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GESUNDHEIT: Luzerner verhelfen ihr zum Glück

Siael Mkonyi aus Tansania wurde 1999 in die Schweiz geflogen, um in Luzern ihr Herz operieren zu lassen. Die Ärzte retteten der damals Siebenjährigen das Leben. Heute hilft sie selber Herzpatienten.
Matthias Stadler
Siael Mkonyi feiert ihren Bachelor-Abschluss. (Bild: PD (Moshi, Tansania, 18. November 2017))

Siael Mkonyi feiert ihren Bachelor-Abschluss. (Bild: PD (Moshi, Tansania, 18. November 2017))

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Dies ist eine Geschichte von Tragik und Armut, aber auch eine von Glück und Hoffnung – dies ist die Geschichte von Siael Mkonyi. Sie beginnt mit dem Hochdorfer Peter von Bergen. Der Reiseunternehmer organisiert in den 90er-Jahren regelmässig Reisen nach Tansania, am Indischen Ozean gelegen. Ein Teil dieser Reisen ist das Erklimmen des ­Kilimandscharo-Massivs – mit 5895 Metern über Meer die höchste Erhebung des afrikanischen Kontinents. Er besteigt den Gipfel mit seinen Schweizer Kunden zweimal pro Jahr. Mit von der Partie ist jeweils auch Winluck Mkonyi. Der einheimische Bergführer leitet die Expeditionen, sorgt dafür, dass die Touristen am erloschenen Vulkan den richtigen Weg gehen und sicher unterwegs sind. Er hat damit ein Einkommen, das ihm zwar keine grossen Sprünge erlaubt, aber doch zum Leben reicht.

Peter von Bergen und Winluck Mkonyi schätzen sich, die Zusammenarbeit ist für beide ­gewinnbringend. Sie lernen sich über die Zeit besser kennen. 1998 erzählt Winluck Mkonyi von seiner zweitjüngsten Tochter, die Herzprobleme habe. In Tansania gebe es allerdings keine medizinische Möglichkeit, ihr zu helfen. Indien wäre die beste Alternative. Doch 6000 Franken für die Operation sind für den Einheimischen eine gigantische Summe. Peter von Bergen wird nachdenklich. Der Gedanke, dass die siebenjährige Siael an einem Herzproblem leidet, das in Europa leicht behoben werden könnte, lässt ihm keine Ruhe mehr. Sie hätte ohne Operation eine Lebenserwartung von 15 bis 20 Jahren.

Spital operiert Mädchen kostenlos

Peter von Bergen beschliesst, zu helfen. Der Reiseunternehmer ist sich das Organisieren gewohnt. Er entwickelt den Plan, Spenden zu sammeln und Siael in der Schweiz operieren zu lassen. Dazu schreibt er Briefe an 416 Personen, hauptsächlich Kunden und Freunde aus der Schweiz. Er lässt Beziehungen spielen. Und tatsächlich: 137 Spenden gehen ein. Wenig später die noch bessere Nachricht: Das Luzerner Kantonsspital erklärt sich bereit, Siael zu operieren – gratis. Dann geht’s schnell: Das Mädchen fliegt mit ihrem Vater und einer Tante in die Schweiz und wird nach Vorabklärungen im Spital vom Chefarzt Herzchirurgie, Peter Stulz, und seinem Team operiert. Denn ihr Leiden, ein sogenannter Vorhofseptum-Defekt, ist ein vergleichsweise einfacher Eingriff. Es braucht normalerweise keine Folgeeingriffe. Der angeborene Herzfehler kann durch die Operation an einer Herz-Lungen-Maschine auch wie geplant behoben werden.

Die Familie wie auch Peter von Bergen sind zutiefst ergriffen. Die «Neue Luzerner Zeitung» berichtet im Sommer 1999 über den Fall: «Gesundes Herz für kleine Siael». Die Siebenjährige begreift nur rudimentär, was geschieht. Doch sie versteht den Ernst der Lage und schliesst den Herzchirurgen Peter Stulz und den Reiseunternehmer Peter von Bergen für immer in ihr nun gesundes Herz. So sehr, dass sie fortan nur einen Wunsch hat: «Ich möchte so werden wie Professor Stulz», sagt sie damals. Herzchirurgin also.

