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Glitzer, Glamour und Geldflüsse: Luzerner Modeschau erhält Geld von Gönnerverein der Pro Senectute

Der Fashion Day im KKL erhält jedes Jahr 15'000 Franken vom Gönnerverein der Pro Senectute Kanton Luzern. Die Verantwortlichen sehen darin kein Problem, die Zertifizierungsstelle schon.
Alexander von Däniken
Models auf dem Laufsteg am Fashion Day im Luzerner KKL.Bild: Pius Amrein (21. September 2019)

Models auf dem Laufsteg am Fashion Day im Luzerner KKL.Bild: Pius Amrein (21. September 2019)

Seriös und fast schon altehrwürdig: So lässt sich die Non-Profit-Organisation Pro Senectute beschreiben. Seit 100 Jahren kümmert sich die Stiftung im Kanton Luzern ums Wohl der Senioren. Rund die Hälfte der jährlichen Einnahmen von knapp 11 Millionen Franken stammen von der öffentlichen Hand – von der AHV, dem kantonalen Zweckverband für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung, vom Kanton und den Gemeinden.

Regelmässige Beiträge stammen ausserdem vom Club Sixtysix, einem Gönnerverein mit gemäss Jahresbericht 3845 Mitgliedern. Der statuarische Auftrag des Gönnervereins ist klar: die finanzielle Unterstützung der Pro Senectute Kanton Luzern. Wie nun Recherchen unserer Zeitung zeigen, flossen trotzdem wiederholt Gelder vom Club Sixtysix an eine Organisation, die mit dem Wohl von Senioren eher wenig zu tun hat.

Warnungen mehrfach ignoriert

Empfängerin der Gelder im Umfang von jeweils 15'000 Franken pro Jahr ist LU-Couture. Die Organisation bildetet jedes Jahr junge Menschen zu Bekleidungsgestalterinnen und -gestaltern aus, entwirft eigene Mode und feiert jeweils im Oktober den Fashion Day im Luzerner KKL – mit Kurt Aeschbacher als Moderator und 900 Besuchern. Für diese Modeschau wird der Beitrag jeweils explizit ausgerichtet.

Die Höhe des Beitrags ist den wenigsten Mitgliedern des Clubs Sixtysix bekannt, wie mehrere Quellen unserer Zeitung erklären. Intern wurde das Vereinspräsidium indes mehrfach vor der Zweckentfremdung gewarnt. Im letzten April trat deshalb auch die externe Revisionsstelle per sofort zurück. «Wir erachten die wiederholte Unterstützung der LU-Couture mit Mitteln des Vereins als nicht mit dem Vereinszweck vereinbar», lautete die klare Begründung.

Die Unterstützung geht mindestens bis ins Jahr 2015 zurück. Damals wurden 20'000 Franken gesprochen. Wie eine vertrauliche, interne Risikoanalyse für die Pro Senectute aus jenem Jahr zeigt, wurde schon damals dringend der Rückzug des Engagements empfohlen. Zumal von einem ursprünglich vorgesehenen Tanznachmittag des Clubs Sixtysix im Rahmen der Modeshow nichts mehr übrig geblieben sei. Das Dokument liegt unserer Zeitung vor.

Unterstützung nicht nur finanzieller Art

Aus dem Dokument geht ebenfalls hervor, dass LU-Couture nicht nur finanziell profitieren konnte. In der Pro-Senectute-Zeitschrift Zenit wurde in Inseraten für den Fashion Day geworben und seitens Pro Senectute gab es auch personelle Unterstützung. Sogar eine Defizitgarantie bis 25000 Franken wurde vereinbart. Gegenleistungen – etwa Spendenaufrufe am Fashion Day – gab es hingegen nicht.

Die Risikoanalyse hat drei Problempunkte verortet: «1. Zweckentfremdung/Entzug von Spenden- und anderen stiftungszweckbestimmten Mitteln sowie weiteren Ressourcen von Pro Senectute in erheblichem Umfang, Täuschung von Mitgliedern, Spenderinnen und Spendern des Club Sixtysix sowie der Öffentlichkeit. 2.Selbst-Disqualifikation der Mittelbeschaffungsbemühungen von Pro Senectute Luzern bei Privaten und öffentlicher Hand, fehlende Vertrauenswürdigkeit.»

