GRENCHEN: Mordfall Grenchen: Luzerner in Haft

Der Dreifachmord von Grenchen ist zwei Wochen nach Auffinden der Leichen weitgehend geklärt. Vier Personen sind in Haft – darunter ein der Polizei bekannter, im Kanton Luzern wohnhafter Deutscher.

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Ein 36-jähriger Deutscher, wohnhaft im Kanton Luzern, wird dringend der Tat verdächtig. (Symbolbild Bruno Arnold/Neue LZ)

Ein 36-jähriger Deutscher, wohnhaft im Kanton Luzern, wird dringend der Tat verdächtig. (Symbolbild Bruno Arnold/Neue LZ)

Kantonspolizeikommandant Thomas Zuber zeigte sich vor über 40 Medienleuten sichtlich stolz, nach zwei Wochen einen «grossen Ermittlungserfolg der «Soko Attika» melden zu können. Es sei ein früher Zwischenschritt, doch gehe man davon aus, die Täterschaft ermittelt zu haben, welche die dreiköpfige Familie am Abend des 5. Juni auslöschte.

36-jähriger, im Kanton Luzern wohnhafter Deutscher
Laut dem Chef der Kriminalabteilung, Urs Bartenschlager, wurden am vergangenen Freitag fünf tatverdächtige Personen teilweise in ihren Wohungen festgenommen: Es handelte sich um zwei Schweizerinnen im Alter 62 und 48 sowie zwei Schweizer im Alter von 32 und 24 Jahren, alle im Kanton Aargau wohnhaft. Dazu kommt ein 36-jähriger, im Kanton Luzern wohnhafter Deutscher. Nur der Deutsche war der Polizei bekannt - wegen Körperverletzung. Die 62-jährige Frau ist mittlerweile wieder frei, da sie laut Polizei mit der Tat nichts zu tun hat. Bei den Razzien waren über 100 Beamte im Einsatz.

Kein Einzelperson am Werk
Bei den Befragungen legte ein mutmasslicher Täter ein Teilgeständnis ab, als er mit den Ermittlungsergebnissen konfrontiert wurde. Laut Bartenschlager hat er «seine Beteiligung an der Tat gestanden». Seine Aussagen seien glaubhaft, sie stimmten mit den bisherigen Erkenntnissen gut überein. Um welche Person es sich handelt und ob auch eine Frau am Tatort war, liess die Polizei offen. Sie geht aber davon aus, dass nicht eine Einzelperson am Werk war. Motiv, Tathergang und Rollenverteilung seien ebenfalls noch unklar. Es wird zugleich angeommen, dass es sich bei einem Teil der Festgenommenen um den Besuch handelte, der sich am Tatabend um ungefähr 19.00 Uhr bei der Familie angemeldet hatte. «Wir sind überzeugt, die Richtigen zu haben», sagte Bartenschlager.

Laut Polizei konnten auch verschiedene Spuren am Tatort den Verhafteten zugeordnet werden. Sichergestellt wurde auch eine Neun-Millimeter-Pistole, bei der er sich um die Tatwaffe handeln dürfte. Neben weiteren Waffen kam bei den Razzien auch der grüne Kombi mit Aargauer Kontrollschildern zum Vorschein, nach dem gefahndet worden war. Den entscheidenden Durchbruch habe aber nicht ein Hinweis aus der Bevölkerung gebracht.

Zusammenhang mit Schenkkreis offen gelassen
Laut Polizei waren die Festgenommenen der getöteten Familie zumindest teilweise persönlich bekannt. Bartenschlager sprach von «lockerer» Bekanntschaft. Ein Zusammenhang mit dem viel genannten Schenkkreis, an dem die Ehefrau beteiligt war, bestätigten die Behörden vorerst nicht. Gleiches gilt für einen Vertrieb von Gesundheitsprodukten. Keinen Kommentar gab es zu Medienberichten, wonach eine aus der Sportwelt bekannte Persönlichkeit unter den Verhafteten ist.

Der 60-jährige Mann, die 55-jährige Frau sowie ihre 35-jährige Tochter waren am 6. Juni an ihrem Wohnort in einem Mehrfamilienhaus in Grenchen tot aufgefunden worden. Zwei Opfer wurden erstickt, das dritte erschossen.

ap