Gigantische Fehlplanung

Hieronimus Martinu über familiäre, ausser-luzernischen Pflichten zu Unzeiten

Jerome.martinu@luzernerzeitung.ch
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Hieronimus Martinu. (Bild: pd)

Hieronimus Martinu. (Bild: pd)

Man hats ja per se nicht immer leicht als passionierter Fasnächtler. Aber mit einer gewissen Routine kann man die bissigen Sprüche der Anti-Front tolerant wegstecken. Und doch gibt es Grenzen! Zum Beispiel für den heutigen Tag, dem seit Jahren immer kreativer, lässiger, publikumsintensiver werdenden Rüüdigen Samschtig. UND ICH BIN HEUTE NICHT MAL MIT DABEI! Der Grund für diesen eigentlich kategorisch ausgeschlossenen Sonderfall: eine katastrophale Fehlplanung. Man könnte sogar von geradezu gigantischer interkantonaler Inkompetenz reden wir sind just am heutigen Fasnachtssamstag an einer Familiengeburtstagsfeier im Bündnerland eingeladen.

Meinem wohl in leicht schockiertem Unterton formulierten Hinweis an die Adresse der Einladenden, dass in Luzern an diesem Termin aber Fasnacht sei, folgte die politisch völlig inkorrekte Replik: «Ah ja. In Chur gibts übrigens auch eine Fasnacht.» Tsts. Soll das bitteschön ein ernsthaftes Argument in der Waagschale einer Güterabwägung darstellen? Also für mich riecht das eher nach Kampfansage.

Aber am Ende war die Diskussion natürlich zu Recht kurz und schmerzlos: Wenn die Gotte des Sohnes meiner Schwiegermutter feiert, bin ich dabei. Familienbande. Der virale Rüüdig-Infekt muss in einem solchen Fall (wenns nicht anders geht, mit Medikamenten) betäubt werden. Einen 60. Geburtstag feiert man nur einmal, Fasnacht ist und das ist unumstösslich – alle Jahre wieder.

Schweren Fasnachtsherzens ziehe ich heute also in die südlichste Stadt nördlich der Alpen. Aber nur, weil ich die Gewissheit habe: Den Rüüdigen Samschtig gibts auch 2016 wieder. Und es wird der beste seit eh und je werden. So wie jedes Jahr. Happy Birthday!