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Regierungsrat Paul Winiker versucht sich als Fleischverarbeiter in der Strafanstalt Wauwilermoos

Der Bio-Landwirtschaftsbetrieb des Gefängnisses Wauwilermoos erhält neu eine Fleischverarbeitung. Straftäter, die mit grossen Messern hantieren – ist das eine gute Idee? Direktor Felix Föhn versichert: «Gewalttäter arbeiten nicht in der Metzgerei.»
Stephan Santschi
Regierungsrat Paul Winiker (mitte) zeigt den Fleischkäsebrät, den er selber hergestellt hat. (Bild: Eveline Beerkircher, Egolzwil, 22. September 2018)

Regierungsrat Paul Winiker (mitte) zeigt den Fleischkäsebrät, den er selber hergestellt hat. (Bild: Eveline Beerkircher, Egolzwil, 22. September 2018)

«Das steht für den Zickzack-Kurs der Regierung», bemerkt Felix Föhn und lacht. Neben ihm steht der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker (SVP), der an einer Maschine stehend Fleischkäsebrät in Schlangenlinien in den Behälter spritzt. «Schaut mal dieses Werk an», sagt Winiker schliesslich und streckt das Ergebnis stolz in die Runde.

Die Stimmung ist aufgeräumt am Eröffnungsanlass in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wauwilermoos – so nennt sich, etwas kompliziert, das Gefängnis in der Gemeinde Egolzwil. Neben einer geschlossenen Abteilung für Männer in Ausschaffungshaft gibt es hier Platz für 64 Delinquenten im offenen Strafvollzug. Letzteres bedeutet: tieferer Sicherungsgrad, keine Mauern und realitätsnaher Bezug zur Aussenwelt. Dies mit dem Ziel, die Gefangenen auf die Integration in der Gesellschaft vorzubereiten und die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls zu reduzieren.

Ausbildung, Arbeit und Lohn für Häftlinge

Teil dieser Philosophie ist die Vermittlung von Arbeit an Häftlinge auf dem hauseigenen Bio-Landwirtschaftsbetrieb, der in der Zentralschweiz als grösster seiner Art gilt. Feldbau, Tierhaltung, Gemüsebau, Kräuterzucht, Schreinerei, Schlosserei, Wäscherei oder Küchendienst sind mögliche Tätigkeitsgebiete, die gestern nun Zuwachs erhalten haben. Neu findet sich hier nämlich auch eine Abteilung für die Fleischverarbeitung, die drei bis vier Gefangene beschäftigen soll. «Einem von ihnen geben wir zudem die Chance, sich ein ­Berufsattest als Fleischfachassistent anzueignen», erklärt JVA-Direktor Felix Föhn. Pro Tag verdient ein Häftling im Durchschnitt etwa 25 Franken, für gute Leistungen gibts einen Zuschlag, für schlechte Abzüge. «60 Prozent des verdienten Geldes können sie ausgeben, 40 Prozent kommen auf ein Sperrkonto, das sie beim Austritt als Starthilfe nutzen können.»

Straftäter mit grossen Messern in einer Metzgerei, irgendwie wirkt das beunruhigend – zumal im Wauwilermoos auch Mörder einsitzen. Föhn aber gibt Entwarnung: «Männer, die wegen eines Gewaltvergehens verurteilt worden sind, werden nicht in der Fleischverarbeitung beschäftigt.» Die Sicherheitsvorkehrungen seien gross, jedes Messer und jedes Werkzeug sei registriert, ein Verschwinden würde sofort bemerkt. Darüber hinaus mache man regelmässig unangemeldete Zimmerdurchsuchungen. Zusammenfassend hält Föhn fest: «Im offenen Strafvollzug sind Häftlinge, die nicht als gemeingefährlich gelten und von denen keine Fluchtgefahr ausgeht. In Sachen Gewalt herrscht bei uns ohnehin Nulltoleranz. Wer dagegen verstösst, kommt in Arrest.»

Markus Banz, Gruppenleiter Fleischverarbeitung zeigt Regierungsrat Paul Winiker die Abläufe in der neuen Abteilung für Fleischverarbeitung in der Justizvollzugsanstalt Wauwilermoos (Bild: Eveline Beerkircher, Egolzwil, 22. September 2018)

Markus Banz, Gruppenleiter Fleischverarbeitung zeigt Regierungsrat Paul Winiker die Abläufe in der neuen Abteilung für Fleischverarbeitung in der Justizvollzugsanstalt Wauwilermoos (Bild: Eveline Beerkircher, Egolzwil, 22. September 2018)

Umsatz verdoppelt sich auf 600000 Franken

Neben dem Zweck der Resozialisierung von Kriminellen soll die Fleischverarbeitung die Wertschöpfung der Tierhaltung erhöhen. Diese besteht seit rund zehn Jahren. Bisher wurden die gezüchteten Rinder an die Migros und die Schweine an den Coop verkauft. «Wenn wir das Fleisch nun selber veredeln und verkaufen, sollte sich unser Jahresumsatz auf 600000 Franken verdoppeln», erklärt Betriebsleiter Cyril Nietlispach. Nur geschlachtet wird nicht, das übernehmen Partner in der Umgebung.

Verkauft werden die Schweinesteaks, Rindsfilets und Kalbsbratwürste im Hofladen im Wauwilermoos – oder sie finden den Weg zu Detaillisten, Gastrobetrieben und in die eigene Küche. «Wir haben etwa die Grösse einer kleineren bis mittleren Dorfmetzgerei», sagt Nietlis­pach. Alles in allem eine «sinnvolle Investition», findet Regierungsrat Paul Winiker, der als Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements grünes Licht für die 600 000 Franken Investitionskosten gab. Und dafür gestern mit der eigenhändigen Fleischkäseproduktion belohnt worden ist.

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