Ida Glanzmann. (Bild: Keystone)

Ida Glanzmann. (Bild: Keystone)

Der dritte Punkt betrifft «missbräuchliches Ausnutzen von Ämterkumulationen» und ist wohl gleichzeitig die mögliche Erklärung für das heikle Engagement. Denn Stiftungsratspräsidentin von Pro Senectute Kanton Luzern ist die Altishofer CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann. Sie amtet auch als Präsidentin des Gönnervereins Club Sixtysix – und ist Verwaltungsratspräsidentin von LU-Couture.

Eine weitere Verbindung findet sich im ehemaligen Geschäftsleiter von Pro Senectute Kanton Luzern: Peter Dietschi ist Stiftungsratsmitglied der Senioren-Organisation, im Vereinsvorstand des Clubs Sixtysix und Verwaltungsratsmitglied bei LU-Couture.

Gönnerverein rechnet separat ab

Fachleute machten die Führungsriege darauf aufmerksam, dass es eigentlich eine konsolidierte Rechnung von Pro Senectute und Club Sixtysix brauche. Eine Quelle äussert einen Verdacht, weshalb sich der Stiftungsrat von Pro Senectute bisher dagegen gewehrt hat: «Dann wäre der Geldfluss an LU-Couture im öffentlichen Jahresbericht ersichtlich.»

Das wiederum hätte wohl die Zewo auf den Plan gerufen. Die als Stiftung organisierte Zertifizierungsstelle prüft, ob Schweizer Non-Profit-Organisationen ihre Spendengelder richtig einsetzen – und verleiht ein Gütesiegel, wenn 21 verschiedene Standards erfüllt werden. Auch die Pro Senectute Kanton Luzern schmückt sich mit dem Gütesiegel. Derzeit läuft gerade die turnusgemässe Rezertifizierung.

Von unserer Zeitung auf das Engagement der Pro Senectute angesprochen, sagt Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer:

«Es gibt tatsächlich Ungereimtheiten, denen wir im Rahmen der aktuellen Prüfung nachgehen.»

Mehr könne sie mit Verweis auf das laufende Verfahren derzeit nicht sagen.

Ida Glanzmann weilt derzeit in den Ferien, richtet aber aus, dass alles seine Richtigkeit habe:

«Nach der Risikoanalyse 2015 kamen wir zum Schluss, dass das Engagement rechtens ist.»

Das Geld gehe nicht an LU-Couture, sondern an einen Verein, welcher den Fashion Day organisiere. Dort habe der Club Sixtysix die Möglichkeit, an einem Stand um neue Mitglieder zu werben.

Der Fashion Day habe im Namen zudem den Zusatz «for Generations»: «Es treten auch ältere Models auf.» Auch stelle LU Couture Kleidung für ältere Menschen her. Die Mitglieder des Clubs Sixtysix könnten dabei von einem Rabatt profitieren. «Es ist also eine Win-win-Situation.»

Der ehemalige Pro-Senectute Geschäftsführer Peter Dietschi ergänzt, dass am Fashion Day auch schon ein Video über den Club Sixtysix gezeigt worden sei, und sagt:

«Nach einem Anlass können bis zu 100 Neumitglieder verzeichnet werden.»

Es handle sich also um eine Partnerschaft. Dass die Stiftungsrechnung nicht mit dem Club Sixtysix konsolidiert werde, hat laut Dietschi mit «voneinander unabhängigen Organisationen» zu tun.

Die Risikoanalyse aus dem Jahr 2015 sei «nicht objektiv und unsachlich». Glanzmann und er seien zwar in den verschiedenen Vorständen, «aber stets im Namen der Sache», so Dietschi. «Immerhin werden überwiegend Projekte von Pro Senectute finanziell unterstützt», so Peter Dietschi. Er wie Glanzmann würden sich ehrenamtlich in diesen Organisationen engagieren.

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