GESUNDHEIT: Psychische Krankheiten belasten Junge immer stärker

Jugendliche beantragen im Kanton Luzern vermehrt eine IV-Rente. Die wenigsten von ihnen sind damit allerdings erfolgreich.

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Unter anderem der Handy- und Internetkonsum, aber auch Suchterkrankungen führen vermehrt zu Problemen. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Unter anderem der Handy- und Internetkonsum, aber auch Suchterkrankungen führen vermehrt zu Problemen. (Symbolbild) (Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER)

Die Zahlen zeigen eine markante Zunahme: 1770 Jugendliche stellten im Jahr 2015 im Kanton Luzern ein Gesuch für eine IV-Rente. Das sind 248 Gesuche oder rund 16 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Dies geht aus einer Antwort des Luzerner Regierungsrats hervor. Als jugendlich gelten Personen im Alter bis 20 Jahre. SP-Kantonsrat Hasan Candan wollte von der Regierung deswegen wissen, weshalb immer mehr Jugendliche ein Gesuch für eine IV-Rente stellen.

Die Regierung begründet in der nun vorliegenden Stellungnahme, dass «vermehrt neue Krankheitsbilder wie Autismus und psychische Krankheitsbilder als Invaliditätsgrund angegeben» würden. Die IV-Stelle Luzern habe festgestellt, dass die Zahl der psychisch bedingten IV-Rentner ab dem 18. Altersjahr stark zunehme.

Hohe Erwartungen führen zu Problemen

Auf Nachfrage unserer Zeitung führt Donald Locher, Direktor der IV Luzern, aus, dass die Zahl der psychisch bedingten IV-Renten in der ganzen Schweiz stark zugenommen habe. «Hauptsächlich ist die Zunahme auf Persönlichkeitsstörungen aufgrund der veränderten Lebensumstände zurückzuführen.» Dies etwa wegen Familienproblemen, Handy- und Internetkonsum, Suchtproblemen oder auch Erwartungsdruck durch die Gesellschaft und Arbeitgeber.

Mit der Zunahme an Gesuchen geht auch eine Zunahme der tatsächlich akzeptierten jugendlichen IV-Bezügern einher. Wurden 2013 noch 54 volle IV-Renten plus eine halbe IV-Rente registriert, waren es zwei Jahre später 78 neue volle IV-Renten und zwei Dreiviertel-Renten. Eine halbe oder eine Viertel-Rente wurde 2015 nicht gesprochen. Zum Vergleich: 2015 zählte der Kanton Luzern gesamthaft 9915 Rentenbezüger. Zwei Jahre zuvor lag dieser Wert etwas höher bei 10 394 Bezügern. Hingegen haben die Gesuche zugenommen, von 5654 Gesuchen im Jahr 2013 auf 6200 Gesuche im Jahr 2015.

Kantonsrat Hasan Candan wollte ebenfalls wissen, wie viele IV-beziehende Jugendliche im Kanton Luzern erfolgreich in die Arbeitswelt integriert werden können. Die Regierung unterscheidet hier vier Kategorien. Jugendliche, die ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis erwerben, können laut der Regierung «praktisch alle im ersten Arbeitsmarkt integriert werden». Bei Jugendlichen, die ein eidgenössisches Berufsattest machen, liegt die Erfolgsquote bei über 90 Prozent, allerdings öfters mit einer IV-Teilrente. Bei der praktischen Ausbildung nach den sogenannten Insos-Richtlinien (nationaler Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Behinderung) werden etwas mehr als die Hälfte in den Arbeitsmarkt vermittelt. Die restlichen Jugendliche seien im geschützten Arbeitsrahmen tätig.

Dienststellen koordinieren Angebote

Um die Jugendlichen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, koordinieren die vier Dienststellen Berufs- und Weiterbildung, Volksschulbildung, Wirtschaft und Arbeit sowie Soziales und Gesellschaft die verschiedenen Angebote des Kantons im Koordinationsgremium Fina. Darin eingebunden ist auch die IV-Stelle, wie es vom Regierungsrat heisst. Ziel sei es, dass 95 Prozent der Jugendlichen nach Schulende eine Ausbildung hätten.

 

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch