Kommentar

Grabenkämpfe nicht noch tiefer machen

Röstigraben oder Stadt-Land-Graben: sie sind Teil des politischen Alltags. Die Unterschiede glätten zu wollen ist unnötig.

Jérôme Martinu
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Dort, wo auffällige Unterschiede vorhanden sind, ist es schnell da, das Bild vom Graben. Oft ist es ein Symbol bei geografischen Disparitäten, aber auch bei Interessen­gruppen, die weit auseinanderstehen. Wird über derlei Unterschiede gar gestritten, spricht man von Grabenkämpfen. Die bekannteste Verwerfung hierzulande ist der Röstigraben. Sie existiert aber auch innerständisch, ausgeprägt etwa im Kanton Luzern: der Stadt-Land-Graben.

Ist der Luzerner Stadt-Land-Graben nur ein Klischee? Ein oft bemühter Kunstbegriff, um durchaus vorhandene Unterschiede zu überhöhen und so mehr Argumentationskraft zu erhalten? Die kantonalen Statistiker haben nach faktischen Belegen gesucht. Zum Beispiel die Steuerkraft: Sie liegt in der Stadt und ihrem Gürtel um 54 Prozent höher als im Durchschnitt der Landgemeinden. Oder die Beschäftigungsdichte: Sie ist in den Zentren Luzern und Sursee viel höher als im vorwiegend zum Wohnen genützten Umland.

Die statistischen Daten bergen kaum Überraschungen. Die Unterschiede zwischen Ballungszentren und dünner besiedelter Landschaft sind quasi natürlich. Nachvollziehbar also, wenn sich Ansprüche und Betrachtungsweisen der Lebenswelten nicht decken. Der Stadt-Land-Graben ist darum auch Teil des politischen Alltags. Die Unterschiede per se glätten zu wollen, das ist unnötig. Im Gegenteil: Wir sollten sie respektieren. Und uns aber auch bemühen, den Graben aus politisch-opportunistischen Gründen nicht noch tiefer zu machen.