Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

GEUENSEE: 50 Nationen in einem Globus

Menschen aus über 50 Ländern leben in der Gemeinde. Ein Projekt macht nun darauf aufmerksam: das spektakuläre Globhuus.
Die Initianten Ueli Meyer (links) und Albert Albisser im Geuenseer Globhuus mit den Porträts von Einwohnern aus über 50 Nationen. (Bild Nadia Schärli)

Die Initianten Ueli Meyer (links) und Albert Albisser im Geuenseer Globhuus mit den Porträts von Einwohnern aus über 50 Nationen. (Bild Nadia Schärli)

Ernesto Piazza

Die Holzkonstruktion ist ein eigentlicher Blickfang. Auf die Bevölkerung wirkt das öffentlich zugängliche Globhuus beim alten Geuenseer Schulhaus sogar wie ein kleiner Magnet. Ob Ausländer oder Schweizer, ob alt oder jung: Mit dem gleichnamigen Migrationsprojekt «möchten wir die Menschen in der Gemeinde einander näherbringen», sagt Ueli Meyer, zusammen mit Gemeindeschreiber Albert Albisser ein Initiant des Globhuus.

Im Innenraum des kugelförmigen Baus hängen an den Wänden 50 Fotos von im Dorf ansässigen ausländischen Einzelpersonen, Paaren und Familien. Dokumentiert sind die Bilder mit den wichtigsten Informationen zu ihrer unterschiedlichen Herkunft. Beispielsweise kennzeichnen rote Punkte auf einer Weltkarte die geografische Lage der entsprechenden Länder. Weiter werden Sprache und Einwohnerzahl – auch in Relation zur Schweiz – angeführt.

Als Gemeindeschreiber und eigentlicher Vater des Projekts kennt Albert Albisser praktisch jeden namentlich im Dorf. «Die Idee ist denn auch von ihm gekommen», sagt Ueli Meyer. Und in seiner Art lehnt sich das Globhuus an das Projekt Kopfweg an. Dieses war vor zwei Jahren in Geuensee ebenfalls von den beiden Machern injiziert worden. Mehr als 200 Schwarz-Weiss-Portraits zeigten in der Gemeinde lebende Menschen. Sie wurden an sieben Standorten – inklusive den Weilern Krumbach und Hunzikon aufgestellt. Damals wie heute erhielten die Verantwortlichen von contakt-citoyenneté – einem Förderprogramm finanziert vom Migros-Kulturprozent und der Eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen (EKM) – finanzielle Unterstützung. «Beim Globhuus durften wir zudem auf ein grosszügiges Entgegenkommen der im Holzbau und bei Schreinerarbeiten tätigen Geuenseer Firma Albisser zählen», sagt der Gemeindeschreiber.

Ein kleiner Pilgerweg

Bereits das Projekt Kopfweg sei ein Erfolg gewesen, erinnert sich Meyer. «Das Ablaufen der Stationen durch Personen und Gruppen nahm ich damals oft wie ein Marschieren auf einem kleinen Pilgerweg wahr», erzählt der mittlerweile pensionierte Poly- und Fotograf.

Beim ersten Projekt wurden die Verantwortlichen vom Förderprogramm mit 5000 Franken unterstützt. Dies bedeutete, «dass wir noch den einen oder andern Franken aus dem eigenen Sack aufwenden mussten», so Albisser. Beim Globhuus stand ihnen nun der doppelte Betrag zur Verfügung.

Hartnäckigkeit zahlte sich aus

Während der von Albisser zum eigentlichen Art-Director ernannte Ueli Meyer die Personen richtig ins Bild setzte, besorgte er all die administrativen Arbeiten. Dazu gehörte auch ein oft wiederholtes Anrennen an verschlossenen Wohnungstüren. «Bis die Fototermine mit den ausländischen Personen schliesslich fixiert waren, brauchte es manchmal diverse Anläufe», sagt er. Doch die Hartnäckigkeit zahlte sich letztlich aus. Ob Familien aus Kambodscha oder Vietnam, ob ein Fototermin mit einer Kamerunerin, die sich dafür in ein afrikanisches Festkleid stürzte: «Die Begegnungen mit den Menschen anderer Kulturen waren herzlich», sagt Albisser. Und Meyer ergänzt: «Es herrschte ein sehr offener Austausch.»

Dass Geuensee wegen seines Ausländeranteils von 22 bis 23 Prozent zuweilen auch mit einem Imageproblem kämpft, stand für die Projektverantwortlichen völlig im Hintergrund. «Die Leute schätzten es, dass man ihnen auf Augenhöhe begegnete», erklärt der Gemeindeschreiber. Man müsse solche Kontakte möglichst offen gestalten.

Albisser und Meyer sind sich jedenfalls einig: Die rund 400 Stunden an Freiwilligenarbeit hätten sich für das Inte­grationsprojekt Globhuus gelohnt. Denn die bisherigen Reaktionen seien ausschliesslich positiv gewesen, so Albisser. Er weiss allerdings sehr wohl, dass ein solches Projekt Diskussionen – auch in andern Regionen – auslösen könnte. Trotzdem ist für ihn wichtig: «Die Ausstellung im Globhuus soll frei von jeglicher Schwellenangst sein.»

Holzkonstruktion weckt Interesse

Bis zur Geuenseer Kilbi am letzten Septemberwochenende wird man die Weltkugel rund um die Uhr weiter besichtigen können. Was mit ihr anschliessend passiert, wissen die beiden Projektverantwortlichen noch nicht. Anfragen von Interessenten für die Holzkonstruktion liegen allerdings bereits vor. Sollte das Globhuus dereinst nicht mehr im Dorf stehen, dürfen sich die porträtierten ausländischen Bewohner von Geuensee trotzdem freuen: Denn das Bild wird als Geschenk und Erinnerung bei ihnen zu Hause weiter präsent sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.