GLP-Vorstoss
Luzerner Regierung ist gegen anonymisierte Bewerbungsverfahren

Wer sich auf eine vom Kanton Luzern ausgeschriebene Stelle bewirbt, soll dies in einem anonymisierten Verfahren tun können. Diese Forderung von GLP-Kantonsrat Mario Cozzio kommt bei der Regierung schlecht an.

Lukas Nussbaumer
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Wer eine Stelle sucht und sich beim Kanton für eine solche bewirbt, soll dies gemäss GLP-Politiker Mario Cozzio anonym tun können.

Wer eine Stelle sucht und sich beim Kanton für eine solche bewirbt, soll dies gemäss GLP-Politiker Mario Cozzio anonym tun können.



Symbolbild: Manuela Jans/ Luzerner Zeitung

Schweizerinnen und Schweizer mit Migrationshintergrund müssen laut einer Studie der Uni Neuenburg bis zu 40 Prozent mehr Bewerbungen schreiben, um eine Einladung zu einem Gespräch zu erhalten. Der Surseer GLP-Kantonsrat Mario Cozzio verlangte deshalb von der Regierung zu prüfen, ob ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren für Kantonsangestellte umsetzbar sei. Für den seit dem vergangenen Mai im Kantonsrat politisierenden Versicherungsexperten selber ist die Realisierung locker möglich, wie er in seinem Postulat schreibt: Ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren sei im elektronischen Zeitalter «eine einfach umsetzbare Lösung».

Das sieht die Regierung dezidiert anders, wie die vom für Personalfragen zuständigen Finanzdepartement verfasste Antwort zeigt. Die Umsetzung des Anliegens wäre demnach «keineswegs verhältnismässig einfach umsetzbar». Wolle man jede der jährlich rund 10'000 Bewerbungen anonymisieren, seien dafür nämlich 1,5 Stellen notwendig, rechnet das Departement vor. Auch für Interessentinnen und Interessenten an Kantonsstellen wäre ein anonymisiertes Verfahren aufwendiger, was laut Einschätzung des Finanzdepartements fähige Leute gar von einer Bewerbung abhalten könnte. Dem Kanton Luzern würden so vielversprechende Bewerbungen gerade in Bereichen, wo ein Fachkräftemangel bestehe, entgehen.

Führungskräfte sind auf Vorurteile sensibilisiert

Auch weitere Gründe würden gegen die Forderung der GLP sprechen. So seien die Führungskräfte der kantonalen Dienststellen auf unbewusst mitschwingende Vorurteile bei der Auswahl der Bewerber sowie der Besetzung von Stellen sensibilisiert und geschult und würden sich für Chancengleichheit einsetzen.

Der Kanton als Arbeitgeber sei ausserdem seit langem bestrebt, mit einem professionellen Verfahren die geeigneten Bewerberinnen und Bewerber zu gewinnen und dabei die Chancengleichheit zu gewähren. Deshalb sei auf die Einführung von zusätzlichen Verfahrensschritten, die Verzögerungen bewirken und zusätzliche Ressourcen binden würden, zu verzichten.