Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar

Gönner haben ein Anrecht auf Transparenz

Alexander von Däniken, Ressortleiter Kanton, zur Krise in der Schweizer Paraplegiker-Gruppe in Nottwil
Alexander von Däniken, Leiter Ressort Kanton

Mit 1,8 Millionen Gönnern ist die Schweizer Paraplegiker-Stiftung die zweitgrösste Non-Profit-Mitgliederorganisation der Schweiz. Nur die Rega ist grösser als die in Nottwil ansässige Stiftung. Gemeinnützigkeit verpflichtet: Die Gönner haben ein Anrecht auf zweckmässigen Einsatz ihrer Beiträge und entsprechende Transparenz. Diese wirkt unter dem Dach der Paraplegiker-Stiftung allerdings milchig.

Jahrelang hat der Direktor der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) ein zu hohes Salär bezogen. Mit 410 000 Franken pro Jahr verdiente SPV-Direktor Thomas Troger beinahe so viel wie sein Amtskollege Hans Peter Gmünder, der Direktor des Paraplegiker-Zentrums (467 415 Franken pro Jahr). Zum Vergleich: Gmünder steht 1100 Angestellten einer international anerkannten Spezialklinik vor, Troger deren 60 Festangestellten, die sich in einem Dachverband um Rollstuhlsport, Rechtsberatung und Freizeitaktivitäten der Querschnittgelähmten kümmern. Die Löhne der Direktoren hat die Stiftung erst im letzten Herbst offengelegt. Und damit den wichtigen, öffentlichen Diskurs erst ermöglicht. Zum Vergleich: Die Rettungsflugwacht stellte sich schon 2013 der Diskussion. Der damalige CEO-Lohn lag bei bis zu 500 000 Franken. Das aber bei einem Hauptverantwortlichen bei einer Institution mit über 3 Millionen Gönnern. Ob der CEO-Lohn mittlerweile gesenkt wurde, gibt die Rega auf Anfrage nicht bekannt. Ausgewiesen werde nur die Gesamtvergütung der Geschäftsleitung. Die Löhne würden periodisch überprüft.

Zurück zur Paraplegiker-Vereinigung: Diese hatte im letzten Herbst mit der Paraplegiker-Stiftung zwar kommuniziert, den Lohn des SPV-Direktors schrittweise auf 296 000 Franken pro Jahr zu kürzen. Das ist löblich. Geradezu unverständlich ist, was danach folgte. Nachdem unsere Zeitung Kritik rund um die Amtsführung von Thomas Troger publik machte – und damit der Druck auf seine Person grösser wurde – teilte die Vereinigung mit, das Arbeitsverhältnis mit ihrem Direktor aufzulösen. Sie tat dies mittels einer kleinen Meldung auf ihrer Website und Briefen an die 27 Rollstuhlclubs, welche die Delegierten des Vereins stellen. Anders als auf der Website wurde in den Briefen korrekterweise die vorzeitige Pensionierung erwähnt.

Über die Bedingungen der Frühpensionierung schwieg sich die Vereinigung vorerst aus. Schliesslich ist Thomas Troger dieses Jahr 57, gemäss Vorsorgereglement ist die Frühpensionierung erst mit 60 Jahren möglich. Erst im Nachgang zur Delegiertenversammlung kommunizierte die Vereinigung, dass Troger bis zu seiner offiziellen vorzeitigen Pensionierung jährlich 91 000 Franken als Überbrückungsrente erhält. Und zwar ab dem Zeitpunkt, wenn sein Nachfolger gefunden ist.

Gemäss dem direkten Vorgesetzen von Thomas Troger, Christian Betl, wurde diese Überbrückungsrente mit der Schweizer Paraplegiker-Stiftung abgesprochen. Das passt ins Bild einer Stiftung, die als Dach und Hauptglied der Paraplegiker-Gruppe den Ernst der Lage noch nicht vollumfänglich begreift. Zwar schien die Stiftung auf den Weggang Trogers eingewirkt zu haben. Sie begnügte sich danach aber allzu oft mit der Rolle als Organisation, die ihrer Schwester nichts vorschreiben könne. Zum Beispiel hatten an der Mitgliederversammlung der Gönner-Vereinigung (sie verwaltet als Finanzorganisation der Stiftung die Gelder) Anträge zur Causa Troger nur konsultativen Abstimmungscharakter.

Natürlich kann es von Vorteil sein, wenn die Macht möglichst stark auf die einzelnen Bereiche einer Institution verteilt wird. Die Grenzen dieser Strategie werden aber dann überschritten, wenn einer dieser Bereiche – hier die SPV – der ganzen Gruppe einen Imageschaden zufügt. Längst nicht alle Gönner wissen um die konkreten Unterschiede zwischen Paraplegiker-Forschung, Stiftung, Zentrum und Vereinigung. Das zeigen Zuschriften besorgter Gönner an unsere Zeitung.

Was es jetzt braucht, ist ein Durchgreifen der Stiftung nach innen – und volle Transparenz nach aussen. Die 1,8 Millionen Gönner haben schliesslich ein Anrecht darauf, zu wissen, was mit ihrem Geld passiert. Immerhin stammen knapp 6,5 Millionen Franken des letztjährigen Betriebsertrags der SPV von der Stiftung – und damit auch von den Gönnern. Damit sind wir bei einem Strukturproblem. Es wurde in den letzten Monaten besonders deutlich. Die Gönner zahlen ihren jährlichen Beitrag (45 Franken für Einzelmitglieder, 90 Franken für Ehepaare und Familien) an die Gönner-Vereinigung. Diese ist als Verein mitsamt Statuten organisiert – und leitet das Geld an die Stiftung weiter. Diese wiederum hat den Stiftungsrat als oberstes Organ – und verteilt die Gönnerbeiträge an das Zentrum, die Forschung und die SPV. Nun ist auch die Macht der Stiftung beschränkt. Im Stiftungsrat sitzen Vertreter von Zentrum, Forschung und Vereinigung. Thomas Troger hatte über seine Vorgesetzten viel Einfluss im Stiftungsrat – mit den bekannten Folgen.

Die Schweizer Paraplegiker-Gruppe ist unbestritten eine wichtige Institution. Sie muss sich aber reformieren. Ein Direktorenwechsel bei der SPV reicht dafür nicht aus.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.