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GEWÄSSER: Dem Phosphor auf der Spur

Die Phosphor­konzentration ist in einigen Luzerner Gewässern viel zu hoch. Ein neues Projekt will die Ursachen an der Wurzel bekämpfen.
Matthias Stadler
Der Phosphorgehalt im Baldeggersee (im Bild bei der Badi Gelfingen) soll mit einem neuen Projekt weiter reduziert werden. (Bild Manuela Jans-Koch)

Der Phosphorgehalt im Baldeggersee (im Bild bei der Badi Gelfingen) soll mit einem neuen Projekt weiter reduziert werden. (Bild Manuela Jans-Koch)

Matthias Stadler

Wie ein Fisch im Wasser soll man sich bekanntlich fühlen, wenn man sich in seinem Element befindet. Doch gerade Fische fühlen sich nicht in jedem Gewässer wohl. So etwa Felchen im Baldeggersee, der seit Jahrzehnten zu viel Phosphor aufweist und deswegen immer wieder mit Sauerstoff versorgt werden muss. Der Wels hingegen fühlt sich im Baldeggersee pudelwohl (Ausgabe vom Donnerstag).

Höchster Wert in der Grossen Aa

Doch nicht nur der Baldeggersee weist im Kanton Luzern eine zu hohe Phosphorkonzentration auf. Auch diverse Bäche und Flüsse enthalten seit Jahren zu viel Phosphor, wie Daten der Dienststelle Umwelt und Energie (UWE) des Kantons Luzern zeigen. So sind die Messwerte der Ron bei Hochdorf regelmässig viel zu hoch. 2014 – aus diesem Jahr stammen die aktuellsten Zahlen – lag der Wert bei 144 Milligramm pro Kubikmeter und somit mehr als doppelt so hoch wie der Zielwert von 70 Milligramm. Die Werte schwanken auf hohem Niveau hin und her. Im Jahr 2005 etwa lag der gemessene Wert bei 515 Milligramm, 2010 bei 106. Trotz der hohen Werte liegt die Ron nicht an der Spitze: 2014 enthielt die Grosse Aa bei Sempach 245 Milligramm Phosphor pro Kubikmeter, im Jahr zuvor gar 550. Auch die Sure in Triengen und die Wigger in Reiden enthalten seit Jahren zu viel Phosphor. Zum Vergleich: 2014 wurden in der Reuss in Luzern nur 8 Milligramm Phosphor pro Kubikmeter gemessen.

Phosphor führt zu Algenwachstum

Obwohl die Werte in den genannten Fliessgewässern teilweise um ein Mehrfaches über dem Zielwert liegen, sei das für die Fliessgewässer selber nicht problematisch, sagt Werner Göggel, Leiter der Abteilung Gewässer beim UWE. «In Seen allerdings führt Phosphor zu einem starken Algenwachstum.» Deren Abbau brauche so viel Sauerstoff, dass auf dem Seegrund kein Sauerstoff mehr vorhanden sei. «Dieses Problem ist im Baldeggersee besonders ausgeprägt. So können sich Felchen im See nicht mehr natürlich fortpflanzen.» Denn die Felcheneier bräuchten für ihre Entwicklung auf dem Seegrund Sauerstoff, sonst würden sie absterben, erklärt Göggel. Deshalb seien die hohen Phosphorgehalte in den Zuflüssen zum Baldegger- und auch Sempachersee problematisch.

Altlasten bereiten Probleme

Phosphor gelangt einerseits durch Bäche und Flüsse in die Seen. Hauptquelle sind die landwirtschaftlich genutzten Böden, die mit Phosphor angereichert sind. Vor allem bei starken Gewittern wird das Phosphor von den Böden ausgewaschen und abgeschwemmt und gelangt via Bäche in die Seen. Franz Stadelmann von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) erklärt, dass das Problem vor allem rund um den Baldeggersee existiert, weil es dort noch viele Altlasten habe. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Landwirtschaft intensiver geworden, und teilweise gelangte zu viel Phosphor in die Böden. Damit kämpfe man heute noch. «Es braucht Zeit. Doch das Bestreben ist da, einen Schritt weiterzukommen», sagt Stadelmann.

Der Baldeggersee wird seit den 80er-Jahren künstlich mit Sauerstoff angereichert. Mit diversen Massnahmen konnte die Phosphorkonzentration stark reduziert werden. In den 70er-Jahren wurden bis zu 520 Milligramm Phosphor pro Kubikmeter gemessen. 2015 lag dieser Wert bei 23 Milligramm, wie dem soeben erschienenen Geschäftsbericht des Gemeindeverbandes Baldegger- und Hallwilersee zu entnehmen ist. Trotzdem mussten letztes Jahr 460 Tonnen Reinsauerstoff in den See gepumpt werden, da auf dem Seegrund wegen des warmen Sommers während mehrerer Monate kein Sauerstoff mehr vorhanden war. Eigentlich hatten die Verantwortlichen mit 280 Tonnen Sauerstoff gerechnet. Der Mehraufwand kostete den Gemeindeverband 70 000 Franken mehr als geplant (Ausgabe vom 12. November 2015).

Projekt soll Quellen eruieren

Josef Wermelinger, Präsident des Gemeindeverbandes Baldegger- und Hallwilersee, fordert mehr Massnahmen: «Es reicht noch nicht.» Und erwähnt ein neues Forschungsprojekt, das dieses Jahr anläuft: Es soll die Flächen rund um den Baldeggersee identifizieren, welche für die hohen Phosphoreinträge verantwortlich sind (Ausgabe vom 13. November 2015). Basierend auf dieser Studie habe der Kanton ab dem Jahr 2019 die Möglichkeit, ein sechsjähriges Folgeprojekt einzureichen. Dies, um die Phosphorfrachten aus diesen Flächen zielgerichtet zu reduzieren.

Bund übernimmt die meisten Kosten

Laut Ivo Strahm, Verantwortlicher für das Gewässerschutzprogramm Landwirtschaft beim Bundesamt für Landwirtschaft, startet das Projekt im Juni. In einem ersten Schritt sollen die Flächen identifiziert werden, die für hohe Phosphorausträge verantwortlich sind. «Eine Hypothese ist, dass aus 20 Prozent der Flächen 80 Prozent des Phosphors ausgetragen werden.» Dann sollen konkrete Massnahmen für diese Flächen definiert und auf deren Wirksamkeit hin untersucht werden. Der Bund bezahlt 80 Prozent der Kosten, der Kanton Luzern 20 Prozent. Gesamthaft soll das Projekt 344 000 Franken kosten, der Bund wird maximal 275 200 Franken übernehmen.

Weitere Massnahmen möglich

Auch der Luzerner Regierungsrat setzt bei der Phosphorreduktion auf das neue Projekt. Dies schreibt er in der Antwort auf eine Anfrage von Kantonsrat Andreas Hofer (Grüne, Sursee). Weiter stellt er fest, dass am Baldeggersee weiterhin ein Konflikt zwischen der «tierintensiven Landwirtschaft mit hohen Nährstoffflüssen und der Empfindlichkeit des Sees gegenüber Nährstoffeinträgen» bestehe. Die Massnahmen zur Reduktion des Phosphoreintrags müssten insbesondere in der Landwirtschaft intensiviert werden. Sollten die Phosphoreinträge mit dem neuen Projekt nicht auf ein verträgliches Mass reduziert werden können, seien «weitere Massnahmen zu prüfen».

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