GNAGIZUNFT: Das Gnagikorps hat noch Fleisch am Knochen

Es ist ein Brauch nach alter Väter Sitte, der aber auch bei der 88. Ausgabe noch für Überraschungen gut ist: Zum Gnagifrass gab es diesmal nebst Kartoffeln und Sauerkraut auch Nudeln.

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Der Führungsstab der Gnagizunft (von links): Fourier Liechti, Korpskommandant Bürgi und Oberst Pfister. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Der Führungsstab der Gnagizunft (von links): Fourier Liechti, Korpskommandant Bürgi und Oberst Pfister. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Drei Stück. Am Hut von Hans Pfister. Der Schatzmeister der Gnagizunft trat als Oberst in Erscheinung, Landschreiber Urs Liechti als Fourier und Gnagivater Ruedi Bürgi als besternter Korpskommandant. Zum Motto «Armeechef Bürgi» waren die alten Uniformen aus dem Krienser Militärmuseum angemietet worden. Um dem Militär keine Schande anzutun, hatte Bürgi sich in einer Schnellbleiche vom (echten) Ex-Korpskommandanten Beat Fischer instruieren lassen, wie man nach Trommelklang und Fahnenmarsch die mit Gabel und Messer und notfalls dritten Zähnen bewaffnete Gnagidivision korrekt übernimmt. Fischer, der unter den Gästen war, bescheinigte Bürgi später, es praktisch perfekt gemacht zu haben.

Gegengnagiessen der SVP
Das Prädikat «perfekt» kann man für die ganze Schweinerei grosso modo stehen lassen, die am Montagabend im prallvollen Panoramasaal des Casinos abgewickelt wurde. 447 Mann waren dem Marschbefehl gefolgt. Weitere wären gerne dabei gewesen, unter anderem sämtliche Vertreter der städtischen SVP-Fraktion, die aber bei der Rekrutierung teils durchgefallen waren. Nur aus Platzgründen, wie Bürgi beteuerte. Scheints kam es gestern Abend im Wirtshaus zur Schmiede aber doch zu einem Gegengnagiessen unter den SVP-Brüdern. Wie das WEF oder der G-8-Gipfel hat nun also auch das Gnagiessen verdientermassen seine Alternativveranstaltung.

Gnagi im Überfluss
An Gnagi für alle hätte es am Montag kaum gefehlt. Nachdem es letztes Jahr zu gewissen Versorgungsengpässen gekommen war, wurde diesmal aus dem Vollen geschöpft. Wir fragten bei Hermann und Pius Suter von der Odo-Metzgerei mehrfach nach, wie viele Gnagi ins Casino geliefert worden seien. Je später der Abend, umso verwirrlicher wurden die Angaben. 2000, 3000. Unser Vorschlag, dass wir halt 5000 Stück schreiben würden, konterte Pius Suter souverän: «Da man einer Zeitung höchstens die Hälfte glauben kann, geht das ungefähr auf.»

2300 sollen es effektiv gewesen sein. Wo die nur hingekommen sind? 2300 würden einen Schnitt von über fünf pro Nase ergeben. Standard waren am Montag drei (früher zwei). Zwar gab es schon Gefrässige, die weiter zulangten, andere aber kapitulierten bereits nach zwei oder gar nur einem. Ein Fünferschnitt? Vergiss es.

Gepfefferte Worte
Gut im Biss waren auch die (wenigen) Wortbeiträge. Etwas schmerzlich vermissten die Kenner das Verhauene und Verquere. Wortbeiträge also, deren Witzgehalt allen ausser dem Vortragenden selber verschlossen bleiben. Jedenfalls kam der zwischenhinein gerne gnagi-, pardon: gnadenlos sich gebende Sauhaufen nicht dazu, jemand niederzusingen oder auszubuhen. Walter Wettach glänzte mit einer Ode an den Gnagivater, den man doch bitteschön zum Ehrendoktor ernennen solle. Anton F. Steffen, mit Gitarre angetreten, hatte in seiner Schnitzelbank ein paar Gepfefferte drin, stellte klar, dass Littau auch nach der Fusion einfach ein Kaff sei. Landschreiber Liechti spritzte fleissig nach allen Seiten, erntete aber nicht unerwartet am meisten Applaus, als es gegen Miroslav und Dragomir und ihre Schweizer Pässe ging, mit denen jede Schlägerei noch schöner werde.

Grandioser Pfisterhans
Die Krone setzte dem Abend aber Hans Pfister auf. Der Mann kann es einfach. Auf einen Spruch wie «Wer andern eine Grube gräbt, ist ein Schwingruber» muss man erst einmal kommen (der Gemeinte hatte sich kurzfristig abmelden müssen). Gut gegeben auch der Vers über den ledigen Toni Brunner, der auf Brautschau womöglich mal in Kriens landet und dort seiner Fraktionskollegin zuhauchen könnte: «Yvette, i hätt es Happy-Bett!»

Es gab stehenden Applaus für Pfister. Die Ranzen waren danach wohl zu schwer, sich pflichtschuldigst für die «Alten Kameraden» der Fortissimo-Musig ein zweites Mal zu erheben. Ruedi Bürgi sprach trotzdem vom «besten Gnagiessen aller Zeiten» und zeigte sich gestern versöhnlich willens, der Einladung in die «Schmiede» zu folgen und die SVP-Spitzenpolitiker auf- und heimzusuchen. Als Geschenk hat er womöglich die 400 Gnagi mitgenommen, die im Casino übrig geblieben sind.

Hans Graber