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Das Luzerner Gewerbe schaut in die Glaskugel und sieht viel Verkehr auf sich zukommen

Zum dritten Mal befragt der Luzerner Gewerbeverband seine Mitglieder zu ihren Erwartungen für das kommende Wirtschaftsjahr. Während die Unternehmer überraschend Optimismus versprühen, akzentuieren sich auch die Sorgen.
Urs-Ueli Schorno
Der zunehmende Verkehr in der Stadt Luzern, hier auf der Seebrücke in Luzern, bereitet dem Gewerbe Sorgen. (Bild: Corinne Glanzmann)

Der zunehmende Verkehr in der Stadt Luzern, hier auf der Seebrücke in Luzern, bereitet dem Gewerbe Sorgen. (Bild: Corinne Glanzmann)

Der Blick in die Zukunft ist ein Wagnis: So war es schon beim Orakel von Delphi im alten Griechenland, und so ist es auch beim KMU-Barometer des Luzerner Gewerbeverbandes. Denn Voraussagen sind per se mit dem Makel behaftet, dass es auch ganz anders kommen könnte. Nichtsdestotrotz brennen den Kadern kleiner und mittlerer Unternehmen in Luzern viele Fragen auf den Nägeln: Ob sich die Wirtschaftslage 2019 wohl zu ihren Gunsten entwickle? Ob mehr Aufträge an Land gezogen werden können? Ob sich der Gewinn noch einmal steigern liesse? Der rund 6500 Mitglieder zählende kantonale Gewerbeverband und das Marktforschungsinstitut Demoscope haben diesen Herbst die KMU bereits zum dritten Mal nach ihren Einschätzungen fürs kommende Jahr befragt.

Zielgruppe der Umfrage waren sämtliche Mitglieder der Gewerbevereine im Kanton Luzern. Mittels Onlinebefragung, durchgeführt zwischen September und Oktober, wurden 774 Fragebögen ausgefüllt. Das entspricht einer Rücklaufquote von rund 12 Prozent. Im letzten Jahr waren es 11 Prozent. Demoscope mit Sitz in Adligenswil hat die Umfrage für den Gewerbeverband gesponsert.

Gaudenz Zemp, Direktor des Luzerner Gewerbeverbands.

Gaudenz Zemp, Direktor des Luzerner Gewerbeverbands.

774 Unternehmer oder rund 12 Prozent der Luzerner KMUs haben sich an der Umfrage beteiligt. Sie geben sich bezüglich der Wirtschafts- und Auftragslage, aber auch bei den Gewinnen ziemlich optimistisch – durchs Band in allen Branchen. Das erstaunt den Direktor des Gewerbeverbandes, Gaudenz Zemp. Zumindest ein bisschen:

«Von vielen Gesprächen weiss ich, dass bei vielen Unternehmern zwar die Auftragslage gut ist. Gleichzeitig wird aber beklagt, dass man gar nicht genug Personal finde, diese Aufträge zu bewältigen.»

Zemp vermutet, dass die Gewerbler im Gespräch unter Kollegen gerne etwas tiefstapeln und die kritischen Punkte hervorheben würden. «Befragt man die Unternehmer anonym, tönt es dann zum Glück etwas optimistischer.»

Der Fachkräftemangel bleibt aber eine brennende Sorge der Gewerbler – die Ausgangslage hat sich nach Einschätzung aller Branchenvertreter weiter zugespitzt. Auch das Podium in der Messe Luzern zum Abschluss Präsentation des KMU-Barometers am Donnerstag widmete sich dieser Frage – und erklärte die Ausbildung des Nachwuchses zum effizientesten Mittel zur Behebung des Problems.

Entwicklung von Stadt und Agglo droht Strassen zu überlasten

Viele der Erwartungen der Unternehmer in Bezug auf das kommende Wirtschaftsjahr 2019 decken sich: Die allgemeine Wirtschaftslage wird optimistisch eingeschätzt. Neben der schwierigen Besetzung von Stellen, die nach Fachpersonal rufen, wird auch die Suche nach Lehrlingen nicht einfacher. Weiter ist man sich unter Gewerbetreibenden einig, dass die Digitalisierung grundsätzlich positive Effekte auf den Geschäftsgang hat – besonders bei den Finanz- und Wirtschaftsdienstleistern, etwas weniger bei den Fahrzeug- und Logistikunternehmen. Exportunternehmen erwarten mit Blick ins Ausland keine positive Entwicklung , was ihre Verkäufe im Ausland angeht.