Ein Fest mit Schweizer Besuch

Heute, 18 Jahre später. Siael ist eine junge Frau. Doch was damals passiert ist, hat sie nicht vergessen. Im Gegenteil, sie hat ihr Leben konstant nach ihrem Herzenswunsch ausgerichtet. Am Samstag vor einer Woche hat sie in Moshi, unweit des Kilimandscharo-Massivs, ihr Bachelor-Zeugnis erhalten. Die heute 25-Jährige hat es zwar nicht ganz zur Herzchirurgin geschafft. Doch sie ist nun Physiotherapeutin. Und sie will ihr Wissen vertiefen – Richtung Herzkrankheiten. Ihr Ziel ist der Masterabschluss für Physiotherapie mit Fachrichtung Kardiologie.

Siael ist überglücklich über ihren Abschluss, wie sie gegenüber unserer Zeitung per Skype berichtet: «Das Fest dauerte den ganzen Tag.» Das Tüpfelchen auf dem i war, dass Peter von Bergen ebenfalls mit dabei war. Denn der Hochdorfer hat den Kontakt all die Jahre aufrechterhalten. So hat der 61-Jährige ihr in finanziellen Notlagen ausgeholfen, mit dem übrig gebliebenen Spendengeld eine gute Schule finanziert und stand ihr mit Rat von der Schweiz aus zur Seite. «Ich fühlte mich ihr und ihrem Vater gegenüber verpflichtet», sagt er. Nun sieht er die Familie nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder: «Ich bin beeindruckt von Siael. Sie hat eine tolle Einstellung und weiss, dass sie für ihre Sache kämpfen muss.» Sie lacht dabei, nennt ihn Babu – weisen Grossvater. «Denn er gehört zur Familie.»

Treffen mit Herzchirurg nachholen

Siael weiss ihr Glück zu schätzen, sie ist eine Kämpfernatur: «Denn im Leben geht es darum, zu kämpfen.» Das hat sie nach ihrer Operation zweifellos gemacht. Sie gehörte als Schülerin immer zu den besten. Heute arbeitet sie, wenn sie nicht studiert, als Volontärin in einem Spital. In Zukunft will sie als Physiotherapeutin Herzpatienten helfen: «Ich will sie ermutigen, ihr Leben zu leben.» Zudem gebe es in Tansania viele Kinder mit Herzproblemen. Die Frage ist nun, wo sie ihr Masterstudium absolviert. Im Inland sei dies nicht möglich. In Frage kämen Südafrika, Kenia und auch die Vereinigten Staaten. Oder die Schweiz. Diese möchte sie eines Tages so oder so wieder besuchen. Denn nur zu gerne würde sie den Arzt, der sie 1999 operierte, wiedersehen: «Ich glaube, Gott hat mir durch seine Hände geholfen», sagt Siael.

Sie erneut treffen würde auch ihr Herzchirurg Peter Stulz gerne: «Es wäre wunderbar, wenn wir uns wieder begegnen würden», erklärt er unserer Zeitung. Der pensionierte Arzt kann sich gut an den Fall erinnern. So seien die Umstände aussergewöhnlich, der Eingriff an und für sich allerdings einfach gewesen. Es habe einiges an Überzeugungsarbeit bei der Spitaldirektion gebraucht, doch habe diese schliesslich den Eingriff bewilligt. «Wir haben ihr geholfen, weil wir es von der Schwierigkeit her verantworten konnten und es ein humanitärer Akt war», erklärt er. «Nun freue ich mich sehr über den störungsfreien Langzeitverlauf.»

Sie hat also ein Happy End, die Geschichte von Siael. Die junge Frau kann heute beschwerdefrei leben. Einzig grosse Bergtouren liegen nicht drin, wie sie sagt. Aber das kann sie verkraften.

Oben: Siael Mkonyi feiert ihren Bachelor-Abschluss. Unten: Siael Mkonyi mit ihrem Vater Winluck (rechts) und dem Hochdorfer Peter von Bergen. (Bild: PD (Moshi, Tansania, 18. November 2017))

Oben: Siael Mkonyi feiert ihren Bachelor-Abschluss. Unten: Siael Mkonyi mit ihrem Vater Winluck (rechts) und dem Hochdorfer Peter von Bergen. (Bild: PD (Moshi, Tansania, 18. November 2017))

So hat unsere Zeitung im Sommer 1999 über den Fall berichtet.

So hat unsere Zeitung im Sommer 1999 über den Fall berichtet.

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