FIS-Präsident Kasper: Der Skisaurier trägt das Herz auf der Zunge – dafür hagelt es oft Kritik

Nach haarsträubenden Aussagen über Klimawandel und Diktaturen steht der 75-jährige Schweizer FIS-Präsident Gian Franco Kasper einmal mehr in der Kritik.

Ralf Streule
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FIS-Präsident Gian Franco Kasper. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Botte (Åre, 4. Februar 2019))

FIS-Präsident Gian Franco Kasper. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Botte (Åre, 4. Februar 2019))

Gian Franco Kasper meldet sich nicht allzu oft in der Öffentlichkeit zu Wort. Doch wenn der 75-Jährige es tut, dann ohne Umschweife. In einem Interview im «Tages-Anzeiger» hat der Präsident des Weltskiverbands FIS vor der Ski-WM frischfröhlich Zweifel am Klimawandel angebracht («Wir haben Schnee, zum Teil sehr viel») und die Vorzüge von grossen Sportanlässen in autokratischen Ländern beschrieben («Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten»).

Die Reaktionen waren heftig. Die Schweizer Klima-Allianz schrie auf, das Internationale Olympische Komitee (IOC) distanzierte sich, Athleten wie der Schweizer Slalomfahrer Daniel Yule zweifelten an Kaspers Dialogfähigkeit, Politiker forderten seinen Rücktritt, und Kommentatoren fanden: «Bei Kasper ist der Name Programm.»

Wer Kasper wohlgesinnt ist, könnte die Aussagen als kauzig und grundehrlich bezeichnen. Man könnte ihm zugutehalten, als bodenständiger Bergler aus Graubünden das Herz halt auf der Zunge zu tragen. Dass er es grundsätzlich gut meint mit dem Skisport, nimmt man ihm schliesslich auch ab.

Als Sohn des damaligen St. Moritzer Kurdirektors war er dem Wintersport und dem Skitourismus schon in den 1940er- und 1950er-Jahren verbunden. Auch während seines Studiums in Zürich (Psychologie-, Philosophie- und Journalismus) behielt Kasper den Draht zu den Bergen, schrieb über Skirennen, war später Pressechef an der WM 1974 in St. Moritz, baute danach im kanadischen Montreal ein Tourismusbüro auf.

Seit 21 Jahren ist Kasper FIS-Präsident, vor 44 Jahren stieg er beim Weltverband ein – in einer Zeit, als sich noch Bernhard Russi und Franz Klammer auf den Abfahrtspisten Duelle lieferten. Vielleicht ist es ja sein Selbstverständnis als alteingesessener, intern über Jahre praktisch konkurrenzloser Präsident, das ihn so ungefiltert hat parlieren lassen.

Locker und undiplomatisch Dahingesagtes hat Kasper aber schon in den 1990er-Jahren in Verruf gebracht. Damals liess er unter anderem die Behauptung fallen, dass Skispringen nichts für Frauen sei – da die Gebärmutter bei der Landung zu Schaden kommen könne. Für die hobbymedizinischen Betrachtungen steckte er Hohn ein.

So wie damals dürfte ihm auch die aktuelle Kritik nicht gross zusetzen. Definitiv steht Kasper nicht gerade für fortschrittliches Gedankengut, die NZZ bezeichnete ihn kürzlich als «Antireformer». Schritte hin zu moderneren Strukturen in der FIS und zu Reformen unterstützt er ungern. Und interne Gegenwehr erstickte er in den vergangenen Jahrzehnten jeweils im Keim.

Gewählt ist Kasper noch bis 2022. Einige rechnen damit, dass er schon im kommenden Jahr abdanken könnte. Und viele sehnen sich danach. Ob der aktuelle Sturm um seine Person darauf einen Einfluss hat? Kasper ist nicht bekannt dafür, sich die Agenda von aussen diktieren zu lassen.