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Giftstoff in Schulhaus in Ebikon: Wie schlimm ist die Situation wirklich?

Im Ebikoner Primarschulhaus Höfli wurde ein zu hoher Wert des Giftstoffes Naphthalin nachgewiesen. Allerdings sei der Höchstwert unter Bedingungen gemessen worden, die während des normalen Schulbetriebs nicht vorkommen würden. Ein Experte sieht das hingegen anders.
Raphael Zemp
Das Schulhaus Höfli in Ebikon. (Bild: PD)

Das Schulhaus Höfli in Ebikon. (Bild: PD)

Anfang Juni meldete die Gemeinde Ebikon, das Schulhaus Höfli werde geschlossen, der Unterricht ab Herbst in ein Provisorium verlagert. Grund: In den Schulräumen wurden erhöhte Konzentrationen des Schadstoffs Naphtalin gemessen (wir berichteten). Die Gemeinde betonte gleichzeitig, der deutsche Arbeitsplatzgrenzwert sei um ein Vielfaches unterschritten worden. Es bestehe daher keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit.

Der «Blick» schreibt nun aber, die Messungen hätten maximale Konzentrationen von 210 Mikrogramm Naphthalin pro Kubikmeter ergeben, was ein Vielfaches des zulässigen Werts sei. Philip Küttel vom Fachbüro Holinger in Luzern, das die Messung durchgeführt hat, bestätigt die gemessene Maximal-Konzentration. «Allerdings haben wir diese Messung als nicht relevant eingestuft. Diesen Wert haben wir in einem Raum ermittelt, der mit Absicht während 15 Stunden nicht gelüftet wurde und in dem die installierten Geräte zur Raumluftreinigung ausgeschaltet waren. Das ist ein Zustand, den es im normalen Schulbetrieb gar nicht gibt.»

Schadstoffexperte erstaunt über hohe Werte

Stephan Baumann, Schadstoffexperte der Berner Firma Bafob, kommt aber zu einem anderen Schluss. Baumann hat selber schon etliche Naphthalin-Messungen durchgeführt und findet für die Situation im Ebiker Schulhaus klare Worte: «Das sind extrem hohe Werte, die ich mir ehrlich gesagt nicht ganz erklären kann. Unvorstellbar, wie der Unterricht unter solchen Bedingungen funktionieren kann.» Schon eine Konzentration von 10 Mikrogramm sei deutlich zu viel in einem Schulhaus. Mit dem deutschen Arbeitsplatzgrenzwert von 2 Milligramm zu argumentieren, wie dies Vertreter der Gemeinde Ebikon gemacht haben, sei «komplett absurd», da sich dieser auf gesunde Erwachsene bezieht, und nicht auf Kinder. Auch wenn die Höchstwerte unter «Extrembedingungen» ermittelt wurden - die realen Alltagssituationen seien möglicherweise gar nicht so weit davon entfernt, glaubt Baumann. Etwa, wenn in den Schulzimmern nur selten gelüftet wird. Die installierten Luftreinigern würden die Schadstoff-Konzentration zwar tatsächlich reduzieren. Erfahrungen im Raum Bern hätten aber gezeigt, dass diese meist zu laut sind und deshalb im Unterricht angeschaltet blieben.

Gemeinderat will heute informieren

Der Gemeinderat Ebikon hält die Situation für wenig bedenklich. Diese Haltung bekräftigt er auf Anfrage unserer Zeitung erneut. Nach den Sommerferien würden mechanische Lüftungsgeräte installiert, und ab Herbst werde der Unterricht in einen Modulbau verlagert. Der «Blick» habe die Fakten völlig verzerrt und falsche Aussagen gemacht, so der Gemeinderat. Am Freitagnachmittag will der Gemeinderat an einer Medienkonferenz über die Situation informieren.

Das Schulhaus Höfli wurde Anfang der Sechzigerjahre gebaut. Naphtalin wurde in dieser Zeit häufig verwendet. Im Schulhaus Höfli wurde der Stoff im Bereich zwischen dem Beton- und dem Unterlagsboden gefunden. Die Bodenbeläge waren allerdings so gut versiegelt, dass das Gift nicht an die Oberfläche gelangen konnte. Das änderte sich mit der Sanierung im Jahr 2016. Die neuen Bodenbeläge waren offenbar weniger gut isoliert, sodass das darunterliegende Naphtalin austreten konnte. Bemerkbar machte es sich durch einen üblen Geruch, der an Mottenkugeln erinnert. Die unmittelbaren Folgen von erhöhten Naphthalin-Werten können Übelkeit, Entzündungen der Schleimhäute, Verwirrtheit und Atemwegsprobleme sein.

Probleme auch in Littauer Schulhäusern

Probleme mit Schadstoffen in Schulhäusern aus den 60er/70er-Jahren treten immer wieder auf. Das bekannteste Beispiel in Luzern ist das Schulhaus Staffeln in Reussbühl, das 2014 geschlossen und danach abgerissen wurde. Im Staffeln wurden etwa Weichmacher, Flammschutzmittel und polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden. Die Grenzwerte wurden zwar eingehalten, doch Lehrpersonen und Schüler klagten häufig über gesundheitliche Symptome. Deshalb beschloss die Stadt Luzern, das Schulhaus abzureissen. Seit längerem kämpft man auch im Schulhaus Grenzhof in Littau mit erhöhten Naphtalin-Werten. Kürzlich wurde klar, dass sich die Werte trotz diversen Massnahmen verschlechtert haben. Deshalb wird einer der Schul-Pavillons nun geschlossen.

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