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GETRÄNKEMARKT: «Lozärner» Brauerei nimmt einen neuen Anlauf

Das Lozärner Bier hat bisher mit Luzern nur wenig zu tun. Doch ab 2017 soll es im Littauerboden gebraut werden. Noch nicht so recht glauben mag das die Konkurrenz.
Guy Studer
Das Lozärner Bier soll ab 2017 in Luzern gebraut werden. (Bild: PD)

Das Lozärner Bier soll ab 2017 in Luzern gebraut werden. (Bild: PD)

Die Verwechslungsgefahr ist gross: Das eine heisst Luzerner Bier, das andere Lozärner Bier. Beide lokalen Marken gibt es seit 2009, was kein Zufall ist: Die Übernahme der Eichhof-Brauerei durch Heineken im Jahr 2008 hatte unter Luzerner Bierliebhabern zu Protesten geführt und den Boden für Kleinanbieter geebnet.

Termin immer wieder verschoben

Dem Lozärner Bier haftet allerdings ein grober Makel an. Denn was der in sympathischem Dialekt geschriebene Name und die blau-weisse Etikette nicht verraten: Das Getränk wird in Kooperation mit dem Aare Bier und dem Falken Bier in den Kantonen Bern und Schaffhausen gebraut. Diese «Fremdproduktion» hat schon für viel Kritik gesorgt.

Zwar wurde bisher mehrmals betont, man wolle baldmöglichst eine Brauerei im Kanton Luzern bauen. So auch, als das Kleinunternehmen 2014 in das ehemalige John-Lay-Gebäude im Littauerboden zog. Unter dem Namen Business Park Luzern sind dort auch andere Firmen domiziliert, darunter die Stalder-Gruppe, dessen CEO Daniel Stalder Hauptaktionär und einziger Verwaltungsrat der Lozärner Bier AG ist. Damals hiess es, dass die Brauerei ihre Produktion 2015 aufnehmen solle – in einem Neubau auf dem Gelände des Business Park.

Kapazität von 2 Millionen Litern

Daraus wurde nichts. Doch offenbar wurden die Pläne nicht begraben. So sagt Geschäftsführer Alain Meyer auf Anfrage: «Wir verzichten vorerst auf den Neubau, errichten die Brauerei aber im bestehenden Gebäude – Platz haben wir ja genug.» Die Baueingabe werde noch folgen.

Die neue Brauerei entsteht gemäss Meyer auf einer Fläche von 400 Quadratmetern und soll 2 Millionen Liter Lozärner Bier produzieren können. Aktuell bringt die Firma jährlich ungefähr einen Zehntel dieser Menge an den Mann. «In einem zweiten Schritt ist geplant, die Anlage für rund 80 000 Franken auf die dreifache Kapazität auszubauen.» Grosse Pläne also? «Nein, nicht direkt», sagt Meyer, «wir wollen einfach für die Zukunft gerüstet sein.»

Durch die neue Brauerei, die gemäss Meyer vollautomatisch läuft, würden vier neue Vollzeitstellen geschaffen – je zwei in den Bereichen Produktion und Verkauf. Die Investitionen beziffert Meyer auf 2,2 Millionen Franken für die Brauerei und rund eine halbe Million Franken für weitere bauliche Veränderungen. Dazu wird das Aktienkapital um 3 Millionen Franken aufgestockt. «Die Zusage für 1,5 Millionen Franken haben wir bereits.»

Fragt sich nur: Warum dauert es acht Jahre ab der Gründung, bis ein Bier, das sich betont lokal gibt, auch tatsächlich hier gebraut wird? Meyer: «Uns stellte sich die Frage, ob wir zuerst das Marketing aufziehen, unsere Marktchancen eruieren und erst dann zu brauen beginnen sollen – oder ob wir gleich Bier brauen und in einem zweiten Schritt nach Luzern zügeln.» Ausserdem habe es an Know-how gefehlt: «Keiner von uns hat bisher eine Brauerei gebaut, in diesem Feld sind wir Neulinge.»

Bei der Konkurrenz beobachtet man die Entwicklung genau. «Wie es jetzt aussieht, ist das Vorhaben einer eigenen Brauerei zwar so konkret wie noch nie», sagt David Schurtenberger, Geschäftsführer von Luzerner Bier, das übrigens seit 2010 in einer kleinen Brauerei im Tribschenquartier gebraut wird. Dennoch traut Schurtenberger der Sache noch nicht ganz. «Seit fünf Jahren hört man von den Plänen. Ich glaube erst daran, wenn dort tatsächlich auch Bier gebraut wird.»

Kaffeetrinken mit der Konkurrenz

Dass Schurtenberger der Konkurrenz nicht nur mit Wohlwollen begegnet, liegt auch an der Vergangenheit. So war Lozärner-Bier-Besitzer Daniel Stalder 2011 gegen die Benützung des Namens Luzerner Bier vorgegangen. «Er hat ein Widerspruchsverfahren gegen unsere Marke eingeleitet.» Das Eidgenössische Institut für geistiges Eigentum wies die Klage damals ab. Gemäss Alain Meyer sind solche Rivalitäten Schnee von gestern: «Ich war erst neulich mit David Schurtenberger Kaffee trinken, und wir haben uns darauf verständigt, dass wir kleinen Marken zusammenhalten und uns nicht bekämpfen sollten.»

Dieses Bild der trauten Zweisamkeit teilt sein Konkurrent allerdings nicht. «Das Widerspruchsverfahren haben wir nicht vergessen, und solange Lozärner Bier weiterhin Etikettenschwindel betreibt, werden wir auch nicht Freunde», sagt Schurtenberger. Biertrinker zu täuschen, sei für die ganze Branche nicht förderlich.

Guy Studer

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