Bei der Villa Musegg in der Stadt Luzern wird es ein Gartencafé geben

Im Aussenbereich der Villa Auf Musegg 1 wird eine Buvette eröffnet – allerdings coronabedingt erst im nächsten Frühling. Zumindest zwei kleine Testläufe finden aber noch in diesem Sommer statt.

Roman Hodel
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Sie betreiben neu die Buvette Auf Musegg: Sarah Lämmli und Younes El Kinani.

Sie betreiben neu die Buvette Auf Musegg: Sarah Lämmli und Younes El Kinani.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 13. Juli 2020)

An aussichtsreicher Lage, hoch über der Luzerner Altstadt, ermöglicht die Stadt Luzern ab nächstem April für zwei Sommersaisons ein Gartencafé – und zwar im Aussenbereich der städtischen Villa Auf Musegg 1. Den Zuschlag erhalten haben Sarah Lämmli (25) und Younes El Kinani (41), wie die Stadt am Montag mitteilte. Die beiden Gastronomen sind in Luzern bereits bekannt – sie betreiben seit September 2019 das marokkanisch-orientalische Restaurant Majorelle in der Himmelrich-Überbauung.

Das Angebot in ihrem Gartencafé Bistro mes amis wird aber ein anderes sein: Birchermüesli, Sauerteigbrot und Käse, Kuchen, mittags jeweils ein vegetarisches Menu und später gibt es Apéroplättli. Es ist auch nicht so, dass sie mit dem Majorelle zu wenig zu tun hätten. «Im Gegenteil», sagt Sarah Lämmli, «aber wir mögen neue Herausforderungen». Und Younes El Kinani ergänzt:

«Das Areal hat uns schon immer gefallen – wir fanden, dass unser Konzept für ein neues Café dort gut hinpassen würde.»

Die Villa Auf Musegg 1 sorgte vor zwei Jahren wegen einer Hausbesetzung für Schlagzeilen. Aktivisten hatten die Remise besetzt. Diese wird aktuell von der Stadtgärtnerei genutzt. In der Villa selber ist im Erdgeschoss die Time-out-Klasse der Volksschule untergebracht, die oberen Etagen sind an Kulturschaffende vermietet. Die Gebäude sind altersbedingt in einem schlechten Zustand. Die Stadt plant deshalb eine Totalsanierung, die 2023 starten soll. Bis dahin will sie den Aussenbereich mit dem Gartencafé zwischennutzen. Wegen der zeitlich eingeschränkten Betriebsphase suchte die Stadt laut Mitteilung eine Betreiberin oder einen Betreiber im Einladungsverfahren. «Wir haben zum Beispiel den Quartierverein angefragt», sagt Marko Virant, Leiter Immobilien bei der Stadt Luzern. «Zudem erhielten wir Blindbewerbungen.» Zu Letzteren gehörte jene von Sarah Lämmli und Younes El Kinani. Sie machten laut Virant das Rennen, «weil sie ein überzeugendes Konzept präsentierten und eine hohe Bereitschaft für die engen Rahmenbedingungen zeigten». Die Zusatzkosten, die der Stadt durch das Gartencafé etwa bezüglich Installationen entstehen, seien «sehr überschaubar».

Von den Plänen hatten Lämmli und El Kinani letztes Jahr in den Medien erfahren und daraufhin ihr Konzept für ein «mobiles Gartencafé mit regionalem, nachhaltigem und vegetarischem» Angebot eingereicht. Vorgesehen ist laut Younes El Kinani ein Wagen oder eine Box fürs Buffet und die kleine Küche: «Wir werden hierfür mit einer Architektin zusammenarbeiten.» Insgesamt wird das eigentliche Café rund 90 Quadratmeter der Aussenfläche einnehmen. Doch sitzen können wird man auch auf den bereits vorhandenen Bänken oder auf den Wiesen. «Wir können uns vorstellen, etwa Decken zur Verfügung zu stellen.»

Sarah Lämmli und Younes El Kinani

Sarah Lämmli und Younes El Kinani

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 13. Juli 2020)

Alkohol gibt's nur ausserhalb der Unterrichtszeiten

Dass das «Bistro mes amis» erst nächstes Jahr loslegen kann, fuchst die beiden zwar ein bisschen, aber: «Coronabedingt wollen wir vorsichtig sein mit Investitionen, insofern kommt es uns auch gelegen», sagt Younes El Kinani. Zumindest zwei kleine Testläufe wird es dieses Jahr noch geben: Am 15. August und 12. September wollen sich die künftigen Betreiber mit einem Apéro der Nachbarschaft, dem Quartier und der Bevölkerung vorstellen. Denn obwohl die Villa 1867 ursprünglich als Sommerwirtschaft erstellt wurde, ist die Umgebung nicht mehr gastroerprobt. «Unser Gartencafé wird aber so oder so eine ruhige Sache», betont Sarah Lämmli. Dazu passt, dass es Alkohol nur ausserhalb der Unterrichtszeiten der Time-out-Klasse geben wird.

Die Erfahrungen aus der Zwischennutzung will die Stadt in ihr definitives Nutzungskonzept für nach dem Umbau einfliessen lassen. Demnach sollen die zwei grossen Räume und die Terrasse im Erdgeschoss künftig öffentlich zugänglich sein. Denkbar sind hier ein einfaches Tagescafé, ein Shop für den Verkauf von Zentralschweizer Produkten, Platz für kleine Anlässe oder Ausstellungen sowie ein Informationsbereich zur Museggmauer und zum Quartier Luegisland. «Die Bevölkerung erwartet an einem solch tollen Ort von einem städtischen Gebäude eine gewisse Öffentlichkeit », so Marko Virant. Wegen der ruhigen Lage und dem Umstand, dass ein grosser Teil der Villa und der Remise zu Wohnzwecken dereinst vermietet werden, sei jedoch die Quartierverträglichkeit unabdingbar. Virant sagt:

«Wir haben aus dem Quartier grundsätzlich ein positives Feedback zu unseren Absichten. Die Zwischennutzung nun wird zeigen, ob es ein kleines gastronomisches Angebot hier verträgt.»

Die Villa ist seit 1965 Eigentum der Stadt Luzern und im kantonalen Bauinventar als schützenswert eingestuft.