Über ein Drittel mehr Gewässerverschmutzungen in Luzern – zwölf Fälle hatten Fischsterben zur Folge

2018 gab es im Kanton Luzern 83 registrierte Fälle von Gewässerverschmutzungen. Das sind rund 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Zugenommen haben die Verschmutzungen durch Industrie und Gewerbe. Die von der Landwirtschaft verursachten Vorfälle sind, wie bereits im Vorjahr, zurückgegangen.

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Gewässerverschmutzung mit Fischsterben durch Schmutzwasser nach einer Toi-toi-Reinigung in Rickenbach. (Bild: Luzerner Polizei, 17. Mai 2018)

Gewässerverschmutzung mit Fischsterben durch Schmutzwasser nach einer Toi-toi-Reinigung in Rickenbach. (Bild: Luzerner Polizei, 17. Mai 2018)

2018 wurden der Luzerner Polizei 83 Gewässerverschmutzungen gemeldet, deutlich mehr als im Vorjahr (62 Fälle). Die Zahl liegt zudem über dem Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2017 (72 Fälle), wie die Staatskanzlei Luzern am Montag mitteilte.

  • Landwirtschaft: 20 Fälle (Vorjahr 22)
  • Industrie- und Gewerbe: 23 (Vorjahr 18)

Letztere lassen sich auf 13 Verschmutzungen durch Baustellenabwasser und 10 auf Abwässer von Industrie- und Gewerbebetrieben aufteilen.

In 21 weiteren Fällen (Vorjahr 9) entstanden Verunreinigungen durch die Einleitung von Feststoffen in Gewässer, durch falsche Entwässerung sowie durch Öl- und Verkehrsunfälle. In 19 Fällen konnten Ursache und Verursacher nicht ermittelt werden.

Insgesamt 12 Vorfälle (Vorjahr 13) hatten ein Fischsterben zur Folge. In je vier Fällen waren Gülle und Baustellenabwässer die Ursache.

Fehlendes Wissen auf den Baustellen

Die Zahl der durch Baustellenabwasser verursachten Gewässerverschmutzungen ist gegenüber dem Vorjahr gleich hoch geblieben. «Die Hauptursachen für die Verunreinigungen sind fehlende Sorgfalt und Wartung», sagt Patrick Graf, Teamleiter Abwasser bei der Dienststelle Umwelt und Energie (UWE). «Bei den Chefs ist das Wissen rund um dieses Thema meist vorhanden, aber bei den Arbeitern auf der Baustelle oftmals nicht.»

Graf weiter: «Wir haben das Gefühl, die Kontrollen auf Gemeindeebene funktionieren teilweise nicht und werden zu wenig häufig durchgeführt.» Die Dienstelle UWE will deshalb in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und dem Zentralschweizer Umwelt-Baustelleninspektorat (Zubi) die Beratungen und Kontrollen auf Baustellen verstärken. «Momentan wird dieses Angebot von den Gemeinde kaum beansprucht, obwohl es für viele Gemeinden eine nützliche Hilfe wäre», sagt Graf.

Gewässerverschmutzung durch Baustellenabwasser in Horw. (Bild: Luzerner Polizei, 6. Januar 2018)

Gewässerverschmutzung durch Baustellenabwasser in Horw. (Bild: Luzerner Polizei, 6. Januar 2018)

Als Sofortmassnahme lanciert der Kanton eine Umfrage. Diese soll ans Licht bringen, wie häufig und auf welche Art in den einzelnen Gemeinden bisher Kontrollen durchgeführt wurden. Zusammen mit dem Baumeisterverband plant die Dienststelle UWE zudem eine stärkere Gewichtung dieses Themas in der Ausbildung.

Bemühungen in der Landwirtschaft greifen

Die Zahl der von der Landwirtschaft verursachten Gewässerverschmutzungen belief sich im vergangenen Jahr auf 20 Fälle. Diese Zahl liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Zeitperiode 2012 bis 2017. Der Rückgang der Anzahl Gewässerverschmutzungen zeigt, dass die Anstrengungen in der Landwirtschaft zur Vermeidung von Gewässerverschmutzungen wirken.

«Wir machen die Landwirte mit Informationen via Newsletter oder auch in der Bauernzeitung auf aktuelle Gegebenheiten aufmerksam», erklärt Martin Christen, Fachbereichsleiter Ländliche Entwicklung der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) einen der Gründe für den stetigen Rückgang. «Im letzten Jahr war es zudem auch überdurchschnittlich trocken, das hat natürlich auch geholfen», so Christen.

Die häufigsten Ursachen von landwirtschaftlichen Gewässerverschmutzungen sind nach wie vor die ungenügende Überwachung der Anlagen sowie technische Mängel. Der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV) und die Dienststelle Lawa engagieren sich seit Jahren gemeinsam, um die Sicherheit beim Umgang mit Hofdünger zu erhöhen und die Zahl der Unfälle zu reduzieren. (pd/zim)