GEWERBEVERBAND: Der Machtkampf spitzt sich weiter zu

Zwischen Gewerbe- und Detaillistenverband haben sich die Ereignisse gestern überschlagen. Bald entscheidet sich, wer bei der Ladenöffnungs-Debatte die künftige Ausrichtung bestimmen darf.

Alexander von Däniken
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Tritt der Detailistenverband aus oder nicht? Diese Frage sorgte für grosse Diskussionen. (Bild: Philipp Schmidli)

Tritt der Detailistenverband aus oder nicht? Diese Frage sorgte für grosse Diskussionen. (Bild: Philipp Schmidli)

Was sich gestern abgespielt hat, könnte aus einer Seifenoper stammen. Doch von Anfang an: Der Detaillistenverband des Kantons Luzern (DVL) verschickte eine Mitteilung mit nicht überraschendem, aber deutlichem Inhalt: «Der DVL-Vorstand hat am Dienstagabend einstimmig den Austritt aus dem Gewerbeverband des Kantons Luzern (KGL) beschlossen.»

Laut Kündigungsschreiben an den KGL ist der Austritt fristgerecht auf Ende 2014 angesetzt. Das Fass zum Überlaufen gebracht haben unterschiedliche Auffassungen über die Ladenöffnungszeiten. Die Detaillisten kämpften in den letzten Jahren vehement für die bestehenden restriktiven Ladenöffnungszeiten – und bekamen bei Volksabstimmungen stets Recht. Der Gewerbeverband hingegen setzt sich für eine gesamtschweizerische Lösung ein, welche längere Öffnungszeiten bis 20 Uhr erlaubt.

Kündigung eingefroren

Doch noch am gleichen Tag erklärte gestern der DVL, die Kündigung vermutlich wieder zurückziehen zu wollen – nachdem die Telefone zwischen DVL-Präsident Heinz Bossert und Roland Vonarburg, Zentralpräsident des Gewerbeverbands, heiss gelaufen waren. Angeblich war dies der erste Kontakt zwischen dem DVL und dem KGL seit der Konflikt um die Ladenöffnungszeiten eskalierte. Dies, obwohl Roland Vonarburg gegenüber unserer Zeitung am 24. Mai erklärte, dass man mit den Detaillisten das Gespräch suchen wolle. Dazu Heinz Bossert gestern: «Leider ist das nicht passiert. Darum haben wir uns auch zur Kündigung entschlossen.»

«Gipfeltreffen» Ende Juni

Um wenige Stunden später traute Einigkeit zu verkünden. Ende Juni oder Anfang Juli werden sich die Leitungen von KGL und DVL zu einem «Verständigungsgespräch» treffen. Was am Treffen konkret besprochen wird, gibt Bossert noch nicht bekannt. Er deutet aber an, dass der KGL in einigen Punkten sich der Meinung des DVL annähern könnte. «Wir haben uns darauf geeinigt, dass ein Grundlagenpapier zu detailhandelsspezifischen Themen erarbeitet wird», sagt Bossert. Offenbar habe es die Kündigung gebraucht: «Mit dem Treffen ist ein wichtiges Etappenziel erreicht.» Aber musste es überhaupt zur Kündigung als Ultima Ratio kommen? «Es gab Fehler von beiden Seiten. Wahrscheinlich haben beide zu lange abgewartet», sagt DVL-Präsident Bossert.

«Gute Basis für Zusammenarbeit»

Versöhnlich klang gestern Mittag auch KGL-Zentralpräsident Roland Vonarburg: «Unsere Verbände waren ja nie wirklich so weit voneinander entfernt. Nur bei den Ladenöffnungszeiten gab es unterschiedliche Auffassungen.» Auch Vonarburg ist optimistisch, dass es am Treffen zu einer Einigung kommt: «Wir werden eine gute Basis für die künftige gemeinsame Zusammenarbeit schaffen.» Über die möglichen Gesprächsdetails und das Verhältnis zum Detaillistenverband schweigt sich Vonarburg aus.

Auch wenn sich beide Seiten noch bedeckt halten, gibt es Hinweise, in welche Richtung sich die Gespräche entwickeln könnten. Der Gewerbeverband könnte sich verpflichten, sich künftig einer öffentlichen Meinung zu enthalten, wenn es um das Thema Ladenöffnungszeiten geht. So hat es der Gewerbeverband in den letzten Jahren auch gehandhabt – bevor er die nationale Liberalisierung offiziell unterstützte.

Ein Austritt des Detaillistenverbands wäre für den Gewerbeverband ein herber Verlust. Der DVL mit seinen rund 600 Mitgliedern – darunter auch KMU – ist für den Gewerbeverband ein wichtiger Player. Der Gewerbeverband vertritt als Dachorganisation 45 Berufsverbände, 48 Gewerbevereine sowie rund 8000 Unternehmen.

Hoffnung auf neuen Direktor

Die Kündigung des Detaillistenverbands sei zwar noch gültig, könne aber nach dem Treffen zurückgezogen werden, erklärte Heinz Bossert weiter. «Und die Zeichen dafür stehen gut.» Hoffnung schöpft er auch aus der «neuen Führungsstruktur» des Gewerbeverbandes: Auf Anfang August wird Gaudenz Zemp neuer Direktor des Gewerbeverbandes (Ausgabe vom 14. Mai). Zemp löst Werner Bründler ab, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste – und dem nicht immer diplomatisches Geschick attestiert worden ist.