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GLAUBE: Von Nebikon ins Nirwana

Die einstige «Pinte» ist heute der Vereinssitz der Indochina-Buddhisten. Was von aussen noch immer wie eine Beiz aussieht, führt im Innern nach Fernost.
Evelyne Fischer
Abt Bhiksu Thich Nhu Tu während der Zeremonie des buddhistischen Vollmondfestes. (Bild: Nadia Schärli (Nebikon, 3. März 2018))

Abt Bhiksu Thich Nhu Tu während der Zeremonie des buddhistischen Vollmondfestes. (Bild: Nadia Schärli (Nebikon, 3. März 2018))

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Wo früher die Flohguugger zur Jassmeisterschaft luden und die Männerriege ihre Generalversammlung abhielt, haben Buddhisten den Teppich ausgerollt. In der einstigen Gaststube der «Pinte» in Nebikon knien sie auf orangen Kissen, viele im grauen Gewand. Gegen 80 sind es an diesem Samstag, über 200 waren es an Neujahr, das – dem Mondkalender folgend – Mitte Februar stattfand. Die Hände sind gefaltet, die Blicke zu ihrem Zufluchtslehrer gerichtet: Bhiksu Thich Nhu Tu, ein Mönch im currygelben Kleid, der Kopf kahlrasiert.

Zu seiner Rechten thronen Buddha-Statuen auf einem Altar, zu ihren Füssen Früchte in Opferschalen, rundherum Teelichter, Rosen und Orchideen. Auf der Fensterbank türmen sich Gebetbücher, der Pali-Kanon, ihre Bibel. «Nam mô A di dà Phât» steht in goldenen Lettern auf einem Transparent – «Ich bitte um Zuflucht bei Buddha». Wer sich dem Nirwana annähern, den Kreislauf der Wiedergeburt verlassen und das Ziel der Heilslehre erreichen will, muss seine Glaubens- und Lebenspraxis auf drei Pfeiler stellen: auf Buddha (den erwachten Prinzen), Dharma (die Lehre) und Sangha (die Gemeinschaft).

Verein mit 550 Mitgliedern

Die «Pinte» ist seit Ende 2016 im Besitz des Vereins der Indochina-Buddhisten in der Schweiz. Ein Zusammenschluss von rund 550 vietnamesischen Buddhisten, gegründet 1993. Laut Schätzungen des Dachverbands, der Schweizerischen Buddhistischen Union, leben hierzulande rund 40 000 Gläubige, davon etwa 4000 bis 5000 vietnamesischer Herkunft.

Einmal pro Monat lädt der Verein, der sich durch Spenden finanziert, zum Vollmondfest – in Anspielung an die Erleuchtung Buddhas. Sonntags soll es künftig eine Meditation geben. Bhiksu Thich Nhu Tu weist Gläubigen den Weg ins Paradies. Mit Gesang, Gebet und – dem gelegentlichen Kichern nach zu urteilen – mit Predigten, denen es an Schalk nicht mangelt. Der Abt lebt seit drei Jahren in der Schweiz. Er bringt jungen Gläubigen Vietnamesisch bei und führt sie in die Rituale ein. «Kultur und Glaube an den Nachwuchs weiterzugeben, ist keine leichte Aufgabe», sagt er beim Gespräch vor der Zeremonie. «Es ist wichtig, einen Tempel zu haben, in dem wir die Tradition pflegen können.» Noch lässt ihn sein Deutsch ab und an im Stich. Ein weiterer Sprachkurs steht bevor.

Während der Abt an einer Tasse Grüntee nippt, kreischt im oberen Stock eine Säge. In Fronarbeit wird Zimmer um Zimmer hergerichtet, um Gläubigen, die aus allen Ecken der Schweiz anreisen, bei Bedarf ein Bett anbieten zu können. Männer verlegen Böden, derweil ihre Frauen fürs Gemeinschaftsmahl sorgen. Unter der Woche packt selbst der Abt mit an. Auf die Frage, was schwieriger sei – Predigen oder Gipsen –, lacht er und streckt die Hände entgegen: Sie haben in den letzten Monaten gelitten.

Noch viel Arbeit wartet im Keller, wo künftig der Toten gedacht wird. Fast fertig hingegen ist der Gebetsraum; etwa an der laufenden Heizung zu erkennen. Beim Verspeisen der Nudelsuppe nebenan behielten viele die Jacke an. Im Sommer 2019 will der Verein offiziell zum Tag der offenen Tür einladen. Zwei Jahre später als einst gedacht. «Besuch ist bei uns aber schon jetzt herzlich willkommen», sagt der Abt.

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