GHOSTWRITER: Software soll Betrüger aufdecken

Schweizer Studenten zahlen viel Geld, damit ihnen jemand die Uniarbeit verfasst. Die Luzerner Hochschulen kämpfen jedoch mit einem anderen Problem.

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Ein Student am Laptop. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Ein Student am Laptop. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Yasmin Kunz

Wer zu wenig Zeit hat oder die Fähigkeiten nicht besitzt, eine akademische Arbeit für die Universität zu verfassen, kann einen sogenannten Ghostwriter engagieren. Dieser schreibt dann gegen einen beträchtlichen Betrag – der sich im vier- oder gar fünfstelligen Bereich befindet – die Seminar-, Bachelor- oder gar Doktorarbeit. Ghostwriting-Fälle sind nur schwer zu erkennen, dennoch geht man davon aus, dass es schweizweit im vergangenen Jahr rund 200 Fälle gegeben hat. Die Universität St. Gallen hat eine Strafanzeige gegen das Ghostwriting von Doktorarbeiten eingereicht (Ausgabe von gestern).

Luzern: Keine Fälle bekannt

An der Universität Luzern ist kein einziger Fall von Ghostwriting bekannt, wie Lukas Portmann, Mediensprecher der Universität, auf Anfrage sagt. Das würde aber nicht bedeuten, dass Ghostwriting kein Thema sei. «Wir vermitteln den Studenten schon früh im Studium die Grundlagen und den Sinn korrekten wissenschaftlichen Arbeitens.» Die individuelle Betreuung beuge solchen Fällen ebenfalls vor. Ausschliessen, dass an der Uni Luzern fremdgeschriebene Arbeiten eingereicht wurden, könne man aber nicht. «Es ist sehr schwierig, dies nachzuweisen», sagt Portmann.

Allgemein scheinen Luzerner Studenten sehr leistungswillig zu sein. Denn auch die Fälle der Plagiate – undeklarierte Übernahmen von fremden Texten – «sind verschwindend klein», wie Portmann betont. «Vielleicht eine Hand voll Plagiatsfälle pro Jahr, wenn überhaupt, bei einer Studentenzahl von fast 2800», so Portmann. Bei Plagiatsverdacht werden die Arbeiten an der Uni mit einer Software überprüft.

PH ungeeignet für Ghostwriter

An der Pädagogischen Hochschule Luzern ist es eher schwierig, eine schriftliche Arbeit extern in Auftrag zu geben. Hermann Lichtsteiner, Leiter der Stabsstelle Hochschuldidaktik an der PH Luzern, erklärt: «Bis auf die grossen Bachelor- und Masterarbeiten sind die Leistungsnachweise sehr eng mit den einzelnen Modulen verbunden oder knüpfen an die Erfahrung in der Schulpraxis an. Da bringt ein Ghostwriter wenig.» Die PH Luzern habe in den vergangenen Jahren nie einen Verdacht auf Ghostwriting gehabt, so Lichtsteiner.

Plagiatsfälle, bei denen Studenten beispielsweise Textpassagen aus anderen Arbeiten, Büchern oder dem Internet kopieren, «zählen wir rund eine Hand voll pro Jahr». Fliegt ein Plagiat auf, besteht der Student das betreffende Modul nicht und erhält von der Hochschule eine mündliche Verwarnung oder einen schriftlichen Verweis. Versucht er es erneut, wird er von der Hochschule gewiesen. Bis dato sei es noch nie zu einem Ausschluss gekommen, betont Lichtsteiner.

Systematische Kontrollen

Weil die Zahl der Studenten – derzeit sind es mehr als 1800 – an der Pädagogischen Hochschule stetig steigt und darum auch mit einer erhöhten Zahl von Plagiatsfällen gerechnet werden muss, wird die PH Luzern ab dem nächsten Semester eine Plagiatssoft­ware einsetzen. Lichtsteiner erklärt: «Bei den kleineren Arbeiten werden wir stichprobenartig Kontrollen machen. Hingegen werden sämtliche Bachelor- und Masterarbeiten geprüft.» Mit der systematischen Kontrolle wolle man die Zahl der Plagiatsfälle auf dem tiefen Niveau halten, bestenfalls gar noch senken.

Auch an der Hochschule Luzern ist kein Ghostwriting-Fall bekannt, wie Marc Reinhardt, Leiter Marketing und Kommunikation der Hochschule Luzern, auf Anfrage sagt. Dies liege daran, dass die Prüfungsformen in gewissen Studienbereichen wie etwa Musik oder Design und Kunst sehr individuell seien. Zudem: «Die Studenten und die Betreuer sind in einem regelmässigen Austausch. Ein Ghostwriter müsste diese Kontakte ebenfalls haben, um die Arbeit verfassen zu können», sagt Reinhardt. Bei der Hochschule Luzern werden alle Arbeiten im Rahmen der normalen Korrekturarbeit auf Plagiate überprüft. Bei 5900 Bachelor- und Master-Studenten zählt die Hochschule maximal ein bis zwei Plagiatsfälle jährlich.

Fliegt ein Plagiat auf, gilt der Leistungsnachweis als nicht bestanden, und allenfalls ausgestellte Ausweise und Zeugnisse werden für ungültig erklärt. Ausserdem werden verliehene Titel aberkannt sowie allfällige Urkunden eingezogen. Je nach Schwere des Verfahrens kann es bis zum Studienausschluss ­kommen.