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Gewinneinbruch: Luzerner Kantonsspital muss 20 Millionen Franken sparen

Nach Millionengewinnen erwartet die Leitung des Luzerner Kantonsspitals nächstes Jahr ein massiv schlechteres Ergebnis – und schnürt ein Sparpaket. Neue Stellen werden vorerst nicht geschaffen.
Christian Glaus
Weil die Einnahmen sinken, muss Hansjörg Schmid den Rotstift ansetzen – der stellvertretende CEO, fotografiert auf der Abteilung für Zusatzversicherte des Luzerner Kantonsspitals. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 19. Dezember 2018))

Weil die Einnahmen sinken, muss Hansjörg Schmid den Rotstift ansetzen – der stellvertretende CEO, fotografiert auf der Abteilung für Zusatzversicherte des Luzerner Kantonsspitals. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 19. Dezember 2018))

Die schlechte Nachricht erreicht die Mitarbeiter des Luzerner Kantonsspitals (Luks) kurz vor Weihnachten. Am 3. Dezember informiert die Spitalleitung in einer internen Mitteilung, die unserer Zeitung vorliegt, über ein für 2019 geplantes Sparpaket. Es handelt sich um «erste Massnahmen zur Ergebnisverbesserung», wie dem Titel zu entnehmen ist. Denn ohne Korrekturen zeichne sich für das kommende Jahr ein Defizit ab. Konkret hat die Spitalleitung folgende Sparmassnahmen geplant:

  • Bis Ende Juni werden keine neuen Stellen geschaffen. Bereits bewilligte Stellen sind nicht betroffen. Ende 2017 zählte das Luks 6934 Mitarbeiter.
  • Wird eine bestehende Stelle frei, entscheiden die jeweiligen Departementsleiter und die Leiter Stäbe darüber, ob diese wieder besetzt wird.
  • Die Spitalleitung prüft mit den Departementsleitern, auf welche vorgesehenen Beschaffungen und Investitionen 2019 «zumindest vorübergehend» verzichtet werden kann.
  • Eine Taskforce prüft weitere Massnahmen «zur Steigerung der Effizienz und Erkennung von Potenzialen».

Bisher hat das Luzerner Kantonsspital nicht öffentlich über das 2019 drohende Defizit informiert. Am Mittwoch nahm Hansjörg Schmid, stellvertretender CEO, auf Anfrage unserer Zeitung Stellung. Er vertritt Spitaldirektor Benno Fuchs, welcher krankheitsbedingt ausfällt (wir berichteten). In den vergangenen Jahren hat das Luks Millionen-Gewinne eingefahren. 2014 belief sich der Jahresgewinn auf satte 52,5 Millionen Franken. Seither wurden die Ergebnisse schlechter. 2017 betrug der Gewinn 10,2 Millionen (siehe Grafik). Und nun droht also ohne Korrekturen für 2019 ein Defizit.

Laut Schmid ist dafür nicht ein einzelnes Ereignis verantwortlich. Ausschlaggebend seien hauptsächlich drei Effekte: Erstens die Senkung des Tarifs für ambulante Behandlungen (Tarmed) durch den Bundesrat gegen Ende des letzten Jahres; zweitens das Patientenwachstum, das schwächer ausgefallen sei als erwartet; drittens die hohen Investitionen, welche das Spital derzeit tätigt und welche zu hohen Abschreibungen führen. «Diese Effekte sind zusammen stärker als erwartet», so Schmid.

Kein Wachstum bei stationären Patienten

Bei den stationären Patienten hatte das Spital für das laufende Jahr ursprünglich mit einem Wachstum von 1 bis 1,5 Prozent gerechnet. «Nun zeichnet sich aber ab, dass es hier – wie bei anderen Spitälern auch – gar kein Wachstum gibt», erklärt Schmid. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen. Im ambulanten Bereich sind die Zahlen wie erwartet um 5 Prozent gestiegen. Allerdings: Wegen des Tarifeingriffs durch den Bundesrat nehmen Umsatz und Gewinn trotzdem ab. «Die Senkung des Tarmed-Tarifs ist vergleichbar mit dem Frankenschock», sagt Schmid. «Die Kosten sind für uns immer noch gleich hoch, doch die Einnahmen sind plötzlich tiefer. Da stellt sich die Frage, wie und wie schnell man diese Entwicklung auffangen kann.»

«Die Tarifsenkung ist vergleichbar mit dem Frankenschock.»