Doch es gibt auch Unterschiede bei den Einschätzungen. So etwa bei der verkehrstechnischen Erreichbarkeit: In der Stadt und der Agglomeration angesiedelte Gewerbler sprechen eine pessimistische Prognose für 2019 aus (siehe Grafik). Sie rechnen damit, dass sich die Verkehrslage im Vergleich zu heute stärker verschlechtern wird, als dies Unternehmen auf der Landschaft erwarten.

Das Problem laut Zemp: «Gemäss Richtplan im Kanton Luzern wird die sogenannte Y-Achse verdichtet.» Also die Gebiete entlang der Nationalstrassen mit den Zentren Luzern und Sursee. «Entsprechend dynamisch ist die Bautätigkeit in der Agglomeration», führt Zemp aus. «Das Strassennetz vermag mit dieser Dynamik aber nicht mitzuhalten.» Dies zumal Luzern bereits heute schweizweit die schwierigsten Voraussetzungen habe – davon Zeugen auch die Grossprojekte wie Bypass und Durchgangsbahnhof.

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Verkehr, Humankapital, Wirtschaftslage: Das erwarten de Gewerbler vom Jahr 2019

Konzentration auf öffentlichen Verkehr hilft dem Gewerbe nicht

Auch wenn der Handlungsbedarf erkannt ist, sieht Zemp das strategische Vorgehen von Stadt und Kanton Luzern kritisch: «Die aktuellen Verkehrskonzepte sehen praktisch keine zusätzlichen Strassenkapazitäten vor», gibt Zemp zu bedenken. Stattdessen soll der zusätzliche Mobilitätsbedarf durch den ÖV abgedeckt werden. Zemp:

«Der Fokus auf den ÖV mag vielleicht im privaten Bereich funktionieren – für das Gewerbe, das auf die Strasse angewiesen ist, zeichnen sich hier aber grössere Probleme ab.»

Das in der Agglomeration die Situation weniger drastisch eingeschätzt wird, als im Vorjahr, könnte, so vermutet Zemp, auch mit der Entwicklung des Verkehrs bei der Mall of Switzerland zusammenhängen: Diese hat in Ebikon nicht zum erwarteten Verkehrschaos geführt, wohl auch, weil die Besucherzahlen nicht ganz den Erwartungen entsprachen.

Der Gewerbeverband ist beim Thema Mobilität schon aktiv: Er führt die Geschäftsstelle der Luzerner Mobilitätskonferenz. «In diesem Rahmen versucht der Verband, die Erreichbarkeit der Unternehmen zu fördern», so Zemp. Er weiss aber: «Es gibt keine raschen Patentrezepte.» Das Schaffen guter verkehrstechnischer Rahmenbedingungen sei vielmehr eine Daueraufgabe. «Sie bedarf eines konstanten Willens, den Wirtschaftsverkehr zu fördern. Davon ist in der Politik, insbesondere in der Stadt Luzern wenig zu spüren.» Zemp sagt dies mit Blick auf das städtische Gesamtverkehrskonzept. «Dort ist der Wirtschaftsverkehr mit keinem einzigen Wort erwähnt», moniert er. Statt dass er priorisiert würde, werde er einfach beim motorisierten Individualverkehrs subsumiert.

Und was bringt nun das Jahr 2019? Gaudenz Zemp: «Die Wirtschaft kann man kaum planen. Aber man kann gute Rahmenbedingungen für sie schaffen. Der Kanton Luzern hat dies in den letzten Jahren sehr gut gemacht. Hier werden imIm 2019 werden nun erneut wichtige Weichen gestellt. Sei es bei der Mobilität mit der Planung der Spange Nord oder beim Kostenumfeld mit der Definition der Höhe der Unternehmenssteuern. Auch die Kantons- und Regierungsratswahlen werden entscheidend sein. Der Gewerbeverband wird sein 125-Jahre-Jubiläum zum Anlass nehmen, im 2019 besonders aktiv zu sein.»»

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