GESUNDHEIT: Wegen Grippe: Erkältete Spitalbesucher müssen in Luzern Maske tragen

Die Impfrate in den meisten Zentralschweizer Spitälern ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Beim Luzerner Kantonsspital fördert zudem eine aufwendige Erfassung der Grippefälle das Verständnis beim Personal.

Alexander von Däniken
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Papiermasken für Besucher sollen das Pflegepersonal im Luzerner Kantonsspital vor Infektionen schützen. (Symbolbild: Michael Haegele/Getty)

Papiermasken für Besucher sollen das Pflegepersonal im Luzerner Kantonsspital vor Infektionen schützen. (Symbolbild: Michael Haegele/Getty)

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Die Grippesaison ist auf dem Höhepunkt. Die Hausärzte in der Zentralschweiz haben in der letzten Januarwoche 227 Konsultationen pro 100 000 Einwohner gemeldet. Der saisonale Schwellenwert für eine flächendeckende Ausbreitung des Virus liegt gemäss dem schweizweiten Meldesystem Sentinella bei 64 Verdachtsfällen pro 100 000 Einwohnern.

Die Gefahr einer Ansteckung ist derzeit auch bei Patienten in den Zentralschweizer Spitälern grösser. Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Luzerner Kantonsspital, bestätigt: «Gerade in den vergangenen sieben Tagen haben wir eine hohe Zahl an Grippepatienten behandelt.»

Pflegepersonal: Impfrate in zwei Jahren verdoppelt

Die Spitäler haben in den letzten Jahren verschiedene Massnahmen ergriffen, um die Zahl der Ansteckungen bei Patienten zu minimieren. Eine Massnahme ist eine höhere Impfrate beim Spitalpersonal. Hier zeigt sich eine erfreuliche Entwicklung: An allen Standorten des Luzerner Kantonsspitals haben sich aktuell 12 Prozent des Pflegepersonals und 54 Prozent der Ärzte impfen lassen. Letztes Jahr haben die Raten noch 10,5 respektive 50 Prozent betragen.

«Diese Entwicklung ist gut, vor allem im Vergleich zur Saison 2014/15», sagt Rossi. Damals waren nur gerade 6 Prozent des Pflegepersonals geimpft. Zufriedenstellend sind die aktuellen Zahlen für den Infektiologen aber noch nicht: «Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen.» Das Ziel sei, dass sich Impfwillige nicht mehr rechtfertigen müssen, wenn sie von ihren Impfabsichten erzählen. Das sei aber noch der Fall. Dem will Rossi nicht mit Druck begegnen, sondern mit Zahlen und Fakten. Dies war auch der ausdrückliche Wunsch des Spitalpersonals, als es vor drei Jahren bei einer internen Umfrage um Impfmassnahmen ging.

Das Luzerner Kantonsspital hat darum vor einem Jahr beschlossen, alle im Spital diagnostizierten Ansteckungen systematisch zu erfassen. «Der Aufwand ist riesig, wir führen viele Laboruntersuchungen durch. Aber es lohnt sich», lautet Marco Rossis Zwischenfazit.

So lasse sich unter anderem belegen, dass es bei den einzelnen Fällen von spitalerworbener Grippe im Luzerner Kantonsspital bisher zu keinem Todesfall gekommen sei. «Zahlen aus Genf oder Basel, wonach auf die Schweiz hochgerechnet 300 Patienten im Jahr sterben, sind für uns nicht nachvollziehbar.»

Im Einzelfall sei auch nicht herauszufinden, ob eine Grippe­infektion durch Besucher, durch Medizinalpersonen oder zwischen Patienten übertragen worden sei. Ein Ausbruch von Grippefällen innerhalb des Spitals habe bisher nicht stattgefunden, weshalb Rossi auf Massnahmen wie eine generelle Maskentragepflicht in Risikoabteilungen verzichten konnte.

Erkältete Besucher müssen Maske tragen

Die systematische Erfassung der Fälle deutet aber laut Rossi darauf hin, dass oft auch Angehörige von Patienten die Grippeviren im Spital verbreiten. «Darauf haben wir reagiert, indem wir in der Empfangshalle mit Plakaten auf die Maskentragpflicht für erkältete Besucher hinweisen», sagt Rossi. Manchmal spreche das Personal auch Besucher an, die Husten oder Schnupfen haben. Eine solche Pflicht wäre wohl rechtlich schwierig durchsetzbar, aber bisher habe sich auch niemand gegen die Aufforderung zum Maskentragen gewehrt.

Für die anderen, kleineren Zentralschweizer Spitäler ist der Aufwand der systematischen Grippeerfassung wohl zu gross. Dennoch wird mit Spannung auf die definitiven Ergebnisse aus Luzern gewartet. «Unsere Hygienefachperson verfolgt die Entwicklung in Luzern genau und will die Ergebnisse dann auch in unserem Spital präsentieren», sagt Anja Radojewski, Leiterin der Kommunikation im Nidwaldner Kantonsspital. Dort ist die Impfrate beim Pflegepersonal von 16 auf 19 Prozent gestiegen, bei den Ärzten ist sie unverändert bei 55 Prozent.

Einzig in Schwyz sinkt die Impfrate

In der Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern wiederum beträgt die Impfrate bei den Ärzten 90 Prozent, beim Pflegepersonal 27 Prozent. Laut Direktor Dominik Utiger wurden diese Zahlen durch eine intensivierte Impf-Kampagne mit direkter persönlicher Ansprache der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreicht. Ebenfalls eine frappante Steigerung hat das Zuger Kantonsspital erreicht. Die Impfquote stieg beim Pflegepersonal innerhalb eines Jahres von 15 auf 20, bei den Ärzten von 39 auf 53 Prozent. Einzig im Spital Schwyz ist die Rate gesunken: beim Pflegepersonal von 15 auf unter 10 Prozent. Die Rate bei den Ärzten hat sich indes von 50 auf «etwas über 50 Prozent» erhöht.

Auch das Kantonsspital Obwalden ist auf die Ergebnisse aus Luzern gespannt, wie Direktionsassistentin und Kommunikationsleiterin Therese Dillier auf Anfrage erklärt: «Besonders interessiert uns, welche Massnahmen daraus abgeleitet werden können.» Das Personal könne sich bereits im Spital gratis impfen lassen, dazu gibt es Informationskampagnen durch die Hygienefachperson und eine Plakatkampagne durch das Bundesamt für Gesundheit. Da sich das Personal privat beim Hausarzt oder im Spital impfen lassen kann, «können wir keine Zahlen zu den Impfraten nennen», so Dillier.

Auch der Bund nimmt Besucher in die Pflicht

Das dürfte sich bald ändern, wenn es nach dem Bund geht. Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit: «Sowohl die systematische Erfassung von Grippefällen als auch das Benennen der Impfraten wird künftig auch bei kleineren Spitälern Standard sein.» Wie der Bund das erreichen will, lässt Koch offen. Es soll aber weiterhin auf Freiwilligkeit basieren. Generell lobt Koch die steigenden Impfraten, auch wenn diese sich noch auf tiefen Niveau befinden. Im Schweizer Schnitt stieg die Impfrate beim Pflegepersonal von 17 Prozent im Jahr 2013 auf 21 Prozent 2015. Auch der Bund will die Besucher von Patienten stärker in die Pflicht nehmen. Koch: «Wer Anzeichen einer Grippe spürt, sollte auf einen Besuch im Spital verzichten.»