GEWALT: Schwules Pärchen von Luzerner Polizisten unfair behandelt

Ein schwules Pärchen ist bei einer Kontrolle in Luzern von Polizisten nicht fair behandelt worden. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der beiden teils gutgeheissen. Einer der Männer habe sich unnötigerweise auf dem Polizeiposten nackt ausziehen müssen. Zudem sei er unfreundlich geduzt worden.

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Polizei Patrouille (Symbolbild) (Bild: Dominik Wunderli/LZ)

Polizei Patrouille (Symbolbild) (Bild: Dominik Wunderli/LZ)

Das am Mittwoch publizierte Urteil des Bundesgerichts kommt zum Schluss, dass die Leibesvisitation sowie das Duzen durch einen Polizeiangestellten widerrechtlich waren. Die beiden Männer hatten sich nach der Kontrolle über das Verhalten der Polizisten beschwert. Vor dem Luzerner Kantonsgericht waren sie damit abgeblitzt. Dieses muss nun über eine Entschädigung entscheiden.

Der Schweizer und sein thailändischer Partner wurden im März 2014 in der Luzerner Altstadt von zivilen Polizisten angehalten. Den Angestellten zufolge hatten sich die Passanten zuvor vor zwei Kaufhäusern im emsigen Menschentreiben auffällig verhalten. Die Polizisten wollten darum prüfen, ob es sich um Taschendiebe handelte.

Das Pärchen gab sich widerspenstig. Es glaubte, es handle sich bei den zivilen Polizisten nicht um richtige Beamte. Die Kontrolle lief aus dem Ruder. Die Männer wurden zu Boden und in Handschellen auf den Polizeiposten gebracht. Dort musste sich der Thailänder in einer Zelle nackt ausziehen. Zudem wurde er von einem Beamten mehrmals geduzt.

Mangelnder Respekt

Das Paar, das beim Vorfall Schürfungen und Prellungen erlitt, beschwerte sich danach beim Gericht über das grobe Verhalten der Polizisten. Es argumentierte, es habe sich nichts zu Schulden kommen lassen und sei Schwerverbrechern ähnlich behandelt worden.

Die Bundesrichter halten das nackte Ausziehen in dem Fall ebenfalls für übertrieben. Bloss ein vager Verdacht genüge nicht für eine derartige Leibesvisitation, bei der sich der Betroffene nackt ausziehen müsse. Es hätte genügt, den Mann über die Kleider abzutasten, so die Lausanner Richter.

Zudem mangelte es dem einen Polizisten dem Urteil zufolge an Respekt. Für ein Duzen, wie es gegenüber Kindern gemacht wird, habe es in dem Fall weder Anlass noch Rechtfertigung gegeben.

Die beiden Männer waren bereits vom Luzerner Bezirksgericht vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie der Hinderung einer Amtshandlung freigesprochen worden. Die Luzerner Polizei hatte nach dem Vorfall ebenfalls eine Anzeige eingereicht gehabt. (sda)