Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Interview

Grend-Experte Piffaretti: Es geht auch mit Wischmopp oder Wollresten

«Mit oder ohne?», das ist hier die Frage, wenn es ums Grende-Tragen an der Luzerner Stadt-Fasnacht geht. Eine besondere Affinität dazu hat Pascal Piffaretti, seines Zeichens Kirchenvergoldermeister und Urfasnächtler mit jahrelanger Zunfterfahrung.
Sandra Monika Ziegler

Was halten Sie davon, sich ohne Grend, dafür mit bemaltem Kopf ins Fasnachtsgetümmel zu stürzen?

Pascal Piffaretti

Pascal Piffaretti

Pascal Piffaretti: Als Stadtluzerner und Fasnächtler gibt es dafür ein klares Nein, das geht gar nicht. Dann geht man lieber in zivil, ohne Verkleidung und mit einem «bluttem» Kopf. So wie es Touristen auch tun.

Wann kamen Sie erstmals mit einem Fasnachtsgrend in Kontakt?

Schon als Kind, durch meine Eltern in der «Crazy Musig». Mein erster Grend war eine sehr einfache Anfertigung. Erst später kamen die mit Pappmaché hergestellten aufwendigeren Masken hinzu.

Das heisst, es war ein Familienwerk?

Ja, als Städter mit Fasnachtseltern war das der gewohnte Weg. Wir haben alle gemeinsam mit Freunden gebastelt. Das Lozärner Fasnachtskomitee (LFK) hat in den 70er und 80er Jahren begonnen, in den Stadtschulen die Maskentradition zu vermitteln. Danach war eine gekaufte Plastikmaske kein Thema mehr.

Wie kam die Luzerner Fasnacht zu ihren Masken?

Ganz früher, etwa ab dem 18. Jahrhundert, gab es die Schreckmasken aus Holz oder Pappe. Das waren Gesichter mit einer Fratze oder Fabelwesen. Mit den ersten Guuggenmusigen, nach 1946, kam auch der Grend. Musigen hatten früher die grossen, hohen Kartonröhrenmasken, später wurden sie kleiner und individueller gestaltet.

Gibt es zwischen Stadt und Land einen Unterschied?

Das kann man so sagen, und das kann man heute auch noch im Luzerner Umland sehen. Zwar hat es dort auch Guuggenmusigen, sie haben aber keinen Grend aufgesetzt. Vielmehr sind die Gesichter kunstvoll und kreativ bemalt, und der Kopf ist mit einem Mützli bedeckt. Das ist natürlich nicht das gleiche. Da fehlt ganz klar die Tradition vom Grendebaschtle.

Wie darf ich das verstehen?

Wie schon erwähnt, arbeitete das Lozärner Fasnachtskomitee früher eng mit den Luzerner Stadtschulen zusammen. An den Schulen gab es aber je länger je weniger Zeit für kreative Themen. Als LFK-Maskenchef 2006 ging ich deshalb neue Wege. Mit Inseraten in der Zeitung und via Radio Pilatus animierten wir fasnachts- und bastelbegeisterte Luzernerinnen und Luzerner jeden Alters zum Selberbasteln; das hat bis heute Erfolg. Es kommen immer 60 bis 80 Erwachsene und ebenso viele Kinder zu unseren Bastelkursen. An drei Abenden fertigen Erwachsene ihre Maske gegen ein kleines Entgelt und finanzieren damit die drei Nachmittage, an denen die Kinder ihren Grend machen.

Das braucht aber viel Platz, wo wird das veranstaltet? Wer hilft mit?

Ja, das ist eine Herausforderung. Wo kann ein grosser Saal gemietet werden, wo können die Utensilien über drei Tage gelagert werden? Das erste Mal fand das Basteln im ehemaligen «Le Théâtre» in Kriens statt, heute im Pavillon der Spielleute. Es machen Fasnächtler, etwa Mitglieder der Nostradamus, Maskenbrüder und andere Zünftler mit, alle chrampfen ehrenamtlich.

Soll damit eine alte Tradition am Leben erhalten werden?

Genau. Denn es war eine Zeit lang auffällig, dass Lehrer – meist auswärtige – mit Grendebaschtle und Fasnacht nichts am Hut haben. Auch gibt es Eltern, die zwar gerne möchten, aber nicht wissen wie. Mit den Maskenkursen – die immer schnell ausgebucht sind – geht die Tradition weiter.

Was ist wichtig bei einem Grend?

Die gestalterische Freiheit ist gross. Hauptsache, der Grend ist nicht zu perfekt. Zuerst formt man einen Mocken Ton, dann legt man eine Folie darauf, überdeckt ihn mit Pappmaché und lässt ihn trocknen. Augen- und Mundpartie ausschneiden, anmalen und fertig ist das Stück.

Geht es auch einfacher?

Klar, mit Schachtel, WC-Rollen, Wischmopp oder Wollresten als Haar, einem Gummiband für den Halt und Farben. Das kann sogar kurz vor dem Schmudo gemacht werden.

Hinweis: Pascal Piffaretti ist Mitglied der Zunft zu Safran, er amtet dort als Archivar und Zeremonienmeister.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.