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GOTTHARD: Neat: SBB schieben Luzern aufs Abstellgleis

Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember fährt der erste direkte Zug von Luzern ins Tessin vier Stunden später. Stadt, Kanton und Kunden haben keine Freude.
Christian Glaus
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Christian Glaus

Einen Zeitgewinn von rund 30 Minuten: Das versprechen die SBB mit der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels im Dezember dieses Jahres. Davon profitieren auch die Luzerner – doch dafür müssen sie auf Komfort verzichten.

Der Grund: Ab Dezember gibt es statt acht noch sieben Direktverbindungen, und der erste direkte Zug fährt deutlich später. Gemäss Fahrplanentwurf kommt man erst um 10.18 ohne Umsteigen nach Lugano (ICN Basel–Lugano). Wer vorher Richtung Süden reist, muss in Arth-­Goldau auf den Schnellzug umsteigen, der von Zürich via Gotthard-Basistunnel ins Tessin fährt. Oder via Erstfeld über die Bergstrecke bis Bellinzona. Gestrichen wurde der morgendliche Eurocity, der von Luzern nach Mailand fährt. Die erste Direktverbindung Luzern–Mailand gibt es erst nachmittags um 16.18 Uhr. Der Zug kommt um 19.45 Uhr in Mailand an – das reicht gerade noch fürs Abendessen und die Übernachtung in einem Hotel. Nostalgiker suchen auch vergeblich eine direkte Verbindung von Luzern über die Bergstrecke ins Tessin. Eine solche gibt es gemäss Fahrplanentwurf nur einmal täglich von Zürich aus (7.40 Uhr, nur vom 15. April bis 29. Oktober).

Deutlich besser weg kommen die Zürcher: Sie haben täglich 17 Direktverbindungen ins Tessin, teilweise sogar im Halbstundentakt. Darunter sind acht Eurocity-Züge, die bis Mailand fahren.

Pro Bahn: «Markanter Abbau»

Diese ungleiche Verteilung an guten Verbindungen führt zu Kritik: In Luzern fühlt man sich wie auf dem Abstellgleis. Romeo Degiacomi, Vizepräsident von Pro Bahn Zentralschweiz: «Die Fahrplanänderungen sind gar nicht gut für die Region. Sie bringen erneut einen markanten Angebotsabbau mit sich.» Als Beispiel nennt er einen Reisenden aus der Region Sursee: Dieser muss künftig mindestens dreimal umsteigen, wenn er nach Locarno will, nämlich in Luzern, Arth-Goldau und Bellinzona (direkte Schnellzüge nach Locarno wird es nicht mehr geben). Noch 2003 gab es einen «Riviera-Express» von Basel mit Halt in Sursee, Luzern bis nach Milano, Genua, Ventimiglia und Nizza.

Durch den Abbau werde der Knoten Luzern geschwächt, sagt Degiacomi. Enttäuscht ist er auch darüber, dass es ab Luzern keine direkte Verbindung über die Bergstrecke gibt. Wer die berühmte Kirche von Wassen sehen will, muss in Erstfeld umsteigen – und je nach Destination nochmals in Bellinzona, wo der Regio-Express aus Erstfeld endet. «Mit diesem lieblosen Konzept verliert man zwangsläufig noch mehr Fahrgäste, und die Bergstrecke wird absichtlich unattraktiv gemacht», so Degiacomi. «Wir fordern seit zwei Jahren, dass es auf der Bergstrecke einen direkten ‹Treno Gottar­do› von Luzern nach Locarno gibt, mit bequemem Rollmaterial und genügend Platz für Velos und Gepäck. Leider stiessen wir damit auf taube Ohren.»

Auch der Verkehrsverbund Luzern (VVL) und die Stadt Luzern haben keine Freude am Entwurf der SBB. Daniel Meier, Leiter des städtischen Tiefbauamts, findet deutliche Worte: «Es ist unhaltbar, dass das Bahnangebot nach Milliardeninvestitionen am Gotthard schlechter wird als vorher.»

VVL will Zug nach Lugano verlängern

Der VVL setzt sich dafür ein, dass Luzern bessere Verbindungen erhält. Konkret fordert er, den Zug Basel-Luzern-Erstfeld (Luzern ab 8.18) bis nach Lugano zu verlängern. «Es ist uns bewusst, dass es mehr Reisende von Zürich ins Tessin gibt, jedoch wird die markante Zeitersparnis durch den neuen Tunnel ein grosses Nachfragewachstum auslösen.» Um Luzern als Touristenstadt international besser anzubinden, setzt sich der VVL auch für eine Verlängerung bis nach Mailand und Frankfurt ein.

