Graffiti von Kindern ziert die Sportstätte Schlottermilch

Street-Art-Künstler Sven Stalder lancierte im Rahmen des Ferienpasses in Sursee ein Graffiti-Projekt. Dabei entstand am Fussballstadion Wandgemälde.

Roger Rüegger
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Nach dem Sprayen beim Stadion Schlottermilch: (von links) Emanuel und Gabriel Kurmann, Sven Stalder, Valeria Lizio und Noah Suter. (Bild: Dominik Wunderli, Sursee, 23. Juli 2019)

Nach dem Sprayen beim Stadion Schlottermilch: (von links) Emanuel und Gabriel Kurmann, Sven Stalder, Valeria Lizio und Noah Suter. (Bild: Dominik Wunderli, Sursee, 23. Juli 2019)

Bei der Unterführung zum Stadion Schlottermilch in Sursee begutachtet eine Gruppe junger Leute die Fassade der Sportstätte. Noch vor einer Woche präsentierte sich die Wand grau, seit Montag ist sie ein Hingucker. Einige Schulkinder haben sie mit dem Street-Art-Künstler Sven Stalder mit Spraydosen bearbeitet und Comicfiguren wie Deadpool, Spidergirl oder Captain America erschaffen.

Die Sprayer verewigten sich im Rahmen des Ferienpasses Region Sursee. Sven Stalder hat die sie in einem Workshop in die Graffiti-Szene eingeführt. «Bevor wir uns ans Sprayen machten, erzählte ich den Kids etwas über die Ideologie des Graffiti. Auch klärte ich sie über rechtliche und finanzielle Folgen auf, die drohen, wenn man Objekte wie Unterführungen oder Züge illegal besprayt», sagt der 28-jährige Lehrer aus Sursee, der in Grossdietwil unterrichtet.

Die Schulkinder sind
 stolz auf ihr Werk

Die Kinder haben sich seine Worte eingeprägt und teilen die Begeisterung für Street-Art. «Sven hat uns von illegalen Sprayern erzählt, die für Reinigung und als Strafe bis zu 100 000 Franken bezahlen mussten», sagt Emanuel Kurmann (11), der mit seinem Bruder Gabriel (13) den Graffiti-Workshop besuchte. Beide sind stolz auf ihre Arbeit. «Meinen Kollegen kann ich sagen: Hey, das Bild habe ich gemacht. Damit kann ich bluffen», gibt Gabriel an. Stalder lacht: «Gabriel, du weisst, worum es in der Graffiti-Szene geht. Man will zeigen, was man kann. Damit darf man ruhig bluffen.» Auch Valeria Lizio (12) ist angetan vom Gemälde. Sie entschied sich für Spidergirl. «Weil es ein Mädchen ist und weil Violet passt», sagt sie. Das Bild zeigte sie ihren Eltern. «Die fanden es mega schön», sagt das Mädchen, das gerne zeichnet. Im Workshop habe sie viel über die Technik erfahren. «Bevor wir die Figuren auf die Wand sprayten, mussten wir sie auf Papier zeichnen.» Sie habe ihr Hobby auf eine neue Art entdeckt.

Sven Stalder macht mit Kindern Graffitiworkshops. (Bild: Dominik Wunderli, Sursee, 23. Juli 2019)

Sven Stalder macht mit Kindern Graffitiworkshops. (Bild: Dominik Wunderli, Sursee, 23. Juli 2019)

Die Arbeiten der Schüler sind Teil von etwas Grossem. Stalder: «Die Kinder sollen das Künstlerduo QueenKong kennen lernen.» Das Luzerner Paar, das letzte Woche ein Hochhaus in Berlin bemalte, lässt derzeit auf dem oberen Teil der Fassade ein «Mural» entstehen. «Inhaltlich thematisiert dieses den Sport, der hier betrieben wird», so Stalder. Das Bild mit dem Schwan am Bahnhof Sursee stammt auch aus der Dose der Luzerner. Noah Suter (11), der vierte Sprayer im Bunde, beobachtete die Arbeiten damals. «Ich fand’s cool und wollte so etwas auch einmal machen», sagt er. So schnell kann’s gehen.

Stadt Sursees stellt sieben Flächen zur Verfügung

Stalder will Kinder mit Street-Art an Kunst heranführen. «Nirgends finden sie leichter Zugang. Graffiti entsteht in der Öffentlichkeit, man muss sich mit ihr auseinandersetzen, ob man mag oder nicht.» Er bewegt sich seit Jahren in der Hip-Hop-Szene, die sich durch Graffiti, Rapmusik, Breakdance und DJs definiert. Er will helfen, dass Graffiti als Kunst anerkannt wird, und nichts mit plumpen Schmiererein zu tun hat, denen man oft begegnet. Das ist ihm ansatzweise geglückt. Die Stadt Sursee stellt ihm sieben Flächen zum Gestalten zur Verfügung.

«Ich konnte die Verantwortlichen überzeugen, dass eine besprayte Fläche mit einem Bild nicht verschmiert wird. In der Graffiti-Szene gilt ein Ehren-Kodex.» Wobei sich Leute, die dümmliche Sprüche sprayen, diesen kaum eingehalten würden. Dies seien aber eben keine Graffiti-Writer.