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Gott musste ihn fast dazu zwingen

Der neue Pfarrer der reformierten Lukaskirche in Luzern, Markus Sahli (59), hatte ursprünglich einen ganz anderen Berufswunsch. Er will, dass die Leute wieder vom Evangelium berührt werden.
Roman Hodel
Pfarrer Markus Sahli vor der Lukaskirche. (Bild: Philipp Schmidli/Luzern, 26. April 2018)

Pfarrer Markus Sahli vor der Lukaskirche. (Bild: Philipp Schmidli/Luzern, 26. April 2018)

Wenn Markus Sahli am Sonntag um 10 Uhr seinen ersten Gottesdienst als neuer reformierter Pfarrer in der Luzerner Lukaskirche hält, dürfte sein Gesicht dem einen oder anderen Gläubigen bekannt vorkommen. Der 59-Jährige hat hier schon mehrfach gepredigt. Allerdings «nur» als Stellvertreter. Das ändert sich nun. Sahli ist der Nachfolger der langjährigen, im letzten August in Frühpension gegangenen Pfarrerin Heidi Müller (wir berichteten). Er wird das Pfarramt zusammen mit Pfarrerin Verena Sollberger und Diakonin Yvonne Lehmann führen.

«Ich will es jetzt noch einmal wissen», sagt Sahli, der das Pfarramt und damit die Arbeit an der Basis als Kür im kirchlichen Dienst bezeichnet. «Denn zur Kirche zu gehören ist in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich.» Das kann man wohl sagen. Die Landeskirchen verlieren Jahr für Jahr Mitglieder. Die Reformierten noch etwas mehr als die Katholiken, weil sie weniger von der Migration profitieren. «Der Glaube muss im konkreten Leben der Menschen andocken können», ist Sahli überzeugt. Diesbezüglich sei auch er manchmal ein Suchender. «Besuche ich einen Gottesdienst, in welchem die ewig gleichen Formeln wiederholt werden, habe ich das Gefühl, das passt selbst nicht mehr in mein Leben.»

«Wo finde ich Gewissheit, etwas wert zu sein?»

Die Kernbotschaft der Reformierten laute zwar, man könne in Freiheit vor Gott stehen, brauche dafür keine Vermittlungsinstanz. «Doch diese Frage nach der Rechtfertigung des Sünders ist heute kaum mehr ein Thema.» Aber was dann? Es gehe um Vertrauen, um das Bestehen in unserer Leistungsgesellschaft, aber auch um Stille und Langsamkeit. «Wir müssen uns heute ständig vermarkten, im Job oder in den sozialen Medien – wo finde ich die Gewissheit, etwas wert zu sein, selbst wenn ich nicht der Beste bin?», fragt Sahli. Hier komme die Spiritualität ins Spiel. Die Leute sollen aber nicht «belehrt werden» vom Pfarrer, sondern «berührt werden» vom Evangelium in dieser schnellen und lauten Welt.

Eine Welt, die so anders war, als Sahli vor 59 Jahren geboren wurde; in Freiburg, einer ebenfalls sehr katholischen Stadt wie Luzern. «Wir Reformierten lebten dort damals in einer Parallelkultur», erinnert er sich. Die Mutter habe beim reformierten Bäcker und Metzger eingekauft. Es gab extra reformierte Männer- oder Jodlerchöre – und im Gegenzug dafür ein «innerprotestantisches Gemeinschaftsgefühl», wie es Sahli ausdrückt. «Das Bewusstsein, in einer Minderheit aufzuwachsen, hat mich geprägt.» Entsprechend sei ihm das Leben in der Diaspora vertraut. «Auch wenn die Situation heute völlig anders, viel offener ist.»

«Der Glaube muss im konkreten Leben der Menschen andocken können»

Sahli sagt, er habe stets positive Erfahrungen mit den Katholiken gemacht, die Ökumene etwa ist ihm ein grosses Anliegen. «Die eucharistische Gastfreundschaft beispielsweise ist für uns Reformierte kein Problem – katholischerseits ist das andere Amtsverständnis die grosse Hürde.» Handkehrum könnten die Reformierten etwas lernen von ihren «katholischen Brüdern und Schwestern», wie er es sagt: «Katholische Gottesdienste haben etwas sehr Ästhetisches.» Und die Gemeinschaft spiele eine viel tragendere Rolle als bei den Reformierten.

Wer studiert, hat keinen Chef vor der Nase

«Der liebe Gott» habe ihn ohnehin «fast dazu zwingen müssen», einen theologischen Weg einzuschlagen, sagt der verheiratete Sahli mit einem Schmunzeln. Ursprünglich wollte Sahli Schreiner werden. «Doch mein Vater fand, ich solle studieren, damit ich später keinen Chef vor der Nase hätte.» Nach dem Staatsexamen folgte die erste Stelle als Gemeindepfarrer im Kanton Freiburg. Später amtete Sahli als theologischer Sekretär des Kirchenrats im Aargau, dann in mehreren Funktionen beim Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und schliesslich die letzten acht Jahre als theologischer Leiter des Seminarhotels und Bildungshauses «Kloster Kappel».

Viel Erfahrung, die Markus Sahli nun in seine neue Tätigkeit einbringen will. Schon jetzt schwärmt er von den vielen neuen Begegnungen, von der Lukaskirche, «die so selbstbewusst mitten in der Stadt steht» und von der «fantastisch klingenden» Orgel. Sahli sagt, er wolle das Leben mit den Luzernerinnen und Luzernern teilen, aber manchmal auch ausschwärmen – in die Alpen, in den Jura oder Schwarzwald. Und zwar mit seinem 1200er BMW. Denn der Pfarrer ist ein passionierter Töfffahrer. Dieses Unmittelbare, Direkte, das fasziniert ihn beim Töfffahren. Unmittelbar, direkt – genauso wie im Pfarramt.

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