GEWERBE: Er lebt für das lokale Gewerbe

Werner Bründler, Direktor des Luzerner Gewerbeverbands, wünscht sich mehr Unternehmer in der Politik. Er ist aber froh, dass er selber nicht gewählt wurde.

Cyril Aregger
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Werner Bründler (63) tritt heute als Direktor des Gewerbeverbands Luzern ab. (Bild Nadia Schärli)

Werner Bründler (63) tritt heute als Direktor des Gewerbeverbands Luzern ab. (Bild Nadia Schärli)

14 Jahre lang war Werner Bründler (63) als Direktor das Gesicht des Kantonalen Gewerbeverbands Luzern (KGL). Heute ist Schluss. Die Gesundheit macht nicht mehr mit, eine Herz­erkrankung stoppt den Mann, der von sich sagt, er habe für den Gewerbe­verband und seine rund 6500 angeschlossenen KMU gelebt. Dabei ist er keiner Diskussion aus dem Weg gegangen. Egal, ob es um Steuern, Berufsausbildung, Verkehr oder Verwaltungsaufgaben ging: Werner Bründler aus Sempach gab dem Gewerbeverband eine Stimme. Durchaus lustvoll, pointiert und – vor allem – aus Überzeugung: «Die Wahrnehmung der Interessen der Wirtschaft war stets etwas vom Wichtigsten für mich», sagt Bründler. Bei der Vertretung dieser Interessen konnte er auch sehr emotional sein. «Wenn ich von etwas überzeugt bin, kommen auch die Emotionen.» Streitlustig? Nein, das sei er nie gewesen. «Ich habe bloss klare Ansichten – und die habe ich vertreten.»

«Stereoarbeiten»

Vor seiner Zeit beim Gewerbeverband war Bründler Schulleiter und Mitglied der Geschäftsleitung beim Ausbildungszentrum des Schweizerischen Baumeisterverbands. Seine Direktorenstelle beim Gewerbeverband begann er bereits vor dem offiziellen Amtsantritt am 1. April 2000. «Die Geschäftsstelle war verwaist. In Absprache mit meinem damaligen Arbeitgeber hatte ich bereits Aufgaben übernommen», erzählt er. «Ich habe einige Monate sozusagen ‹stereogearbeitet›.» Bereits als junger Bauingenieur mit 27 Jahren wurde er in die Unternehmensleitung seines damaligen Arbeitgebers geholt. Über 30 Jahre in der Leitung von Unternehmen und Institutionen haben ihre Spuren hinterlassen. «Man realisiert gar nicht, was mit seinem Körper geschieht. Spätestens als ich vor drei Jahren notfallmässig ins Spital eingeliefert wurde, musste ich erkennen, dass der Zeitpunkt gekommen war, etwas zu ändern.» Einfach etwas weniger arbeiten, das komme nicht in Frage. «Wenn man eine Leitungsfunktion innehat, darf man keine Stunden zählen», sagt Bründler überzeugt, der seit 37 Jahren verheiratet ist. Das Paar hat keine Kinder. «Work-Life-Balance ist etwas von und für Theoretiker – wünschbar, aber nicht realistisch.»

Engagement für die Berufsbildung

Was bleibt nach diesen 14 Jahren? «Der Gewerbeverband hat ein Profil bekommen, die Leute kennen ihn», sagt er, ohne zu überlegen. Der Verband habe auch die Rahmenbedingungen für die KMU – Stichwort Steuerbelastung – verbessern können. Ein Punkt, der Bründler am Herzen liegt: «Ein KMU investiert sein Geld wieder in den Betrieb. Das ist besser, als das Geld an den Staat abzugeben, wo es ökonomisch wenig sinnvoll versickert.» Als zweite grosse Errungenschaft bezeichnet Bründler das Engagement für die Berufsbildung, insbesondere die Gründung der Bildungsmesse Zebi auf der Luzerner Allmend. «Damit haben wir in Zusammenarbeit mit der Luzerner Messe eine Plattform für Jugendliche aus der Zentralschweiz geschaffen. Hier wird aufgezeigt, welche Bildungsmöglichkeiten ihnen offenstehen.»

Zurückschauen ist ansonsten nicht Bründlers Ding: «Wir haben nur die Zukunft für uns.» So wirklich mag er sich denn auch an keine Niederlage erinnern. «Niederlagen sind relativ – für gewisse Ideen war vielleicht einfach die Zeit noch nicht reif.» Auf die Frage, ob es Dinge gebe, die er heute anders machen würde, sagt er: «Damit habe ich mich nie beschäftigt. Das lohnt sich nicht.»

«Hyperaktivität der Volksschulen»

Die Zukunft also: Werner Bründler, der «Bücherfreak», wie er selber sagt, möchte sich mit zwei Buchprojekten befassen. Nicht mit Prosa oder Poesie, sondern mit Themen, die ihn auch beim Gewerbeverband beschäftigten. Einerseits zum Thema Arbeitslosigkeit: «Wieso erhalten über 50-jährige, hoch qualifizierte Arbeitnehmer keine Stelle mehr? Das ist mir ein Rätsel, mit dem ich mich gerne intensiver beschäftigen möchte.»

Das zweite Projekt ist der Berufsbildung gewidmet: «Über 200 Berufe wurden in den letzten 14 Jahren umgebaut, teilweise völlig falsch. Die Hyperaktivität der Volksschulen greift auch auf die Berufsbildung über.» Dies gelte es zu vermeiden. Er ist überzeugt: «90 Prozent seines Berufes sollte man nach Abschluss der Berufslehre beherrschen. Nicht mehr, denn das überfordert die Leute, schafft Hürden für die Jugendlichen, und die Unternehmer legen sich selber Steine in den Weg, da sie so keine geeigneten Lehrlinge finden.»

Kein Thema ist für Werner Bründler der Einstieg in die Politik. Dabei kandidierte er 2003 für die FDP Amt Sursee für den damaligen Grossen Rat, den heutigen Kantonsrat. «Zum Glück hat es nicht geklappt», sagt er rückblickend. «Als Direktor des Gewerbeverbands muss man über den Parteien stehen.» Dennoch ist er überzeugt, dass sich die Unternehmer in der Politik stärker engagieren sollten. «Es braucht in der Politik Leute, die etwas geleistet haben – wie die Unternehmer. Köpfe, von denen man weiss, wofür sie stehen, die auch kantig sein dürfen. Profillose Gesichter und ‹Laferi› haben wir genug.» Nur so könnte die Politik wieder Vertrauen zurückgewinnen, ist Bründler überzeugt. Denn dieses fehle derzeit. «Man spricht angesichts der tiefen Stimm- und Wahlbeteiligung meist von der ‹schweigenden Mehrheit›. Doch das ist Nonsense. Das sind Leute, die sich nicht mehr am politischen Prozess beteiligen, weil sie sich sagen: ‹Da wird man ja eh nur belogen und beschissen›.»

An eine Rückkehr der Unternehmer in die Politik – ein grosses Vorbild für ihn ist Alfred Escher – glaubt Bründler jedoch nicht. «Der Umgangston in der heutigen Politszene schreckt viele ab.» Es bräuchte wohl erst eine einschneidende Krise in unserem Land, bei der unser Wohlstand auf dem Spiel stünde, ehe sich daran etwas ändern könnte.

Der Blues, die alte Liebe

Widmen will sich Bründler dafür vermehrt seiner alten Leidenschaft, dem Gitarrenspiel. Konkret: der Bluesmusik. «Es soll wieder ‹fegen› wie in jungen Jahren», sagt er mit leuchtenden Augen.