Ganz unvorbereitet wurde das Spital vom «Tarif-Schock» nicht getroffen. Die Stossrichtung zeichnete sich im Verlauf des letzten Jahres ab. Die genaue Umsetzung hat der Bundesrat jedoch erst im Dezember kommuniziert. Zu spät für das Kantonsspital, um dies im Budget berücksichtigen zu können. Im Jahresbericht 2017, welcher im Frühling dieses Jahres erschienen ist, schrieb das Luks von einer «deutlichen Ergebnisminderung von zirka 20 Millionen Franken, die zu kompensieren ist». Diese Prognose sei richtig gewesen, sagt Hansjörg Schmid. Für 2018 rechne das Luks mit einem «positiven Ergebnis». Anders sieht es für 2019 aus: «Im Sommer dieses Jahres hatte sich ein Minus von rund 20 Millionen abgezeichnet.» Aufgrund der Sparmassnahmen rechnet Schmid aktuell mit einer schwarzen Null.

Der Kanton als Eigner macht laut Hanspeter Vogler, Leiter Gesundheitswesen des kantonalen Gesundheits- und Sozialdepartements, keine Vorgaben zur Höhe des Gewinns oder der Dividende. Doch das Spital braucht Geld, um die geplanten Investitionen tätigen zu können. Dazu gehören etwa die Neubauten in Sursee und Wolhusen sowie des Kinderspitals in Luzern. Das Luks ist verpflichtet, die Finanzierung dieser Projekte selber sicherzustellen. Damit dies gelingt, sind mittelfristig jährliche Gewinne in der Grössenordnung von 30 bis 40 Millionen Franken nötig. Das heisst, dass weitere Massnahmen folgen werden, um die Einnahmen zu erhöhen, die Ausgaben zu senken und die Effizienz zu steigern.

Kanton: «Neubauten müssen realisiert werden»

Sind die geplanten Grossinvestitionen sogar in Gefahr? Eine eindeutige Antwort gibt Hansjörg Schmid nicht. «Im Finanzplan sind die Neubauten berücksichtigt, das Geld dafür ist eingestellt.» Nun gelte es, dafür zu sorgen, dass der Finanzplan eingehalten werden könne.

Deutlicher sind die Worte von Hanspeter Vogler: «Der Neubau des Spitals Wolhusen steht für das Departement nicht zur Disposition und muss so gebaut werden, wie es seinerzeit kommuniziert worden ist. Ebenso ist für das Departement klar, dass als nächstes grösseres Bauvorhaben das Kinderspital ansteht.» Auch am mittelfristigen Neubau des Spitals in Sursee werde nicht gerüttelt. Das Kinderspital soll gemäss Luks bis 2025 realisiert werden, für den Standort Wolhusen liegt ein Siegerprojekt vor. Ende 2019 sollen die Bauarbeiten starten.

«Es ist politisch gewollt, bei den Gesundheitsausgaben zurückhaltend zu sein.»

Klar ist heute, dass sich die Spitäler in einem zunehmend schwierigeren Umfeld bewegen. Das Luzerner Kantonsspital ist nicht das einzige, das sparen muss (siehe Box unten). Damit müsse das Luks umgehen können, hält Hansjörg Schmid nüchtern fest: «Es ist politisch gewollt, bei den Gesundheitsausgaben zurückhaltend zu sein.» Die Gründung einer Holding für das Luks und damit verbunden die Vernetzung unter den Spitälern in der Region sei deshalb umso wichtiger. Das Luks bildet schon heute eine Spitalregion mit dem Kantonsspital Nidwalden und will diese Zusammenarbeit per 2020 durch eine Fusion vertiefen. Zudem arbeitet es eng mit allen Kantonsspitälern der Zentralschweiz zusammen. Hält das Luks nun also nach einer weiteren Braut Ausschau? Schmid: «Es muss nicht immer eine Fusion sein. Aber wir werden bei der Vernetzung mit den anderen Spitälern aktiv dran bleiben.»

«Nicht in Aktivismus verfallen»

Über die finanzielle Situation des Luzerner Kantonsspitals (Luks) wurde der Kanton als Eigner laufend informiert. Dass 2019 ein Defizit droht, komme nicht überraschend, sagt Hanspeter Vogler vom Gesundheitsdepartement: «Wohl alle Spitäler stehen vor grossen finanziellen Herausforderungen, verschiedene prüfen sogar einen Stellenabbau.» Einen solchen hatte am Mittwoch die Berner Insel-Gruppe angekündigt. 150 Vollzeitstellen fallen weg, was 1,7 Prozent entspricht.

Überrascht ist hingegen Claudia Husmann, Geschäftsstellenleiterin des Zentralschweizer Berufsverbands der Pflegefachleute. Sie erwartet von der Spitalleitung, dass diese «nicht in Aktivismus verfällt». Schliesslich seien die Millionengewinne der letzten Jahre immer damit begründet worden, dass das Spital diese für künftige Investitionen brauche. Der Einstellungsstopp sei nur verkraftbar wenn auch die Patientenzahlen sinken, sagt Husmann und mahnt: «Ansonsten leidet die Qualität der Pflege.» (cgl)

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