Auf den Fahrplanentwurf habe der VVL viele Rückmeldungen erhalten – auch aus der Bevölkerung, so Zurflüh. «Die Verbindung ins Tessin war ein Schwerpunkt der diesjährigen Vernehmlassung.» Nun setzt er sich dafür ein, dass die SBB den definitiven Fahrplan noch verbessern. Ein entsprechendes Schreiben wurde an Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr SBB geschickt.

Die Luzerner stehen mit ihrer Forderung nach besseren Verbindungen ins Tessin übrigens nicht allein da: Vom Angebotsabbau sind auch die Kantone Solothurn und Basel-Stadt betroffen. Dies, weil es künftig entsprechend weniger Verbindungen von Basel via Olten und Luzern ins Tessin gibt. Auch diese betroffenen Kantone setzen sich für bessere Anschlüsse ein – und unterstützen Luzern im Kampf gegen den Abbau.

Laut Zurflüh ist die Antwort der SBB noch hängig. Eine Prognose, ob die SBB den Fahrplan noch überarbeiten, wagt er nicht. Bei Pro Bahn hofft man zwar auf grössere Anpassungen, erwartet aber höchstens noch kleinere Änderungen. Der überarbeitete Fahrplan wird dann Anfang Oktober auf der SBB-Website publiziert, ab dem 26. November wird das Kursbuch verkauft.

Bahnhof Arth-Goldau wird umgebaut

Dass Zürich deutlich mehr Direktverbindungen ins Tessin erhält als Luzern, hat laut SBB-Mediensprecher Reto Schärli mit den Frequenzen zu tun. «Es gibt deutlich mehr Fahrgäste, die von Zürich aus ins Tessin fahren», erklärt er auf Anfrage. «Damit das Umsteigen für Reisende ab Luzern möglichst komfortabel wird, bauen wir den Bahnhof Arth-Goldau um. Schon heute steigen dort viele Reisende am Morgen vom IR aus Luzern auf den IC aus Zürich um.»

Dass Luzern als Touristenstadt auf möglichst gute nationale und internationale Verbindungen zähle, werde auch berücksichtigt. «Aber die Eisenbahn ist letztlich ein Massentransportmittel. Es fahren dort mehr Züge, wo auch mehr Passagiere unterwegs sind.»

Luzern verliere gegenüber heute zwei Direktverbindungen, so Schärli weiter. Der Intercity um 5 Uhr ab Basel via Luzern ins Tessin verkehrt neu als Eurocity Zürich–Venedig. Zudem fällt der Eurocity 8.46 Uhr nach Mailand weg. Für diesen Zug hat sich Luzern lange stark gemacht.

Zeitgewinn von 25 Minuten

Heute fährt der erste direkte Zug ins Tessin um 6.18 Uhr in Luzern ab. Der ICN kommt um 8.54 Uhr in Lugano an. Die Fahrzeit beträgt somit 2 Stunden 36 Minuten.

Gemäss neuem Fahrplan gibt es die erste Verbindung ins Tessin um 6.06 Uhr: Mit der S 3 bis Arth-Goldau, dort umsteigen auf den Eurocity Zürich–Mailand. Um 8.17 Uhr kommt der Zug in Lugano an. Fahrzeit: 2 Stunden 11 Minuten, ein Gewinn von 25 Minuten.

Auf dem Berg ist Geduld gefragt

Zeit verliert jedoch, wer über die Bergstrecke fährt: Hier verlängert sich die Fahrzeit deutlich. Luzern–Lugano legt man heute in 2 Stunden 38 Minuten oder 2 Stunden 50 Minuten zurück.

Künftig sind es mindestens 3 Stunden 23 Minuten. Wer Glück hat, muss nur in Erstfeld umsteigen, auf den Regio-Express nach Lugano. Wer Pech hat, muss in Arth-Goldau, Erstfeld und Bellinzona umsteigen (kein stündlicher Direktzug Erstfeld–Lugano).

cgl

Hinweis

Informationen zum Fahrplanentwurf unter www.fahrplanentwurf.ch

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