderen Spitälern sagt der Leiter Unternehmenskommunikation: «Das Luks gehört wie die gesamte Zentralschweiz zu den Vorreitern in der Entwicklung und Integration von Fachpersonen Gesundheit EFZ.» Ein Problem bei der Umsetzung sieht Andres Meyerhans auch bei den ausserkantonalen Spitälern. So sei es möglich, dass diese bei einem Ja zur Initiative den Fachpersonalschlüssel nicht übernehmen. «Diese dürften damit nicht mehr auf der Luzerner Spitalliste bleiben.» Die Folge: Luzerner Patienten müssten allfällige Mehrkosten im Vergleich zur Behandlung im Kanton Luzern übernehmen.

Hirslanden-Klinik St. Anna hält Schlüssel für unnötig

Auch die Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern lehnt den von der Initiative geforderten Schlüssel ab. «Wir haben ein ureigenes Interesse daran, genügend und qualifizierte Fachleute einzusetzen, um unseren Patientinnen und Patienten die bestmögliche Betreuungsqualität zukommen zu lassen. Eine Vorgabe, wie sie die Initiative vorsieht, halten wir für unnötig und überdies kaum umsetzbar», sagt Pflegedirektorin Erika Rohrer.

Die St. Anna zählt rund 350 Angestellte im Pflegebereich, davon sind laut Rohrer rund zwei Drittel diplomierte Pflegefachpersonen. Auch die Ausbildung komme nicht zu kurz: Alleine in der Pflege würden rund 120 Personen pro Jahr ausgebildet, «das sind drei Mal mehr als noch vor zehn Jahren.»

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