Interview
Gibt es in der Stadt Luzern zu wenig Abfallkübel? Nein, findet der Chef des Strasseninspektorats

Die Stadt Luzern zählt rund 1000 öffentliche Abfallkübel. Die Zahl ist seit Jahren konstant – aber die einzelnen Kübel können immer mehr Abfall schlucken, wie der städtische Strasseninspektor Thomas Schmid sagt.

Robert Knobel
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So schlimm sieht's normalerweise zum Glück nicht aus: Ein Bild von der Fasnacht 2018 auf der Luzerner Bahnhofstrasse.

So schlimm sieht's normalerweise zum Glück nicht aus: Ein Bild von der Fasnacht 2018 auf der Luzerner Bahnhofstrasse.

Bild: Philipp Schmidli

770'000 Franken gibt die Stadt Luzern pro Jahr aus, um liegen gelassene Abfälle im öffentlichen Raum zu beseitigen. Das geht aus der Antwort des Stadtrats auf einen Vorstoss im Parlament hervor (wir berichteten). Der Stadtrat schreibt in seiner Antwort weiter, dass Littering ein zunehmendes Problem sei. Wir sprachen mit Thomas Schmid, Chef des Strasseninspektorats, das unter anderem für den Unterhalt der rund 1000 öffentlichen Abfallkübel verantwortlich ist.

Abfall, der am Boden verstreut liegt: Solche Bilder sind auch in der Luzerner Innenstadt zu sehen. Sind die Leute immer verantwortungsloser – oder gibt es einfach zu wenig öffentliche Abfallkübel?

Nein, ich glaube nicht, dass die Menschen in der Stadt verantwortungsloser sind. Es gibt in der Stadt Luzern auch genug Abfallkübel. Der Grossteil davon steht in der Alt- und Kleinstadt sowie am Seeufer – also dort, wo am meisten Abfall anfällt. Die Zahl der rund 1000 Abfallkübel auf Stadtgebiet ist seit Jahren ungefähr konstant. Zugenommen hat hingegen ihr Fassungsvolumen: Gab es früher noch viele 60-Liter-Kübel, so fassen heute die meisten 110 Liter.

Manche Kübel scheinen notorisch überfüllt, während andere kaum gebraucht werden. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Standorte aus?

Wir optimieren die Standorte laufend aufgrund der Rückmeldungen unserer Reinigungsteams und nehmen auch Änderungen an der «Abfallkübelinfrastruktur» vor. Ich muss aber auch betonen: Dass einzelne Abfallkübel zeitweise überfüllt sind, lässt sich kaum vermeiden – selbst wenn wir zehnmal pro Tag leeren würden.

Wie häufig werden die Kübel denn geleert?

Das ist je nach Standort sehr unterschiedlich. In der Altstadt werden die Abfallkübel bis zu sechsmal täglich geleert. Wir wissen auch, dass einzelne Standorte beispielsweise immer kurz nach Mittag überfüllt sind. Dort leeren wir jeweils so rasch wie möglich. Das ist immer auch eine Frage der personellen Ressourcen.

Wie soll man sich eigentlich verhalten, wenn man vor einem völlig überfüllten Kübel steht? Soll man die Pizzaschachtel einfach daneben legen – oder muss man sie so lange mit sich herum schleppen, bis man einen anderen Kübel gefunden hat?

Man kann die Schachtel dann durchaus neben den Kübel stellen. Denn man darf davon ausgehen, dass sie nicht lange dort bleibt und bei der nächsten Leerungsrunde beseitigt wird.

Wie hoch ist das Abfallvolumen, das Sie jährlich aus öffentlichen Abfallkübeln sammeln?

Das ist schwierig aufzuschlüsseln, weil die Reinigungsdienste neben den Abfällen beispielsweise auch Laub beseitigen. Genau beziffern kann man die Abfallmenge hingegen für die Fasnacht: Da sammeln wir jeweils rund 110 Tonnen ein.

Braucht es längerfristig noch mehr oder grössere Abfallkübel?

Das ist schwer zu sagen. Derzeit experimentieren wir mit neuen Technologien. So haben wir die am stärksten benutzten Abfallkübel am Quai mit Solarpressen ausgestattet. Das ist zwar ziemlich teuer. Doch dadurch können unsere Entsorgungsrunden besser auf die Bedürfnisse abstimmen.