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Wegen Schadstoff: Schulhaus Höfli in Ebikon wird geräumt

In der Anlage Höfli sorgt Naphthalin für unangenehme Gerüche. Nun will der Gemeinderat den Unterricht in Modulbauten auslagern. Was aus dem Schulhaus wird, ist unklar – es droht gar ein Abriss.
Stefan Dähler
Das Schulhaus Höfli in Ebikon. (Bild: PD)

Das Schulhaus Höfli in Ebikon. (Bild: PD)

Im 1962/63 erbauten Schulhaus Höfli in Ebikon riecht es unangenehm nach alten Mottenkugeln. Grund dafür ist ein erhöhter Naphthalinwert (siehe Kastentext unten). Der Geruch tritt aus der mit Teeröl getränkten Spreu zwischen Beton und Unterlagsboden aus, wie die Gemeinde mitteilt. Die betroffenen Böden sind in den Jahren 2008 bis 2014 in Etappen saniert worden.

«Die erste Meldung hat die Gemeinde Ebikon Ende 2016 erhalten», sagt Bildungsvorsteher Andreas Michel (parteilos). Schuld am Problem sei aber nicht das Unternehmen, das die Sanierung durchgeführt hat. «Das Naphtalin befindet sich in der alten Bausubstanz. Offenbar waren die alten Böden stärker versiegelt als die neuen Beläge.»

Keine gesundheitlichen Schäden zu erwarten

Nach der Meldung habe die Gemeinde Ebikon Abklärungen vorgenommen und Luftmessungen veranlasst. Diese hätten gezeigt, dass bei der vorhandenen Naphthalin-Konzentration keine gesundheitlichen Schäden zu erwarten sind. Aus Vorsorge und aufgrund des Geruchs habe die Gemeinde aber noch Fachspezialisten der Firma Holinger AG Luzern beigezogen, um weitere Messungen durchzuführen, so Gemeinderat Michel. Die Werte lagen in einigen Zimmern über dem Richtwert II des deutschen Umweltbundesamtes (0,03 Milligramm pro Kubikmeter). Das heisst, es besteht Handlungsbedarf. Der deutsche Arbeitsplatzgrenzwert (2 Milligramm) sei aber um ein Vielfaches unterschritten worden.

Als Massnahme hat die Gemeinde Luftreinigungsgeräte in den Schulzimmern installiert. Weiter wurde versucht, mit vermehrtem Lüften den Geruch zu bekämpfen. Zudem habe man die Fugen mit Silikon abgedichtet. Das habe aber nicht ausgereicht. «Die Gesundheit der Kinder und der Lehrpersonen steht für die Gemeinde an erster Stelle», betont Michel. Daher sollen nun während der Sommerferien mechanische Lüftungsanlagen installiert werden.

Gemeinde will hochwertige Modulbauten

Im Herbst will die Gemeinde dann den Unterricht in temporäre Schulbauten auslagern. «Bis dahin braucht es noch Abklärungen, wir müssen die notwendigen Bauten planen und erstellen», sagt Michel. «Das Ziel ist, hochwertige Modulbauten zu beschaffen, da wir sie voraussichtlich noch einige Jahre lang benötigen werden.»

Die nicht mehr nutzbaren Räume sollen durch die Modulbauten ersetzt werden. Nicht betroffen sind die Turnhalle und die Räume der Tagesstrukturen. Dies, weil dort keine Teeröl getränkte Spreu eingesetzt wurde. Angaben über die Kosten, welche die Massnahmen zur Folge haben, seien noch keine möglich, so Michel. Vorrang habe, den aktuellen Zustand zu beheben. Mittelfristig soll das Schulhaus totalsaniert oder gar neu gebaut werden. Die entsprechenden Abklärungen würden nun aufgenommen.

Ähnliche Fälle in Luzern und Bern

Der Fall weckt Erinnerungen an das Schulhaus Staffeln in Luzern. Dort fand man aber kein Naphthalin, sondern mittel- bis schwerflüchtige organische Verbindungen wie Weichmacher, Flammschutzmittel und polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe (wir berichteten). Die Stadt versuchte es zuerst mit einer Sanierung, danach trat das Problem in anderen Räumlichkeiten erneut auf. Schliesslich wurde die Anlage abgerissen, bis 2020 entsteht ein neues Schulhaus. Erfahrungen mit Naphthalin hat in den letzten Jahren auch die Stadt Bern gemacht – und zwar in mehreren Schulanlagen. Diese wurden in der Folge teils saniert und teils abgerissen.

Naphthalin ist in Innenräumen heute verboten

Naphthalin gehört zu den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Es wurde zwischen den 60er und 80er-Jahren bei Bauarbeiten häufig verwendet. Mit Naphthalin versehenes Teeröl wurde dabei als Schutz vor Feuchtigkeit angebracht – in der Regel in den Fussböden, wie Dokumenten der Stadt Bern zu entnehmen ist. Auch in Mottenkugeln war früher Naphthalin enthalten.

Heute ist die Verwendung in Innenräumen verboten. Der Stoff steht im Verdacht, bei hoher Konzentration krebserregend zu wirken. Wissenschaftlich belegt ist das aber nicht. In Tierversuchen konnte bei hohen Konzentrationen jedoch eine gesundheitsschädliche Wirkung auf die Atemwege aufgezeigt werden. In geringen Dosen ist der Mensch Naphthalin im Alltag übrigens regelmässig ausgesetzt, beispielsweise durch Tabakrauch, Abgase im Strassenverkehr oder beim Grillieren.

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